Pink Panther dreht an der Uhr

Immer mehr Konkurrenz für Schweizer Zeitmesser Uhrenindustrie: Wem die Stunde schlägt

von Notker Blechner

Stand: 09.11.2018, 17:25 Uhr

Gerade erst hatte sich die Schweizer Uhrenindustrie von der Flaute erholt. Nun trübt sich das Umfeld wieder ein. Chinesische Touristen halten sich beim Kauf von Luxusgütern zurück. Zudem setzen die Smartwatch-Anbieter, vor allem Apple, die Branche unter Druck.

Im eidgenössischen "Watch Valley" zwischen Basel und Genf geht wieder das Zittern los. US-Präsident Donald Trump könnte das bislang gute Geschäft der Schweizer Uhrenhersteller in diesem Jahr wieder vermiesen. Denn der chinesisch-amerikanische Handelsstreit wirkt sich offenbar zunehmend auf die Konsumlaune der Chinesen aus. Im September sanken die Schweizer Uhrenexporte nach Hongkong.

Handelskrieg könnte Chinas Luxus-Lust bremsen

Der Schweizer Uhren- und Schmuckhersteller Richemont deutete an, dass der Luxus-Boom auf dem wichtigen Absatzmarkt China bald vorbei sein könnte. Finanzchef Burkhart Grund warnte, dass ein schwächerer Yuan oder der Handelskrieg den Umsatz zukünftig noch stärker in Mitleidenschaft ziehen könnte.

Schon jetzt halten sich die chinesischen Touristen beim Luxus-Shopping in Europa stark zurück. Laut Richemont-Finanzchef Grund verweist auf mögliche Kontrollen, die China an den Grenzen vermehrt durchführen wolle. Peking will den Absatz im eigenen Land stärken.

Die Schweizer Uhrenindustrie steht und fällt derzeit mit der Nachfrage im Reich der Mitte. Kaufen die Chinesen verstärkt Luxusgüter, geht es Richemont, Swatch & Co prächtig. Haben die Chinesen keine Lust mehr auf Luxus, leiden die Schweizer Hersteller von Luxusuhren.

Bestes erstes Halbjahr seit 2012

Im ersten Halbjahr trieb die starke Nachfrage aus China das Geschäft an. Die Exporte der Schweizer Uhrenindustrie stiegen um über zehn Prozent auf 10,5 Milliarden Franken (neun Milliarden Euro). Es war das stärkste Halbjahres-Plus seit 2012. Besonders Uhren im mittleren Preissegment von 500 bis 3.000 Franken waren gefragt. In Hongkong zogen die Exporte um fast 30 Prozent an.

Einen Rückschlag gab's im September: Erstmals seit dem Frühjahr 2017 sanken die Exporte wieder - um fast sieben Prozent. Für das Gesamtjahr rechnen Experten mit einem Exportplus von sechs Prozent. 2017 waren die Ausfuhren um 2,7 Prozent gestiegen.

2015 und 2016 hatte die Branche zwei magere Jahre durchlebt. Wegen der Franken-Aufwertung, der Unsicherheit in Europa nach mehreren Terror-Anschlägen und dem Absatzeinbruch in China waren die Exporte zurückgegangen.

Apple Watch bedroht die Uhrenhersteller

Nicht nur die unberechenbaren Chinesen machen der Uhrenindustrie zu schaffen. Auch Apple mit seinen Smartwatches bringt die Schweizer Traditionskonzerne zunehmend in Bedrängnis – zumindest im günstigen und mittleren Preissegment. Mit 20 Millionen Exemplaren der Apple Watch dürfte der iPhone-Konzern in diesem Jahr bereits so viele Einheiten verkauft haben wie die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen. Besonders die neue Gesundheitsfunktion der "Apple Watch" könnte die traditionelle mechanische Schweizer Uhr bedrohen.

Der Vormarsch der smarten Uhren ist nicht aufzuhalten. Laut den Marktforschern von CCS Insight werden die Smartwatches in diesem Jahr voraussichtlich auf 71 Millionen Stück steigen. 2022 soll sich der Absatz auf 140 Millionen verdoppeln.

Die Craft Brands kommen

Neben Apple machen auch zunehmend die Craft Brands den Schweizer Uhrenherstellern Konkurrenz. Sie punkten mit modischem Design und vermarkten sich über Social-Media-Kanäle. Dank ihrer günstigen Kostenstruktur können die Craft Brands ihre Uhren zu Kampfpreisen anbieten.

Die Schweizer Uhrenbranche hat den Smartwatch-Trend lange ignoriert. Eine Smartwatch oder eine Apple Watch werde nie ein Statussymbol wie eine Marken-Uhr werden, meinten die Parmigiani-Manager. Inzwischen aber haben ein paar Hersteller ihren Widerstand aufgegeben und tasten sich in diesem Geschäft vor. Tag Heuer hat eine Luxus-Smartwatch im Programm. Frédérique Constant verbindet die mechanische Zeitmess-Technik mit dem Smartwatch-Konzept und enthüllte auf der Baselworld seine erste Hybrid-Uhr. Andere Uhrenkonzerne setzen auf neue Vertriebswege wie den E-Commerce. So hat Richemont den Online-Händler Yoox Net-a-Porter geschluckt und verkauft nun seine Zeitmesser übers Internet.