Werbetafeln und Logos von Apple und Samsung

Markteinbruch Wie ein Virus Apple und Samsung das Fürchten lehrt

von Angela Göpfert

Stand: 30.04.2020, 13:23 Uhr

Zerstörte Lieferketten und mangelnde Nachfrage statt 5G-Boom: Das neuartige Coronavirus lässt die Smartphone-Verkäufe weltweit einbrechen. Doch manche Hersteller sind für die Corona-Krise besser gerüstet als andere.

Die Prognosen sind verheerend: Die Experten von Gartner Research rechnen für 2020 mit einem weltweiten Rückgang der verkauften Smartphones von 15 Prozent auf 1,3 Milliarden Geräte. Die Marktforscher von Strategy Analytics erwarten gar einen Einbruch um 21 Prozent. Die Corona-Pandemie ist auch für die erfolgsverwöhnte Smartphone-Branche der "Schwarze Schwan", mit dem niemand gerechnet hat.

Historischer Einbruch

Allein im Februar brachen die globalen Smartphone-Verkäufe laut Strategy Analytics um 38 Prozent ein. "Das war der größte Rückgang in der Geschichte des weltweiten Smartphone-Marktes", betont Neil Mawston, Executive Director bei Strategy Analytics.

Kein Wunder, sind doch Hunderte von Millionen Verbrauchern eingesperrt, unfähig oder schlicht nicht dazu bereit, neue Geräte zu kaufen. Für viele potenzielle Kunden gibt es zurzeit wahrlich drängendere Sorgen, als sich ein neues schickes Smartphone zu kaufen.

Auch der für 2020 von den Herstellern bereits fest eingeplante 5G-Boom bleibt zunächst aus. "Die Nachfrage nach 5G-Smartphones verschiebt sich auf 2021", betont Gartner-Analystin Annette Zimmermann im Gespräch mit boerse.ARD.de.

Lieferketten: Samsung hui…

Doch nicht nur auf der Nachfrageseite hakt es: Die Epidemie hat auch die Anfälligkeit globaler Lieferketten offenbart. China ist die Fabrik der Welt: Hier werden Fernseher, Laptops und eben auch Mobiltelefone gefertigt.

Einzig Samsung hat die Produktion weitgehend aus China abgezogen und an Standorte wie Indien und Vietnam verlagert, wo die Lohnkosten nochmals niedriger sind. So schaffte es denn auch das neue Samsung-Flaggschiff, das Galaxy S20, Anfang März in den USA pünktlich auf den Markt. "Samsung hat durch seinen Produktionsstandort einen Angebotsvorteil", unterstreicht Gartner-Expertin Zimmermann.

Samsung Noida

Samsung-Fabrik in Noida, Indien. | Bildquelle: Unternehmen

… Apple pfui

Dagegen hat kaum ein Unternehmen seine Lieferkette so stark auf China ausgerichtet wie Apple. "Designed in California, made in China" – das war lange Zeit das Erfolgsrezept von Apple. In normalen Zeiten montieren Hunderttausende Arbeiter bei Foxconn die iPhone-, iPad- oder Airpods-Modelle. Als Foxconn im Februar zahlreiche Fabriken schließen musste, bekam Apple seine China-Abhängigkeit mit voller Wucht zu spüren.

Bereits Ende Februar kippte der iPhone-Konzern seine Prognose für das erste Jahresviertel. Analyst Rod Hall von der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet für das zweite Quartal mit einem Einbruch der iPhone-Verkäufe um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal und hat die Aktie auf "Verkaufen" herabgestuft.

Apple selbst veröffentlicht die Zahlen zu den iPhone-Verkäufen bereits seit einiger Zeit nicht mehr – das lässt Raum für Spekulationen, hilft womöglich aber auch, unschöne Wahrheiten zu verschleiern.

Verspätet sich das iPhone 12?

Apple iPhone 11 Pro (l.) und Max

Der Nachfolger für das Apple iPhone 11 könnte später kommen.

Goldman-Analyst Hall warnte zudem, dass es Apple nicht möglich sein wird, sein neues Flaggschiff, das iPhone 12, rechtzeitig auf den Markt bringen zu können. Eine ähnliche Befürchtung äußerte Branchenkennerin Zimmermann im Gespräch mit boerse.ARD.de: "Es könnte gut sein, dass sich etwa der Release des neuen iPhone, das normalerweise im September vorgezeigt wird, um ein bis zwei Monate nach hinten verschiebt."

Trotz all dieser düsteren Nachrichten hat sich die Apple-Aktie von ihrem Corona-Kursrutsch von in der Spitze 35 Prozent rasant erholen können. Aktuell beläuft sich das Minus im Vergleich zum Rekordhoch Anfang Februar nur noch auf zwölf Prozent.

Auch Samsung konnte zuletzt Boden gutmachen – und das obwohl die Südkoreaner jüngst ihre Prognose kassierten und vor einem Gewinneinbruch im laufenden Quartal warnten.

Apple versus Samsung

Der Corona-Einbruch ist in den Charts von Apple und Samsung deutlich sichtbar.

Hoffen auf die Zukunft

Huawei Mate XS

Auch das neue Huawei Mate XS hat ein Android-Problem. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Hoffnungen auf eine Markterholung im zweiten Halbjahr 2020 und auf Nachholeffekte 2021 treiben die Kurse. Gartner-Expertin Zimmermann rechnet für 2021 mit einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends am Smartphone-Markt und einem Wachstum von zwei bis drei Prozent. Unter den großen Smartphone-Herstellern sieht sie Apple und Samsung am besten positioniert, um davon zu profitieren.

Dagegen dürfte der chinesische Huawei-Konzern das Nachsehen haben und weitere Marktanteile verlieren. Denn Huawei hat noch ein ganz anderes Problem als Corona: Seine Smartphones müssen aufgrund des US-Handelsembargos ohne Googles aktuelles Android-Betriebssystem und die entsprechenden Google-Apps auskommen.

Längerer Lebenszyklus

Jenseits der aktuellen Corona-Krise haben allerdings alle Hersteller mit einem Problem zu kämpfen: dem längeren Lebenszyklus der neuen Geräte. Die Marktforscher von Kantar Worldpanel berichteten bereits 2019, dass Kunden ihre Smartphones mittlerweile drei Monate länger nutzten als noch vor drei Jahren. Zudem gingen 2019 die weltweiten Verkaufszahlen erstmals seit Beginn der Smartphone-Ära zurück.

Der große Smartphone-Boom ist vorbei. Und das nicht erst seit Corona. Doch nicht zuletzt Nachholeffekte und die weitere Verbreitung von 5G könnten dem Smartphone schon 2021 zu einem neuen Aufwärtstrend verhelfen.