Lidl Kochzauber

Berliner Start-up erobert die (Küchen-)Welt Das Kochboxen-Geheimnis

von von Notker Blechner

Stand: 13.11.2018, 09:32 Uhr

Pizza bestellen ist von gestern. Heute ordert das junge Großstadtpaar eine Kochbox mit Zutaten, um daraus eine Mahlzeit zuzubereiten. Zu den weltweit führenden Kochbox-Lieferanten gehört das Berliner Start-up HelloFresh. Doch die Konkurrenz wird immer größer.

Vielleicht ist es der Trend zu gesünderem Essen, vielleicht auch eine neue Lust am Kochen: Wie das Wachstum der Anbieter zeigt, kommen immer mehr Verbraucher auf den Geschmack mit den Kochboxen. Für einen ordentlichen Aufpreis sparen sie Zeit für langwierige Einkäufe im Supermarkt. Und haben trotzdem frische Zutaten für eine schmackhafte Mahlzeit auf dem Tisch.

Alternative zur Lieferpizza

Für die Online-Bestellung genügen wenige Klicks. Der Lieferdienst kommt mit einer Kochbox, in der sich das Rezept und sämtliche Zutaten für die georderte Mahlzeit befinden. Nur kochen muss der Kunde noch selbst. In der Regel dauert es gut eine halbe Stunde, bis das Essen zubereitet ist.

Fast 50 Millionen Mahlzeiten im Quartal

HelloFresh Screenshot aus Erklär-Video

HelloFresh. | Bildquelle: Unternehmen

Das Geschäft boomt in vielen Teilen der Welt. Der Berliner Anbieter HelloFresh wächst rasant. Das 2011 gegründete Start-up zählt inzwischen knapp 1,9 Millionen aktive Kunden in elf Ländern. Jeder Kunde bestellt im Schnitt etwa 3,7 Mal pro Quartal und zahlt je Order 49 Euro. Alleine im zweiten Quartal dieses Jahres gingen bei Hellofresh 6,7 Millionen Bestellungen ein. Pro Quartal liefert der Kochboxen-Anbieter rund 49 Millionen Mahlzeiten.

Der Umsatz der Berliner kletterte im ersten Halbjahr 2018 um rund 38 Prozent auf 435,4 Millionen Euro. Über die Hälfte davon kam aus den USA, dem wichtigsten Absatzmarkt von HelloFresh. Nach der Übernahme von Green Chef sieht sich das Unternehmen dort als Marktführer. Die Berliner haben den US-Konkurrenten Blue Apron entthront.

Rasantes Wachstum, aber rote Zahlen

Die Expansion in den USA, in Kanada und zuletzt auch in Neuseeland kostet allerdings viel Geld. HelloFresh schreibt daher immer noch rote Zahlen. Im ersten Halbjahr lag der Verlust unterm Strich bei 45 Millionen Euro. Der ursprünglich für 2018 geplante operative Break Even soll erst nächstes Jahr kommen.

HelloFresh-Kochbox mit Lebensmitteln, davor hält eine Hand drei Rezeptkarten

HelloFresh-Kochbox. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die beiden Firmengründer Thomas Griesel und Dominik Richter sehen noch eine Menge Expansionsmöglichkeiten. Alleine in Deutschland gebe es ein Potenzial von mindestens 15 Millionen Kunden im Kochboxen-Markt, glaubt Vorstand Griesel.

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Allerdings wird die Konkurrenz auch immer größer. Auf der einen Seite mischen Supermärkte wie Rewe und Lidl im Kochboxen-Geschäft mit, auf der anderen Seite dringt Amazon in den Markt ein. Im Sommer 2017 startete der Online-Händler mit eigenen Kochboxen in den USA. In Deutschland steht Amazon vor dem Markteintritt.

Das könnte die Marktführerschaft von HelloFresh gefährden. Es eröffnen sich indes auch neue Chancen. "Amazon kann für HelloFresh ein extremer Wettbewerber werden, aber auch ein Partner", meint Analyst Lucas Boventer von Warburg Research. Sollte der Online-Riese darauf verzichten, eigene Kochboxen zu verkaufen, könnte er HelloFresh-Produkte verkaufen.

Zweites Standbein: Der intelligente Kühlschrank

Längst beschränkt sich HelloFresh nicht mehr nur auf Kochboxen. Mit dem "intelligenten Kühlschrank" haben sich die Berliner ein zweites Standbein geschaffen. Sie stellen in Firmen Kühlschränke auf, die frische Gerichte, Snacks und Getränke enthalten. "Typischerweise stehen in Büros eher Automaten mit Schokoriegeln und Cola", weiß Vorstand Griesel. "Das ist nicht mehr zeitgemäß."

Die Büromitarbeiter zahlen per Karte oder Fingerabdruck. Die Nachbestellungen übernimmt der Kühlschrank selbst. Das Kühlschrank-Konzept "läuft sehr erfolgreich", sagt Griesel.

Noch keine Erfolgsstory an der Börse

An der Börse wartet HelloFresh noch auf den Durchbruch. Die Aktie hat sich zwar über dem Ausgabepreis von 10,25 Euro behauptet, ist aber nach dem Rekordhoch von 15 Euro im Juli wieder zurückgefallen. Aktuell pendelt der SDax-Titel um die 11,00 Euro. Davon profitiert die einstige Konzernmutter Rocket Internet. Die Start-up-Schmiede hält noch 36 Prozent am Berliner Kochboxen-Versender.

Analysten und Fondsmanager trauen dem Unternehmen noch einiges zu. Henning Gebhardt, Chefanleger von Berenberg, zählt die Aktie neben Adidas und Wirecard zu den drei spannendsten Aktien Deutschlands.

Blue Apron als warnendes Beispiel

Freilich: Die Kursentwicklung des Konkurrenten Blue Apron zeigt, wie schnell es in der Branche nach unten gehen kann. Die Aktie des US-Kochboxen-Anbieters ist seit dem Börsengang Mitte 2017 dramatisch eingebrochen - von 10,00 Dollar auf rund 1,00 Dollar. Ein mahnendes Beispiel für Anleger, die glauben, dass Kochboxen die Essensgewohnheiten der Menschen verändern!

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Essen auf Rädern Lieferdienste und Kochboxen-Versender

Hellofresh

Hellofresh
Das 2011 gegründete Berliner Start-up ist inzwischen zum führenden Kochbox-Lieferanten der Welt aufgestiegen. Hellofresh beliefert inzwischen knapp 1,9 Millionen Kunden mit Zutaten, aus denen sie in kurzer Zeit ein Gericht zubereiten können. Der wichtigste Markt für die Berliner sind die USA. Dort erwirtschaften sie mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Hellofresh wächst rasant. Im ersten Halbjahr zogen die Erlöse um 38 Prozent an. Das Unternehmen ist inzwischen in elf Ländern präsent. Allerdings schreibt das von Rocket Internet an die Börse gebrachte Start-up noch rote Zahlen. Seit dem Börsengang vor knapp einem Jahr haben die Aktien rund acht Prozent zugelegt.