Euroscheine im Strudel

Vermögenspreise ziehen wieder an Die versteckte Inflation

Stand: 15.05.2019, 15:58 Uhr

Offiziell schwankt die Inflation in Deutschland zwischen einem und zwei Prozent - je nachdem, wie sich die Spritpreise entwickeln. Tatsächlich ist die Inflation aber viel höher - wenn man die Vermögenspreise betrachtet.

Die Inflationsdaten des Statistischen Bundesamts nehmen viele Geldanlagestrategen schon lange nicht mehr ernst. Sie beschränkt sich auf die Messung der Verbraucherpreise anhand eines Warenkorbs von 600 Gütern und Dienstleistungen. Mit der Realität der Menschen in Deutschland hat der Verbraucherpreisindex wenig zu tun, kritisieren Experten. Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch hat deshalb einen eigenen Index entwickelt, der auch die Teuerung der Vermögenspreise misst.

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Warum fürchten Aktienanleger die steigende Inflation?

So kommen die Kölner zu ganz anderen Daten. "Die Inflation ist längst da, sie hat sich bloß von den Güter- auf die Vermögenspreise verlagert", meint Philipp Immenkötter von Flossbach von Storch.

Vermögenspreise steigen um über drei Prozent

Im ersten Quartal zogen die Preise für die Vermögensgüter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,1 Prozent an. Insbesondere bei Immobilien gab es einen deutlichen Preissprung. Sie verteuerten sich um sieben Prozent. In den vorangegangenen Quartalen waren freilich die Immobilien noch starker gestiegen.

Entwicklung der Vermögenspreise

Entwicklung der Vermögenspreise. | Bildquelle: Flossbach von Storch Research Institute, Grafik: boerse.ARD.de

Auch die Preise für Gold zogen an. Dagegen waren die Aktien in den ersten drei Monaten 2019 im Vergleich zum Vorjahresquartal 1,9 Prozent günstiger. Die Erholung an den Börsen seit Jahresbeginn konnte den Kursverfall zum Ende des letzten Jahres nicht vollständig kompensieren.

Reiche und Senioren profitieren

Besonders hoch ist die Vermögenspreisinflation bei Haushalten aus der oberen Mittelschicht: Ihr durchschnittliches Vermögen verteuerte sich um 4,9 Prozent. Kein Wunder, denn sie besitzen einen höheren Anteil an Immobilien. Auch Senioren verzeichneten deutliche Preissteigerungen. Die Vermögenswerte verteuerten sich um 4,3 Prozent - wegen des überdurchschnittlich hohen Anteils an Immobilienbesitz.

Im vierten Quartal 2018 waren die Vermögenspreise deutscher Haushalte noch um 2,7 Prozent zurückgegangen - im Zuge der deutlich gefallenen Aktienkurse. Langfristig sieht das Bild anders aus. Seit 2005 ist der Vermögenspreisindex von Flossbach von Storch um 3.0 Prozent gestiegen.

nb