Logos von Peugeot und Opel

Kriegt Opel die Kurve noch? Zuckerbrot und Peitsche für Opel

Stand: 09.11.2017, 14:40 Uhr

Für Opel hat mit der Übernahme durch die börsennotierte französische PSA-Gruppe eine neue Zeitrechnung begonnen. Konzernchef Carlos Tavares will den Rüsselsheimer Autobauer so schnell wie möglich profitabel machen. Aber ist das realistisch? Die Zeit drängt.

Der seit August zu PSA (Peugeot-Citroën) gehörende Autobauer Opel hat heute Einzelheiten zur künftigen Strategie bekannt gegeben. Firmenchef Michael Lohscheller erklärte, wie man nach 88 Jahren Zugehörigkeit zum amerikanischen GM-Konzern zukünftig wieder Boden unter die Füße bekommen will. Immerhin schreibt Opel seit 1999 rote Zahlen, nun soll unter der Regie der neuen französischen Besitzer kräftig durchgekehrt werden. Spätestens im Jahr 2020 soll das Unternehmen in die Gewinnzone zurückkehren.

PSA-Chef Carlos Tavares

PSA-Chef Carlos Tavares. | Quelle: picture-alliance/dpa

Wichtig für das allgemeine Sanierungsklima: Den von den Gewerkschaften befürchteten großen Kahlschlag wird es, zumindest vorerst, nicht geben. Auf betriebsbedingte Kündigungen oder Werksschließungen soll erst einmal verzichtet werden. Trotzdem ließen sowohl der Opel-Chef als auch PSA-Chef Carlos Tavares keinen Zweifel daran, dass die Zeiten künftig härter werden.

Kosten runter und neue Märkte erschließen

"Wir werden jeden Stein umdrehen, um Kosten zu senken", erklärte Lohscheller. Und Tavares drückt dabei aufs Tempo: "Die Situation ist dramatisch, das sollten wir ohne Umschweife auch sagen", erklärte er und betonte, dass keine Zeit zu verlieren sei. Tavares führte die neuen CO2-Vorgaben der EU-Kommission bis 2021 ins Feld. Diese könne Opel derzeit nicht erfüllen.

Andererseits wirft Opel auch Ballast ab. Denn mehr als 20 neue Exportmärkte sollen künftig erobert werden, was zu GM-Zeiten nicht möglich war. Die Amerikaner hatten Opel und die britische Tochter Vauxhall auf Europa fokussiert. Ein Desaster seien diese Vorgaben für Opel gewesen, sagt NordLB-Analyst Frank Schwope im Gespräch mit boerse.ARD.de. Ob Opel aber schon 2020 schwarze Zahlen schreiben wird, hält der Experte für ein ambitioniertes Ziel.

Chancen und Risiken Aufgaben

Opel Insignia II

Opel Insignia II. | Bildquelle: Unternehmen

Es ist ein Mittelding aus Zuckerbrot und Peitsche, das PSA seiner neuen Tochter verordnet. Denn neben den harten Kostensenkungen gibt es künftig auch neue Chancen. Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler zeigt sich dabei durchaus optimistisch, dass es gelingen kann, Opel wieder in Form zu bringen. Neben den Kostenvorteilen etwa aus einem gemeinsamen Einkauf geht es auch um andere Sparpotenziale.

Porträt Jürgen Pieper

Metzler-Autoanalyst Jürgen Pieper. | Quelle: picture-alliance/dpa

Dazu könnte der Wegfall der mit sehr viel Bürokratie befrachteten Zusammenarbeit mit GM gehören, glaubt Pieper. Vor allem das, was die Franzosen in den vergangenen fünf Jahren geschafft haben, nötigt ihm Respekt ab. "PSA habeaktuell eine Rendite, bezogen auf den Umsatz, von sieben Prozent. Das sei erstaunlich und vor fünf Jahren hätte das kaum jemand für möglich gehalten. Das neue Margenziel für Opel von zwei Prozent scheine daher erreichbar, so der Experte. Carlos Tavares gelte als "harter Hund", aber auch als guter Manager.

Sowohl Schwope als auch Pieper begrüßen die Aussicht für die Rüsselsheimer, nun auch im Ausland wachsen zu können. Kämen in China 100 Autos auf 1.000 Einwohner, so sind es in den USA gut 750 und in Deutschland etwa 500, rechnet Schwope vor. Vor allem in China ist also durchaus noch Luft nach oben. Dies umso mehr, als dem Elektroantrieb in der gesamten deutschen Auto-Branche mehr Priorität eingeräumt werde, so sein Kollege Pieper.

PSA-Aktie macht es vor

Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass Peugeot-Citroen gerade erst eine existenzielle Krise überwunden hat. Im Jahr 2011 sackte die Aktie von über 23 Euro binnen weniger Monate auf 3,63 Euro ab. Nur mit Hilfe des Staates konnte das Unternehmen vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Derzeit steht die im französischen Leitindex CAC 40 enthaltene Peugeot-Aktie wieder nahe der 20-Euro-Marke. Eine Entwicklung, die sich die verantwortlichen Manager so wohl auch für Opel wünschen.

rm

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