Mit dem US-Präsidenten auf der Gewinnerseite? Diesen Zyklus sollte jeder Anleger kennen!

von Angela Göpfert

Stand: 18.12.2012, 14:37 Uhr

Der US-Präsidentschaftszyklus ist einer der wichtigsten langfristigen Zyklen an der Börse überhaupt. Anleger, die sich 2012 danach gerichtet haben, konnten satte Gewinne in ihrem Depot verbuchen. Eine Steilvorlage für 2013?

Chart Down Jones Wahlzyklus

Der Präsidentenzyklus im Dow Jones. | Bildquelle: Dimitri Speck / www.seasonalcharts.com, Grafik: boerse.ARD.de

Schon lange haben Statistiker festgestellt, dass Wahlen einen eminenten Einfluss auf die Kursentwicklung an den Aktienmärkten haben. Laut Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest kann der US-Präsidentschaftszyklus sogar als "einer der wenigen funktionierenden regelmäßigen Zyklen in der Finanzwelt" bezeichnet werden.

In der Tat folgt der Dow-Jones-Index seit gut 116 Jahren mit beeindruckender Präzision und einer hohen Trefferquote diesem Muster.

Fulminante Rally
So war auch das sich zu Ende neigende Jahr 2012 ein Börsenjahr wie aus dem Lehrbuch des US-Präsidentschaftszyklus: Demnach wird gegen Ende des zweiten Quartals ein zyklisches Tief ausgeprägt. Dem folgt typischerweise eine außergewöhnliche Sommerrally. "Die Börse beendet das Jahr tendenziell auf Jahreshoch", erklärt Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus.

Tatsächlich markierte der Dow Jones 2012 Anfang Juni ein zyklisches Tief, von wo aus er zu einer fulminanten Aufholjagd startete. Wer damals in den Markt eingestiegen war, konnte bislang Kursgewinne von zehn Prozent verbuchen. Bis zum Jahreshoch bei 13.661 Punkten hat der US-Leitindex zwar noch etwas Luft. Das Jahr ist ja aber auch noch nicht vorüber.

Chart Dow Jones Nachwahljahre

Chart Dow Jones Nachwahljahre. | Grafik: boerse.ARD.de, Dimitri Speck / www.seasonalcharts.com

Volatile Seitwärtsphase
Sollten sich die Märkte auch 2013 nach dem US-Präsidentschaftszyklus richten, so steht Anlegern allerdings ein weniger erfreuliches Börsenjahr bevor. Denn ist erst einmal ein neuer Präsident gewählt, lassen die Aktienmärkte zunächst Luft ab oder tendieren seitwärts.

Konkret sollten sich Anleger auf erste Kursrückgänge gleich zu Jahresbeginn einstellen. Von März bis August besteht dann eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Kursgewinne, bevor der Dow wieder den Rückwärtsgang einlegt.

Diese volatile Seitwärtsphase hält an bis zum Herbst des zweiten Nachwahljahres. Von dort startet üblicherweise eine starke Aufwärtsphase beim Dow Jones. Dieser Aufwärtsimpuls hält bis zur Wahl an, wobei Vorwahljahre, statistisch betrachtet, die besten Börsenjahre sind.

Fundamental gut begründet

Das alles ist natürlich kein Zufall, sondern lässt sich fundamental bestens begründen. So nutzt ein neu gewählter Präsident in aller Regel die ersten beiden Jahre seiner Amtszeit, um unpopuläre Entscheidungen wie Ausgabenkürzungen durchzusetzen. Diese sorgen dann an der Börse für schlechte Stimmung.

Kurz vor der Wahl will sich der Präsident hingegen bei den Wählern in Szene setzen. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das schlägt sich wiederum in steigenden Börsenkursen nieder.

Zyklen sind nicht alles

Privatanleger sind gut beraten, diese typischen saisonalen Muster als Hintergrundwissen für ihre anstehenden Anlageentscheidungen im Kopf zu behalten. Es wäre jedoch fahrlässig, sich bei seinen Investitionsentscheidungen einzig und allein an einem Zyklus zu orientieren. Auch wenn er in der Vergangenheit so gut funktioniert hat wie der Präsidentschaftszyklus.

Erst wenn auch die Charttechnik, fundamentale Faktoren und bestenfalls auch noch die Sentiment-Indikatoren in die gleiche Richtung weisen wie der Zyklus, ergibt sich ein überzeugendes Gesamtbild.