5G-Logo auf Smartphonebildschirm

Zank zwischen China und USA Wettlauf um das 5G-Mobilfunknetz

von Thomas Spinnler

Stand: 26.04.2018, 08:30 Uhr

Der ultraschnelle 5G-Standard verspricht Fantastisches: Nicht nur Milliarden Menschen, auch Milliarden von Geräten im Internet der Dinge werden miteinander verbunden. Aber es gibt Risiken. Wer das Netzwerk kontrolliert, verfügt über eine entscheidende globale Machtposition.

China könnte mit den weltweit operierenden Technologiekonzernen ZTE und Huawei eine wesentliche Rolle beim nun beginnenden Netzwerkausbau spielen. Deshalb gibt es zumindest in den USA gravierende Sicherheitsbedenken.

Für wie wichtig die US-Politik die moderne technologische Infrastruktur hält, zeigte sich vor einigen Wochen. US-Präsident Donald Trump untersagte die Übernahme von Qualcomm durch Broadcom unter Hinweis auf Sicherheitsbedenken. Qualcomm hält eine führende Rolle bei der Entwicklung der zukunftsweisenden 5G-Mobilfunktechnologie. Insider hatten befürchtet, dass Broadcom nach der Übernahme Teile von Qualcomm an den chinesischen Konkurrenten Huawei weiterverkaufen könnte.

Donald J. Trump

Nicht nur Donald Trump hat Sicherheitsbedenken. | Bildquelle: Imago

Huawei will an die Spitze

Ausgerechnet Huawei. Huawei ist mittlerweile der drittgrößte Anbieter von Smartphones. Nur Samsung und Apple sind erfolgreicher. Nach Angaben der Chinesen nutzt bereits mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung direkt oder indirekt Technologie von Huawei. Natürlich bietet das Unternehmen auch modernste Dienste rund um den neuen Mobilfunkstandard an und versucht, sich eine Vorreiterrolle zu erkämpfen. Huawei will bereits im Jahr 2019 ein 5G-Smartphone auf den Markt bringen.

Hintergrund

Was ist 5G und wer braucht das?

5G ist der kommende Mobilfunkstandard. 5G ermöglicht die Übertragung riesiger Datenmengen und die Vernetzung von Milliarden Geräten praktisch in Echtzeit. Auch die Netzstabilität wird höher. Verbrauchern bringt das Vorteile bei der alltäglichen Internet-Nutzung. Alles wird schneller und die Qualität insbesondere bei der Videoübertragung besser. Aber vor allem gilt 5G als Schlüsseltechnologie für den Traum von der völlig vernetzten Welt. Die Ideen von sogenannten Smart Cities, einem völlig vernetzten automatisierten Verkehr, vernetzten Haushaltsgeräten, Smart Homes und ein intelligentes Energiemanagement können nur mit effizienterer Datenübertragung verwirklicht werden. Auch für die Industrie 4.0 und die Vernetzung von Maschinen und Fertigungsanlagen ist 5G zwingend erforderlich. Die Bundesregierung will den 5G-Standard bis 2025 umsetzen. Ab 2020 sollen aber schon erste Anwendungen verfügbar sein.

Auf dem globalen Schachbrett scheint China also einen guten Zug vorgelegt zu haben. Nach einer aktuellen Studie des US-Marktforschungsunternehmens Analysys Mason liegt China in diesem Bereich derzeit vor Südkorea und den USA an der Spitze. China verdanke seine Führungsrolle einer "proaktiven Regierungspolitik und Impulsen aus der Branche", schreiben die Analysten.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser  

China gibt sich längst nicht mehr zufrieden mit seiner Welt-Rolle als Billig-Produktionsland. Die kommunistische Führung investiert hunderte Milliarden Dollar, um aus China mit der Strategie „Made in China 2025“ ein führendes Land im Bereich der Hochtechnologie zu machen. Informationstechnologie, computergestützte Steuerung und Robotik, Luftfahrt und Luftfahrtausrüstung sind nur einige der Sektoren, in denen China zum Sprung ansetzt.

Auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China ist erst vor diesem Hintergrund richtig zu verstehen. Es geht letztlich um die technologische Vorherrschaft, die die USA ganz selbstverständlich über viele Jahrzehnte in entscheidenden Bereichen für sich in Anspruch nehmen konnten.

Ein Drache mit der Aufschrift

China: Bald kein Billig-Produktionsland mehr?. | Bildquelle: (c) dpa / MAXPPP

US-Geheimdienste warnen

In den USA sind die Geheimdienste beim Thema Huawei alarmiert. Mitte Februar erklärte FBI-Direktor Chris Wray nach Angaben von CNBC vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats, er sei zutiefst besorgt über die Risiken, die es beinhalte, wenn ein Unternehmen, das mit einer ausländischen Regierung verbunden sei, die nicht unsere Werte teile, sich eine Machtposition innerhalb unseres Telekommunikationsnetzwerks verschaffe.

Sechs US-Geheimdienste, darunter CIA, FBI und NSA warnten deshalb die US-Bürger vor der Nutzung von Geräten von Huawei und ZTE, die als Einfallstor für Überwachung und Spionage verwendet werden könnten. Wie der NSA-Skandal vor einigen Jahren zeigte, wissen diese Herren, wovon sie sprechen. In den USA wird wegen der Sicherheitsbedenken durchaus über eine Verstaatlichung des Netzes nachgedacht.  

Digital first, Bedenken second  

Natürlich ist auch hierzulande die überragende Bedeutung von 5G bekannt. Im Koalitionsvertrag versprechen Union und SPD: „Wir forcieren den Ausbau der Mobilfunkversorgung und entwickeln Deutschland zum Leitmarkt für 5G“. Einzelheiten zur 5G-Strategie für Deutschland, herausgegeben von der Bundesregierung, finden Sie hier.

Vor allem die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica arbeiten an der Modernisierung des Mobilfunk-Netzwerks, wobei die Telekom seit 2016 mit Huawei kooperiert. Die Deutsche Telekom hofft, bis 2020 das schnelle Mobilfunknetz flächendeckend anzubieten. Weitere Konzerne, die auf diesem Feld tätig sind, sind Ericsson und Nokia. Wie 5G die Welt verändern soll, lesen Sie hier.  

Vermutlich sollen noch in diesem Jahr die erforderlichen Funkfrequenzen von der Bundesnetzagentur versteigert werden. Auf jeden Fall dürften sich die Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica an der Auktion beteiligen. Die Industrie kann den Fortschritt kaum erwarten. Die Gesellschaft macht sich also immer mehr vom Funktionieren der digitalen Infrastruktur abhängig - mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

1/5

Wer mischt mit bei 5G? Chartserie

<strong>Ericsson</strong><br/>Der schwedische Netzwerkausrüster präsentierte im abgelaufenen ersten Quartal bessere Zahlen als gedacht. Vorstandschefs Börje Ekholm investiert besonders in Forschung und Entwicklung, um für das neue Netzwerk der nächsten Generation, 5G, gerüstet zu sein.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 6 Monate

Ericsson
Der schwedische Netzwerkausrüster präsentierte im abgelaufenen ersten Quartal bessere Zahlen als gedacht. Vorstandschefs Börje Ekholm investiert besonders in Forschung und Entwicklung, um für das neue Netzwerk der nächsten Generation, 5G, gerüstet zu sein.

Darstellung: