Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ

Einigung auf globale Kapitalregeln nach Basel III Wie sicher müssen Banken sein?

Stand: 07.12.2017, 17:02 Uhr

Wie viel Eigenkapital müssen Banken vorhalten, damit sie gegen krisenhafte Entwicklungen besser gerüstet sind als in der Vergangenheit? Eine Frage, bei der es für die Branche ans Eingemachte geht. Am Donnerstag einigten sich die Regulierer nach jahrelangem Gezerre endlich auf globale Kapitalregeln für Banken.

Die Reform des bislang gültigen Eigenkapital-Regelwerks für Banken, im Fachjargon Basel III genannt, soll ab Januar 2022 gelten, beschlossen Aufseher und Notenbanker aus Europa und den USA. Komplett umgesetzt werden soll es aber erst nach einer Übergangsfrist von fünf Jahren ab 2027. Beim Hauptstreitpunkt, nämlich wie Banken ihre Kreditrisken zukünftig berechnen müssen, gab es ebenfalls eine Einigung. Zukünftig dürfen Banken ihre Risiken in eigenen Modellen auf maximal 72,5 Prozent der in einem Standardverfahren ermittelten Kreditrisken herunterrechnen. Dieser Wert war erwartet worden.

Die Details verkündeten die im Baseler Ausschuss zusammengeschlossenen Bankenaufseher und Notenbanker am Donnerstag in Frankfurt. EZB-Präsident Mario Draghi, der dem für die Reform verantwortlichen Gremium der Chefs der Notenbanken und Bankenaufsichtsbehörden GHOS vorsteht, sprach von einem "wichtigen Meilenstein", der das Finanzsystem robuster und das Vertrauen in die Bankenbranche verbessern werde.

Was auf den ersten Blick eher technisch und wenig verständlich daherkommt, ist für die Geldbranche von besonderer Wichtigkeit. Denn es geht ans Eingemachte - mit markanten Auswirkungen auf die Bankkunden.

FAQ: Wir haben für Sie die wichtigsten Fragen und deren Antworten rund um Basel III zusammengestellt:


Warum heißt Basel III eigentlich Basel III?


Worum geht es?


Worüber wird gestritten?


Standardmodell oder eigene Berechnung?


Sind US-Banken strukturell im Vorteil?


Ein guter Deal für Europa?


Bankenaufseher und Notenbankchefs aus den 27 wichtigsten Wirtschaftsnationen treffen sich regelmäßig in Basel. Warum ausgerechnet dort? Hier sitzt die BIZ, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Gegründet 1930 mit dem Ziel, die deutschen Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg abzuwickeln. Heute gilt sie als die Notenbank der Notenbanken und als Denkfabrik. Basel III bezeichnet die dritte Novelle des Eigenkapitalregelwerkes für Banken. Die gilt seit 2014, allerdings sind viele Details immer noch nicht ausverhandelt.
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Worum geht es?

Die Absicht des Regelwerks Basel III ist es, eine Katastrophe wie die Finanzkrise 2008/09 mit der spektakulären Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers künftig zu verhindern.

Banken sollen deshalb weltweit mehr qualitativ hochwertiges Eigenkapital vorhalten, um künftig besser gegen solche Krisen gerüstet zu sein. Dabei gilt, je mehr Risiko in der Bilanz enthalten ist, desto mehr Kapital muss unterlegt werden. Von systemrelevanten Banken, die im Fall einer Schieflage das gesamte Finanzsystem gefährden könnten, verlangen die Aufseher zudem noch dickere Kapitalpuffer: Solche Institute bekommen einen 50-prozentigen Aufschlag auf den risikobasierten Teil ihrer Puffer aufgebrummt.
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Worüber wird gestritten?

Schon lange kämpfen Aufseher und Notenbanker im "Baseler Ausschuss" darum, wie dieses Eigenkapital berechnet werden soll. Anders ausgedrückt: Welche Risikomodelle sollen die Banken künftig anwenden oder wie viel Geld müssen sie mindestens zurücklegen, um ihr Geschäft weiter zu betreiben?

Gravierende Meinungsverschiedenheiten gibt es dabei zwischen Europa und den USA, die tendenziell günstigere Risikostrukturen haben.
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Standardmodell oder eigene Berechnung?

Vor allem Großbanken berechnen ihre Kreditrisiken oft mit eigenen, internen Modellen. Diese ergeben meist einen geringeren Eigenkapitalbedarf als die per Standardmodell errechneten Werte, die eher strenger kalkuliert sind.

Während die USA (die eher dem Standardmodell zuneigen) fordern, dass der nach internen Modellen berechnete Kapitalbedarf, im Fachjargon "Output-Floor" genannt, nicht unter 75 Prozent des per Standardmodell errechneten Wertes liegen darf, hatten die Europäer zuletzt auf 70 Prozent gedrängt. Der Kompromiss liegt nun bei 72,5 Prozent.
Alles gut also?
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Sind US-Banken strukturell im Vorteil?    

Wie immer bei solchen Zähler/Nenner-Berechnungen kommt es aber darauf an, was jeweils als Wert im Bruch kalkuliert wird. Die Amerikaner können strengere Modellwerte fordern, da sich ihre Risikostruktur von der in Europa unterscheidet. Beispiel Immobilienkredite: In den USA werden diese oft an die Förderbanken Fanny Mae und Freddie Mac ausgelagert. US-Banken haben deshalb viel weniger Risiko in der Bilanz als die Banken in Europa – und damit auch mehr Spielraum in ihrer Geschäftspolitik. Überhaupt wird in den USA mehr über die Kapitalmärkte finanziert und nicht - wie in Europa - über klassische Bankkredite.
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Ein guter Deal für Europa?

In Deutschland wollen deshalb gerade Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken mehr Spielraum bei der Anwendung eigener Berechnungen. Sie sehen sich massiv benachteiligt. Die deutsche Kreditwirtschaft kritsierte den Kompromiss. Es sei nicht ausgeschlossen, dass negative Konsequenzen auf das Kreditangebot für Unternehmen und Privatkunden in Europa auftreten, warnte der Dachverband der deutschen Kreditwirtschaft.

Auch der Bankenverband moniert, dass ein höherer Standardsatz die bisher günstige Kreditvergabe für Mittelstand und Handwerk erschweren würde. Die deutschen Bankenaufseher verteidigten die Einigung. "Der nun festgelegte Output Floor ist aus deutscher Sicht kein Wunschergebnis, aber ein Kompromiss, den alle Beteiligten tragen können", erklärte BaFin-Präsident Felix Hufeld.

Bedenken gibt es auch aus Frankreich. Die Europäer fordern, dass ihre Institute durch die Aufseher nicht weiter benachteiligt werden dürften.
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rm

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