Verzweifelter Händler an der Frankfurter Börse

Orientierung statt Panik Dax - wo der Crash jetzt enden könnte

von Angela Göpfert

Stand: 18.03.2020, 12:30 Uhr

Zur Wochenmitte geht es im Dax erneut abwärts. Ist der jüngste Stabilisierungsversuch zum Scheitern verurteilt? Wir erklären, wo die Kurse jetzt Halt finden können.

Die Fakten zuerst: Am Montag hat der Dax das vorläufige Tief des Corona-Crashs markiert. Bis auf 8.256 Punkte ging es für den deutschen Leitindex nach unten. Damit hat der Dax seit seinem Rekordhoch vom 17. Februar bei 13.795 Punkten in der Spitze rund 40 Prozent eingebüßt.

Historische Zeiten an der Börse

Das ist historisch einmalig. Noch nie ging es für den deutschen Leitindex binnen so kurzer Zeit so drastisch bergab.

Doch ist das Tief vom Montag bereits der endgültige Tiefpunkt des Corona-Crashs – oder steht uns der Höhepunkt der Panik noch bevor? Wo können die Kurse jetzt Halt finden?

Hochpunkte von 2000 und 2007 im Visier

Fakt ist: Aus charttechnischer Perspektive hat der Dax jetzt zumindest eine große Chance sich zu stabilisieren. Denn er befindet sich in unmittelbarer Nähe zu einer gewaltigen Unterstützungszone, die sich bei rund 8.100 Punkten erstreckt.

Bei 8.136 Punkten verläuft das Dotcom-Blasen-Hoch vom 7. März 2000. Knapp darüber, bei 8.152 Zählern, befindet sich das markante Vor-Finanzkrisen-Hoch des Jahres 2007.

Dax-Chart 25 Jahre

Bei rund 8.100 Punkten verläuft eine gewaltige Unterstützungszone im Dax.

"Massive Unterstützungszone"

Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse HSBC Trinkaus & Burkhardt, spricht von einer "massiven Unterstützungszone". Diese sei "geradezu prädestiniert, um einen Erholungsversuch einzuleiten".

Zumal der Dax "massiv überverkauft" sei. Der Dax notiert nämlich rund 30 Prozent unterhalb seiner 200-Tage-Linie (aktuell bei 12.553 Punkten). "Dieser historisch große Abstand zur meistbeachteten Glättungslinie wurde in der Vergangenheit nur in der Finanzmarktkrise und nach dem Platzen der Technologieblase zu Beginn des Jahrtausends erreicht", betont Scherer.

Die Stelle, an der die Panik endet?

Auch Marktexperte Robert Rethfeld von "Wellenreiter-Invest" sieht in den Hochpunkten der Jahre 2000 und 2007 eine wichtige Unterstützung: "Ich denke, an dieser Stelle oder darüber wird die Panik spätestens enden. Dann werden die Kurse in eine Phase der volatilen Bodenbildung übergehen", erklärte Rethfeld im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Und Jochen Stanzl, Chefanalyst CMC Markets, meint: "Neue Tiefs könnten jetzt zu einem Test der Hochs der Jahre 2000 und 2007 bei 8.136 Punkten führen. Solange diese Unterstützung hält, können Investoren eine Risikobewertung bis zu dieser Marke unternehmen."

Ein höheres Tief muss her

Wichtig für den Dax wäre es nun, ein höheres Tief, ein höheres Standbein auszubilden. Am besten bei anziehenden Handelsvolumina. Damit würde der Dax gemäß der Dow-Theorie einen Aufwärtstrend ausbilden.

Einen ersten Schritt in diese Richtung hat der Dax am Dienstag unternommen, als es im Tagestief nur noch bis auf 8.423 Punkte runter ging.

Die Schicksalsmarke des Dax

Vor diesem Hintergrund sind auch die heutigen Kursverluste im Dax zu sehen: Solange es die deutschen Standardwerte schaffen, sich oberhalb des gestrigen Tiefs, vor allem aber oberhalb des Tiefs vom Montag (8.256 Punkte) zu halten, haben sie weiterhin eine Chance auf Stabilisierung.

Sollten die Kurse darunter rutschen, dürfte die Unterstützungszone bei 8.100 Zählern dem ersten Ansturm der Bären zunächst Einhalt gebieten. Sollte aber auch sie letztlich nicht halten, droht eine neuerliche Beschleunigung des Corona-Crashs.

Einmal mehr dürfte sich also das Schicksal des Dax an der Marke von 8.100 Punkten entscheiden.