Ein Flugzeug scheinbar dicht am Mond vorbei

Lufthansa mitten drin im Airline-Monopoly Wer gewinnt den Kampf im Himmel?

Stand: 14.03.2019, 06:45 Uhr

Der Markt der Ferienflieger erlebt derzeit eine Konsolidierungswelle. Erst ging Air Berlin pleite, dann musste auch die Germania ihren Betrieb aufgeben. Nun steht Condor zum Verkauf an. Profiteur des Ausleseprozesses am deutschen Himmel könnte mal wieder die Lufthansa sein.

Vor gut einer Woche trafen sich die wichtigsten Airline-Manager auf einer Branchenkonferenz in Brüssel. Mindestens in einem Punkt waren sie sich einig: Die Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt gehe weiter. Es gebe einfach zu viele Fluglinien in Europa, betonte Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Weitere Pleiten seien zu erwarten.

Und auch Ryanair-Chef Michael O'Leary zeigte sich überzeugt, dass es zu weiteren Zusammenschlüssen von Fluglinien in Europa geben werde. Am Ende der Konsolidierung würden nur noch fünf Fluggesellschaften den Markt kontrollieren: die Lufthansa, AirFrance-KLM, die British-Airways-Mutter IAG sowie die Billigflieger Easyjet und Ryanair, prophezeite er.

Fünf große Airlines werden Europa dominieren

Ähnlich äußerte sich Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs auf der ITB in Berlin. Der Markt in Europa werde sich ähnlich konzentrieren wie in den USA. Dort kontrollieren die fünf größten Airlines 86 Prozent des Marktes. In Europa dominieren die Top Fünf gerade mal 66 Prozent des Marktes. "Das wird Richtung 80 Prozent gehen."

Vor allem auf dem deutschen Markt kam zuletzt die Konsolidierung kräftig in Fahrt. Ende 2017 ging Air Berlin insolvent und wurde unter Lufthansa, Easyjet sowie Ryanair aufgeteilt. Im Januar dieses Jahres erfolgte die nächste Pleite: Die deutsche Chartergesellschaft Germania musste den Betrieb einstellen.

Kauft Lufthansa die Condor zurück?

Anfang Februar kam der nächste Schlag: Der deutsch-britische Reiseveranstalter Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen und Öger Tours kündigte den Verkauf der Flugzeugsparte, darunter die Tochter Condor an. Denn der finanziell etwas klamme Reisekonzern braucht viel Geld, um in neue Hotels zu investieren.

Seither vergeht kaum ein Tag ohne neue Gerüchte, wer die Condor schlucken könnte. Als großer Favorit gilt die Lufthansa. Schließlich kennen sich beide Airlines bestens. Bis 2009 hatte die Kranich-Airline Anteile an Condor. In der Branche heißt es, dass für die Lufthansa die Slots der Condor - die Zeitfenster für Starts und Landungen an verschiedenen Flughäfen - durchaus interessant sein könnten, um schneller wachsen zu können.

Beide würden profitieren

Darüber hinaus benötigt die Airline-Sparte von Thomas Cook mit Condor einen starken Partner. Denn sie muss dringend ihre veraltete Flotte erneuern. Umgekehrt könnte die Lufthansa ihre Langstreckenflotte stärken. Condor würde auf einen Schlag 16 Jets des Typs 767-300 mitbringen, schreibt das "Handelsblatt".

Schon jetzt ist die Condor auf die Lufthansa angewiesen, auch wenn das keiner offiziell zugibt. Die Urlauber, die in Frankfurt die Condor-Maschinen benutzen, kommen häufig mit Lufthansa-Flugzeugen aus anderen Teilen Deutschlands.

Der große Gewinner bei einer Condor-Übernahme durch die Lufthansa wäre deren Billigableger Eurowings. Sie würde auf der Langstrecke deutlich gestärkt. Kein Wunder, dass die Lufthansa bislang als einzige öffentliches Interesse an der Airline-Sparte von Thomas Cook geäußert hat. "Wir haben mit der Eurowings bewiesen, dass wir uns in diesem Segment gut entwickeln können, daher werden wir uns genau anschauen, welche Ansätze es hier geben könnte", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister dem "Handelsblatt".

Oder geht Tui mit Condor zusammen?

Doch das Kartellamt könnte einem Deal zwischen Condor und Lufthansa einen Strich durch die Rechnung machen. So wird alternativ auch über eine mögliche Zusammenlegung der Fluggesellschaften von Tui (TuiFly) und Thomas Cook spekuliert. Allerdings hat Tui-Chef Fritz Joussen zuletzt klargemacht, dass er allenfalls eine aktive Beobachterrolle einnehme.

Interesse wird auch den Billigfliegern Ryanair und Easyjet nachgesagt. Ryanair-Marketingchef Jacobs erklärte Mitte Februar, der irische Billigflieger sei an Teilen der Thomas Cook Airlines interessiert. Dazu müssten aber die zusammengelegten Fluggesellschaften wieder auseinandergenommen werden. Auf der ITB dementierte Jacobs das angebliche Interesse an Condor & Co. Man wolle lieber organisch wachsen, verkündete er.

Konsolidierungswelle auch in Europa

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in ganz Europa könnte sich der Ausleseprozess bald ebenfalls beschleunigen. Die dauerdefizitäre italienische Alitalia steht mal wieder zum Verkauf. Und auch der drittgrößte europäische Billigflieger Norwegian gilt als Übernahmekandidat. Auch die isländische Wow Air steckt in finanziellen Schwierigkeiten und verhandelt mit dem US-Airline-Investor Indigo über einen Verkauf. Zuletzt gingen eher kleinere Anbieter wie Monarch, der dänische Billigflieger Primera Air und Small Planet pleite.

Gut möglich, dass die Lufthansa auch anderswo als in Deutschland zum Zuge kommt. Die Kranich-Airline hat mehrfach Interesse an der defizitären Alitalia geäußert. Auch der drittgrößte Billigflieger Norwegian würde gut in das Portfolio der Lufthanseaten passen. Und selbst eine Übernahme von Easyjet durch die Lufthansa wird inzwischen als Option im "Airline-Monopoly" gesehen.

Nach Ansicht von Ruxandra Haradau-Doser, Expertin von Kepler Cheuvreux, passen Lufthansa und Easyjet sehr gut zusammen. "Die Flotten von Lufthansa und Easyjet sind kompatibel", schrieb sie. Es gebe nicht viele Überschneidungen und daher keine hohen Hürden aus Sicht der Wettbewerbshüter. Nach Vermutung der Kepler-Analystin könnte die Lufthansa mit einer Offerte abwarten, bis sich Easyjet-Aktien in Folge der Unsicherheit über den EU-Austritt Großbritanniens verbilligten.

nb