Sparschwein vor Geldstapeln

Angst vor Minuszinsen Deutsche horten immer mehr Bargeld

Stand: 29.11.2019, 14:23 Uhr

Aus Angst vor Negativzinsen horten immer mehr Deutsche Bargeld zu Hause. In den eigenen vier Wänden wird mittlerweile doppelt so viel Geld aufbewahrt wie noch vor zehn Jahren.

Egal ob unter den Holzdielen, im Kopfkissen, dem Tresor oder Sparschwein: Deutsche horten rund 235 Milliarden Euro Bargeld in Banknoten zu Hause. Der Betrag ist damit doppelt so hoch wie noch vor zehn Jahren. Gemessen an der Bevölkerungszahl von 83 Millionen sind dies durchschnittlich 2.800 Euro pro Kopf!

Furcht vor Negativzinsen

Über die Zahl von 235 Milliarden Euro in Banknoten nach knapp 102 Milliarden Euro im Jahr 2009 hatte zuerst die "Bild" berichtet. Ein Sprecher der Bundesbank bestätigte die Angaben. Die Zeitung zitierte den FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler mit den Worten, Bürger und Unternehmen würden immer mehr Bargeld horten, weil sie die Enteignung durch Negativzinsen fürchteten. Ohne eine wirkliche Zinswende sei dies erst der Anfang. Insgesamt habe die Bundesbank derzeit 726 Milliarden Euro an Banknoten im Umlauf, nach 348 Milliarden Euro 2009.

Zuletzt wurde bekannt, dass die Volksbank in Fürstenfeldbruck Negativzinsen ab einem Cent Einlagevolumen auf Tagesgeldkonten von Neukunden erhebt. Auch die Frankfurter Volksbank denkt über eine entsprechende Lösung nach. Diesen Schritt dürften künftig immer mehr Banken gehen, da sie es sich schlicht nicht leisten können, den Negativzins von minus 0,5 Prozent der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht an die Kunden weiterzugeben.

Häufiger Strafzinsen für Sparer

Die Debatte über Strafzinsen für Sparer hatte nach der jüngsten Lockerung der Geldpolitik durch die EZB Fahrt aufgenommen. Laut frühere Angaben der Bundesbank erheben bereits 23 Prozent der befragten Banken Negativzinsen für Giro- oder Tagesgeldkonten. Privatkunden sind bei den meisten Instituten allerdings nur betroffen, wenn sie mindestens 100.000 Euro auf dem Konto liegen haben.

ms