Condor-Flieger am Boden

Ferienfluggesellschaft auf Partnersuche Wer schluckt Condor?

Stand: 26.09.2019, 15:23 Uhr

Dank des Überbrückungskredits von 380 Millionen Euro kann Condor vorerst weiter fliegen. Doch alleine dürfte die Ferienfluggesellschaft wohl kaum überleben. Nun sucht der Vorstand nach einem neuen Eigentümer. Nur eine Airline hat kein Interesse.

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat als erster Condor einen Korb gegeben. Die irische Billigflug-Gesellschaft habe kein Interesse daran, weitere Airlines zu kaufen, sagte O'Leary am Donnerstag in Wien. Der exzentrische, stets zu Scherzen aufgelegte Ire geht davon aus, dass die Lufthansa die Kontrolle bei Condor übernimmt. Falls die größte deutsche Fluggesellschaft aus Gründen des Kartellrechts Teile des Condor-Geschäfts abgeben müsse, könne er sich freilich vorstellen, dass Ryanair solche Teile erwirbt.

Lufthansa zögert

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Lufthansa selbst lässt noch offen, ob sie um Condor buhlen werde. Im Mai hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr noch auf der Hauptversammlung Interesse an dem Frankfurter Ferienflieger geäußert. Als Thomas Cook seine Airlines zum Verkauf stellte, machte die Kranich-Airline ein unverbindliches Angebot für Condor. Die Verkaufspläne wurden aber auf Eis gelegt, als die chinesische Fosun-Gruppe über eine Übernahme von Thomas Cook verhandelte.

Inzwischen ist laut Branchenbeobachtern das Interesse der "Lufthanseaten" an Condor merklich abgekühlt. Durch die Cook-Pleite ist das Condor-Geschäftsmodell bedroht, viele Flugzeug-Gäste kommen jetzt nicht mehr über den Reiseveranstalter.

Gute Chancen für Indigo

Wizz Air-Maschine mit Schriftzug

Wizz Air. | Bildquelle: Unternehmen

Als weitere Kauf-Interessenten gelten laut dem "Handelsblatt" die britische Virgin Atlantic und die portugiesische Chartergesellschaft Hi Fly. Besonders gute Karten im Rennen um den Ferienflieger dürfte, so das "Handelsblatt", der US-Investor Indigo Partners haben. Die Private-Equity-Firma hat Erfahrungen mit Airlines. Sie ist beteiligt unter anderem am ungarischen Billiganbieter Wizz Air, an der mexikanischen Volaris, der chilenischen JetSmart und den US-Airlines Frontier und Sprint Airlines. Indigo könnte Condor bei der Finanzierung zur Erneuerung der überalterten Flotte helfen.

An der Außenlinie steht die Tui. In Medienberichten wurde über die Möglichkeit einer Zusammenlegung der Flugsparte der Tui und Condor spekuliert. Doch Tui-Chef Fritz Joussen trat den Gerüchten entgegen und betonte diese Woche erneut: "Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet."

Condor nicht zu vergleichen mit Air Berlin

Condor-Chef Ralf Teckentrup ist überzeugt, dass Condor nicht dasselbe Schicksal droht wie Air Berlin. Bei den 150 Millionen Euro Hilfen des Bundes für Air Berlin "war jedem klar, dass das Unternehmen abgewickelt wird", sagte Teckentrup gegenüber dem "Handelsblatt". Bei Condor hingegen diene der Überbrückungskredit, um die Zukunft zu sichern und gut über den Winter zu kommen. Condor sei im Gegensatz zu Air Berlin profitabel. Allerdings nicht immer. 2015/16 schrieb auch Condor operativ rote Zahlen.

Es dürfte ein langer ungewisser Flug in Richtung Zukunft geben, den die Condor nun einschlägt. Vielleicht der längste Flug in der 64-jährigen Geschichte der fünftgrößten europäischen Airline.

nb