Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Cobank-Chef Zielke wettert gegen Bankenlandschaft Zersplittert wie eh und je

Stand: 04.09.2019, 13:19 Uhr

Die deutschen Banken sind im internationalen Vergleich deutlich zurückgefallen. Sowohl bei der Marktkapitalisierung als auch bei den Marktanteilen spielen sie nur noch in der zweiten und dritten Liga. Das liegt laut Commerzbank-Chef Martin Zielke auch an der heimischen Bankenlandschaft.

Er würde ja gerne Sparkassen kaufen, nur die wollen ja nicht, sagte Commerzbank-Chef Martin Zielke auf einer Tagung des "Handelsblatts" in Frankfurt. Dabei weist er auf die unterschiedliche Wettbewerbslandschaft im Vergleich zu den USA und auch vielen europäischen Ländern hin.

Deutschland habe im Gegensatz zu anderen Staaten sein Bankensystem in den vergangenen 20 Jahren nicht modernisiert, kritisierte er: "Wir haben ein Ineffizienz-Thema." Tatsächlich ist die heimische Bankenlandschaft noch immer und wie eh und je in drei Säulen gegliedert: die privaten Häuser, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken sowie die Volks- und Raiffeisenbanken.

Zersplitterung ist ein Hindernis

Diese Zersplitterung hat bisher verhindert, dass die großen Banken wie Deutsche Bank und Sparkassen ihre Marktanteile ähnlich stark ausbauen konnten wie etwa eine BNP Paribas in Frankreich oder eine ING in den Niederlanden. Denn Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind bis heute unverkäuflich.

Zwar sind auch sie durch die Digitalisierung und gestiegene Kosten zu Fusionen und Partnerschaften gezwungen, wie gerade das jüngste Beispiel der von der Sparkasse und der Volksbank gemeinsam genutzten Filialen im Rhein-Main-Gebiet zeigt, doch sind alle Angebote einer engeren Zusammenarbeit oder gar eines Zusammenschlusses mit einem privaten Institut von der Politik verhindert worden.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Grundsätzlich offen für Fusionen

Um ihren Marktanteil zu vergrößern, hat sich die Commerzbank deshalb vor elf Jahren in das Abenteuer einer Übernahme der ebenfalls privatwirtschaftlichen Dresdner Bank gestürzt - und dabei beinahe Schiffbruch erlitten. Einige Jahre zuvor war ein Zusammenschluss zwischen Dresdner Bank und Deutscher Bank in letzter Minute gescheitert.

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing

Deutsche Bank-Chef Christian Sewing. | Bildquelle: dpa

Das Thema bleibt aber auf der Tagesordnung. Auch der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist grundsätzlich offen für Fusionen. "Wir brauchen in Europa den Mut zur Konsolidierung. Wir brauchen auch größere Banken", sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Geldhauses. "Aber die Voraussetzungen müssen passen." Noch hemmten zum Beispiel unterschiedliche Insolvenzordnungen in den einzelnen europäischen Ländern grenzübergreifende Zusammenschlüsse.

In diesem Frühjahr hatten Deutsche Bank und Commerzbank die Möglichkeit einer Fusion ausgelotet. Die beiden Institute sahen jedoch letztlich keinen Sinn in einem Zusammenschluss der beiden Großbanken. Die Deutsche Bank brachte danach einen radikalen Konzernumbau inklusive der Streichung von 18.000 Stellen auf den Weg. Der Commerzbank-Vorstand will sich im Herbst zum künftigen Kurs des teilverstaatlichten MDax-Konzerns äußern.

Sewing ist gegen weitere Zinssenkung

Sewing sprach sich auf der "Handelsblatt"-Tagung zudem gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik aus. "Gesamtwirtschaftlich wird eine weitere Zinssenkung auf dem aktuellen Niveau verpuffen. Sie wird lediglich die Vermögenspreise weiter in die Höhe treiben und die Sparer weiter belasten", sagte Sewing. Schon jetzt belaste die EZB-Zinspolitik die Branche enorm.

"Allein uns als Deutsche Bank kosten die negativen Einlagenzinsen einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in diesem Jahr. Auf vier Jahre hochgerechnet sind das deutlich mehr als zwei Milliarden Euro", rechnete Sewing vor. "Langfristig ruinieren diese Niedrigzinsen das Finanzsystem." Auch eine Staffelung des Strafzinses, über die die Währungshüter diskutieren, würde nach Einschätzung des Deutsche-Bank-Chefs am Grundproblem nichts ändern. Sewings Fazit: "Auf eine ernsthafte Wirtschaftskrise ist die Welt nicht gut vorbereitet - und Europa schon gar nicht."

lg/dpa/rtr