Fabrik der Südzucker AG in Ochsenfurt spiegelt sich im Main

Klima schonen mit Rendite Anlegen ohne CO2?

Stand: 03.07.2020, 11:17 Uhr

Die Reduzierung des Treibhausgases bei Emssionen ist das große Ziel der internationalen und nationalen Klimapolitik. Auch Anleger können ihren "CO2-Fußabdruck" verkleinern. Dabei können sie auf klimabewusste Unternehmen setzen oder entsprechende Investmentfonds ins Depot legen.

Klimaneutral bis 2050: Das ist das große Ziel der EU. Bis zur Mitte des Jahrtausends will die Gemeinschaft den Ausstoß von Klimagasen "netto" auf null bringen. Immer noch stattfindende Emissionen sollen dann ausgeglichen werden, etwa durch Aufforstung von Wäldern. Das Ziel aller Anstrengungen ist im Klimaabkommen von Paris seit 2015 formuliert: Die menschengemachte Klimaerwärmung auf zwei Grad, besser noch auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Bis 2030 soll nach dem Willen der EU-Kommission Emissionen an Treibhausgasen in der Gemeinschaft um 50 bis 55 Prozent sinken. Das EU-Parlament fordert sogar eine Reduzierung um mehr als 60 Prozent, Wissenschaftler fordern das gleiche, damit die Zielvorgabe für 2050 überhaupt erfüllbar sein kann.

Autoindustrie vor Milliardenstrafen

Die Reduzierung der Emissionen kommt in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft ganz unterschiedlich voran. Während in der Industrie und Energiewirtschaft bereits in den vergangenen Jahren deutliche Reduzierungen erreicht wurden, hat der Bereich "Verkehr" erhebliche Verspätung: Vor allem die Autohersteller hinken den Zielvorgaben deutlich hinterher - das gilt auch für die deutschen Hersteller. Im kommenden Jahr drohen der Branche nach einer aktuellen Studie Strafzahlungen von rund 115 Milliarden Euro.

Umweltsünder bestrafen oder umweltbewusste Unternehmen belohnen, das können auch Privatanleger längst durch den Einsatz ihrer eigenen Investitionen am Aktienmarkt. Dabei muss der Blick allerdings weit über den Tellerrand vieler Anleger hinaus gehen. Denn auf der Suche nach Umwelt-Vorbildern werden sie etwa im Dax nur bedingt fündig.

Das Frankfurter Startup "Right based on Science" hat Ende 2019 nur sieben Dax-Unternehmen ausfindig gemacht, deren Klimapolitik bislang dem Zwei-Grad-Ziel entspricht. Entsprechend kritisch müssen aktuelle Bekenntnisse und Klimavorgaben beurteilt werden, die derzeit von den Konzernen kommen. Daimler etwa will ab 2022 klimaneutral produzieren, verfehlt aber mit seiner Flotte die Emissions-Vorgaben von allen großen internationalen Herstellern am weitesten.

Negativ- oder Positiv-Screening

Um das Aktiendepot möglichst klimaneutral aufzustellen, kann einerseits über ein "Negativ-Screening" alles an Unternehmen ausgeschlossen werden, was hohe Emissionen verursacht. Damit wären Firmen, die bei der Verbrennung fossiler Energien beteiligt sind, erst einmal "raus", also Öl- und Gas-Konzerne, aber auch viele Unternehmen des Verkehrs- und Transportsektors. Umgekehrt können aber durch ein Investment auch Firmen gefördert werden, die in diesen Sektoren ihre Emissionen stark reduzieren.

Über eine Positiv-Auswahl kann man umgekehrt in Unternehmen investieren, die möglichst wenig oder gar keine Emissionen "netto" erzeugen. Dazu gehören etwa Branchenvorreiter aus den Bereichen Erneuerbarer Energien oder Wiederaufbereitung.

Fonds mit Footprint

Wer die Auswahl von "CO2-günstigen" Aktien nicht selbst vornehmen will, kann inzwischen auf eine Reihe von Aktienfonds zurückgreifen, die in ihren Portfolien auf möglichst geringe Emissionen bei den Firmen achten, in die investiert wird. Einige veröffentlichen sogar die CO2-Bilanz des Fonds insgesamt. (s. unser Überblick: Rendite ohne Emissionen)

Wer bereits bei der Auswahl seiner Bank auf möglichst geringe Klima-Emissionen Wert legt, wird am ehesten bei einer Reihe von Banken fündig, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben. In Deutschland sind dabei etwa die GLS Bank, die Ethikbank, die Umweltbank oder die Triodos Bank Vorreiter. Die Institute achten bei ihrer Kreditvergabe an Firmen oder ihren eigenen Investments auf möglichst geringe Belastungen in Sachen Emissionen. Die Triodos Bank, Europas größte Nachhaltigkeitsbank, bietet inzwischen sogar ein "klimaneutrales" Depot für Anleger auch in Deutschland an. (s. unser Überblick)

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Weniger Emissionen im Depot Überblick

Bankberater und Kundin

Nachhaltige Bank
Der Weg zum klimafreundlichen Anlegen kann über ein Konto und Depot bei einen Bankinstitut führen, das selbst möglichst auf seinen CO2-Fußabdruck achtet. In Deutschland können Kunden unter einer Reihe von Anbietern wählen, die bei Kreditvergabe und eigenen Investments solche Emissionen im Auge haben. Viele von ihnen haben auch eigene Investmentfonds im Angebot. Dazu gehören die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethikbank oder die Triodos Bank.

AB