Bankenskyline von Frankfurt

Studie der BCG Wie deutsche Banken Corona verkraften

Stand: 09.07.2020, 14:12 Uhr

In einer aktuellen Studie haben sich die Experten von BCG mit dem Thema deutscher Bankenmarkt befasst. Wie wirkt sich die Corona-Krise in diesem Bereich aus und wie sollten die Kreditinstitute reagieren?

"Bankenmarkt nach Corona – Wie sich deutsche Institute in der neuen Realität entwickeln", lautet der Titel der Studie der Bankexperten der Boston Consulting Group (BCG). Die Autoren Carsten Baumgärtner und Holger Sachse haben sich sowohl das Firmenkundengeschäft als auch das Privatkundengeschäft angesehen und haben festgestellt, dass die Pandemie zum Teil erhebliche Auswirkungen auf das Geschäft haben wird - je nach Erholungsszenario, das die Fachleute zugrundelegen.

Corona hat das ohnehin schon schwierige Geschäft für die deutschen Banken gewiss nicht leichter gemacht. Unlängst warnte die BaFin vor einer möglichen Welle von Kreditausfällen. "Tiefere Erholung", "Langsame Erholung" und "Schnelle Erholung" heißen die Zukunftsprojektionen von BCG. Kurzfristig rechnen die Experten mit einem Rückgang der Gesamterträge um bis zu vier Prozent bei einem mittelfristig unsicheren Ausblick bis 2024.

Entwicklung der Gesamterträge im deutschen Bankensektor

Entwicklung der Gesamterträge im deutschen Bankensektor.

Vor Corona lagen die Prognosen für die Gesamterträge für 2024 bei 91 Milliarden Euro. Sollte sich die Situation schnell beruhigen, wird es aufwärts gehen. Im schlechtesten Fall wäre aber ein Rückgang auf bis zu 74 Milliarden denkbar.         

Zunehmend unter Druck

Die Fachleute haben sich auch das Firmenkundengeschäft genauer angesehen. Zunächst einmal fällt auf, dass die Erträge der deutschen Kreditinstitute im Firmenkundengeschäft seit 2014 bei rund 40 Milliarden stagnieren. Es dürfte sich den BCG-Erkenntnissen zufolge als kurzfristig robust erweisen, mittelfristig werde es aber zunehmend unter Druck geraten.

Corona werde das Firmenkundengeschäft nachhaltig beeinflussen,so das Fazit. Hier droht ein Rückgang auf 35 Milliarden, bei einer schnellen Erholung könnten die Erträge bis 2024 auf 43 Milliarden.

Digitalisierung als Gegenrezept

Besonders schwach sieht die Situation im Privatkundengeschäft aus, das ohnehin seit Jahren rückläufig ist. Die Erträge sanken nach Berechnungen von BCG von 49 Milliarden Euro im Jahr 2014 auf 45 Milliarden 2019.Kurzfristig werde es noch stärker unter Druck geraten, bis 2024 sei keine Trendwende absehbar.   

Die Gegenrezepte, die die Experten Baumgärtner und Sachse ausgemacht haben, liegen auf der Hand: Die Institute müssen den Fokus klar auf die Beschleunigung der Digitalisierung legen, sowohl im Privatkunden- als auch im Firmenkundengeschäft.

ts