Nachdenkliche Aktionärsfigur auf schwarz-rot-gelben Aktienkursen
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DAI-Studie Anleger wollen Dividenden

Stand: 10.07.2019, 12:00 Uhr

Die Mehrzahl der privaten Aktienbesitzer geht nicht auf Hauptversammlungen und nutzt die Geschäftsberichte der Unternehmen nur mäßig zur Information. Und auch an einer weiteren Vorliebe der Investoren hat sich nicht viel geändert: Dividenden stehen weiterhin hoch im Kurs.

Die Studie des Deutschen Aktieninstituts zum Anlegerverhalten, bei dem das Institut mit der Uni Bochum, mit DHL und dem Investor-Relations-Verband DIRK zusammenarbeitet, erscheint nur alle fünf bis sechs Jahre. Sie fragt dabei ab, wie sich Anleger über Aktien informieren, welche Rolle Dividenden für sie spielen und ob und wie sie ihr Stimmrecht nutzen.

Lieber Dividenden als Kurspflege

Eine Erkenntnis ist dabei über die vergangenen Jahrzehnte gleichgeblieben und wird auch in der 2019er Studie bekräftigt: Die Ausschüttungen von Unternehmen via Dividende spielen gerade für Privatanleger eine immer größere Rolle. Auch wenn die Mehrheit der Befragten (45 Prozent) nach wie vor ein tendenziell ausgewogenes Verhältnis von Dividenden und Kurssteigerungen bevorzugt, haben sich seit 2008 deutliche Verschiebungen in Richtung höherer Dividenden und geringerer Kurssteigerungen ergeben. 56 Prozent von ihnen halten höhere Dividenden auch gegenüber Aktienrückkäufen für wünschenswert.

An den Informationsquellen, die Anleger bei der Beurteilung des Börsengeschehens und einzelner Aktien nutzen, ändert sich ebenfalls kaum etwas. Die Wirtschaftspresse ist für die Anlageentscheidung von Privatinvestoren weiterhin der bedeutendste und verständlichste Informationskanal. Für 68 Prozent der befragten Privatanleger hat die Wirtschaftspresse eine (sehr) hohe Relevanz.

Geschäftsberichte zu sperrig?

Im Vergleich dazu spielen Geschäftsberichte der Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle. Hier zeigt sich laut DAI ein "Bedeutungsrückgang" gegenüber der Befragung aus 2013 von 53 auf 45 Prozent. Inzwischen nimmt weniger als ein Drittel der befragten Privatanleger den Geschäftsbericht als verständliche Informationsquelle wahr. Zeitungen und Zeitschriften (53 Prozent), gefolgt von Funk und Fernsehen (30 Prozent) stellen die wichtigsten Informationskanäle dar.

Demgegenüber rangieren die Social Media-Plattformen "Facebook" und "Twitter" mit deutlichem Abstand auf dem letzten Platz (2 Prozent). Das trifft allerdings nicht auf jüngere Privatanleger mit vergleichsweise wenig Anlageerfahrung, (ökonomischer) Bildung und Aktien im Depot zu. Viele Aktien-Einsteiger schätzen die Bedeutung von Social Media für ihre Anlageentscheidungen als hoch oder sogar sehr hoch ein.

Bankberater sind "out"

Dem Bankberater in der Filiale trauen immer weniger Anleger offenbar eine kompetente Beratung zu. Der Anteil derjenigen, die die Auskunft von Finanzintermediären als (sehr) bedeutsam ansehen, innerhalb der letzten zehn Jahre um insgesamt 40 Prozent gesunken.

Recht konstant geblieben ist in den vergangenen Jahren die Bedeutung des Aktionärsstimmrechts. Weiterhin gibt rund die Hälfte der Befragten an, ihr Stimmrecht in den letzten zwei Jahren weder selbst genutzt noch auf einen Bevollmächtigten übertragen zu haben. Wie bei den vorangegangenen Befragungen erklären sich rund zwei Drittel der Privatinvestoren bereit, stimmrechtslose Aktien zu erwerben.

Anlageprofis ticken anders

Im Gegensatz zu Privatanlegern legen Profi-Anleger mehr Wert auf "klassische" Kriterien wie Managementqualität und die Ertragslage bei Anlageentscheidungen, auch das hat die DAI-Studie ermittelt. Auffällig ist im Vergleich zur 2013er Studie der Bedeutungszuwachs der Unternehmensführung (Corporate Governance) und der sozialen Verantwortung innerhalb der Unternehmen (Corporate Social Responsibilty) bei den Profis. Darauf achten die Privatanleger derzeit noch deutlich weniger.

AB