Blick durch eine Lupe auf eine Chartgrafik
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Charttechniker warnen Dax unter 11.000 Punkten - Wie geht es weiter?

Stand: 07.12.2018, 11:55 Uhr

Am Donnerstag ist der deutsche Leitindex gehörig unter die Räder gekommen. Der Dax verlor 3,5 Prozent und fiel auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Schnäppchenjäger sorgten am Freitag zunächst für Erholung. Doch Charttechniker warnen - die Lage ist weiter brandgefährlich.

Diese Woche verlief für Anleger bislang enttäuschend: Nach Entspannungssignalen im US-Handelsstreit mit China war der Dax am Montag noch deutlich gestiegen. Viele Anleger hofften bereits auf den Beginn einer Jahresendrally am Aktienmarkt. Was folgte war allerdings Ernüchterung: Der Leitindex sackte ab, nachdem die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Technologie-Konzerns Huawei in Kanada den Handelskonflikt zwischen den USA und China wieder anzuheizen drohte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger nahmen Reißaus - und warfen Aktien massenweise aus ihren Depots. Der Dax erlebte am Donnerstag seinen schlimmsten Kurssturz seit der Brexit-Entscheidung vor gut zweieinhalb Jahren. Er rutschte erstmals seit 2016 unter die runde Marke von 11.000 Punkten. Seit dem Rekordhoch Ende Januar hat der deutsche Leitindex nun rund 20 Prozent verloren.

Kurzzeitige Erholung am Freitag

Charttechnisch war der Donnerstag ein weiterer schwerer Schlag. Der Dax schloss nur knapp oberhalb der Unterstützung bei 10.800 Punkten. "Entfernt sich der Dax davon nach oben, könnte es zu einer kurzfristigen Gegenbewegung in Richtung der psychologischen Marke bei 11.000 Zählern kommen", hofft Christian Henke von Broker IG Markets. Weitere potenzielle Ziele seien die beiden ehemaligen Verlauftiefs bei 11.009/11.049 Punkten, die gestern von den Bären überrannt wurden.

Kommt es also zur Gegenbewegung? Der Dax gewann am Freitagvormittag 0,8 Prozent auf 10.893 Zähler. Die Chartanalysten der UBS raten allerdings weiter zur Vorsicht. "Unterhalb von 11.150 Punkten sollte man sich jederzeit auf eine weitere massive Verkaufswelle einstellen", schrieben sie in ihrem Morgenkommentar. Auch Milan Cutkovic, Marktanalyst vom Brokerhaus AxiTrader, fürchtet, "dass es sich dabei nur um eine kurzzeitige Erholung und eine Gegenreaktion auf die starken Verluste von gestern handelt."

Technische Indikatoren weisen auf Bärenmarkt hin

Der Dax-Rückgang unter die börsenpsychologisch als wichtig eingeschätzte Marke von 11.000 Punkten habe "deutlichen Schaden angerichtet". Die Nervosität auf dem Börsenparkett bleibe hoch, glaubt Cutkovic. "Und die Chancen auf eine Weihnachtsrally schwinden."

Die Analysten der Helaba rechnen ebenfalls mit einem weiteren Abwärtstrend: "Auf technischer Basis sind Kursverluste bis in den Bereich um 10.500 nicht auszuschließen. Der MACD generiert ein Verkaufssignal, das Kursmomentum sinkt im negativen Bereich und der ADX (Average Directional Movement - ein Trendstärke-Indikator. Er bildet die Stärke einer Trendbewegung ab, unabhängig von ihrer Richtung.) steigt." Diese technischen Indikatoren seien Hinweise auf eine mögliche Ausdehnung des Abwärtsimpulses.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Woche
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Skeptisch stimme sie zudem der Blick auf den Wochenchart. Auf Wochensicht kommt der Dax auf einen Abschlag von mehr als drei Prozent.

tb