Skyline von New York vor US-Flagge.

Ein Vergleich Was US-Banken besser machen

Stand: 30.01.2020, 14:10 Uhr

Über zehn Jahre ist die Finanzkrise nun her, aber immer noch sind europäische Bankentitel weit von ihren damaligen Höchstständen entfernt. Ganz anders in Amerika, wo die Banken vor Kraft nur so strotzen. Wie kann das alles sein?

Denn immerhin ist die größte Finanzkrise aller Zeiten in Amerika entstanden und hat seinerzeit auch dort für verheerende Verluste im Sektor gesorgt. Sieht man die heutigen Ergebnisse und vor allem Börsenkurse der großen US-Finanzinstitute, scheint dies alles lange her zu sein.

Die Milliardengewinne von JPMorgan, Citigroup, Bank of America & Co. sprudeln, wie gerade die Jahreszahlen für 2019 wieder gezeigt haben - und die Börse ist begeistert. Von den Brokern um Platzhirsch Goldman Sachs ganz zu schweigen, die im Zuge der schon seit Jahren steigenden Wall Street ebenfalls von Erfolg zu Erfolg eilen. Von Krise also längst keine Spur mehr.

Tristesse in Europa

Europas Banken können davon nur träumen und tun sich immer noch mehr oder weniger schwer. Teilweise kommen bei italienischen Instituten sogar immer noch überraschende Bilanzrisiken aus der Zeit der Finanzkrise ans Tageslicht. Wie zuletzt erst im Dezember 2019 (!) geschehen bei der Banca Popolare di Bari, die vom Staat gerettet werden musste. Oder 2016/17 die älteste italienische Bank, die Monte dei Paschi aus Siena.

Und auch hierzulande ist Tristesse angesagt, auch wenn der Großteil der auf den Sparkassen- und Genossenschaftssektor entfallenden Bankenlandschaft in Deutschland gar nicht börsennotiert ist. Die gedrückten Aktienkurse der beiden Platzhirsche Deutsche Bank und Commerzbank sprechen für sich.

Sparen versus Konsumieren

Was auf den ersten Blick kaum zu verstehen ist, hat entscheidend mit den unterschiedlichen kulturellen Eigenheiten der Kunden zu tun. Diese Eigenheiten prägen die Märkte, auf denen die Institute tätig sind und damit nachhaltig den Unternehmenserfolg. Während in Nordamerika Millionen von Kunden "gleich ticken", ist es in europäischen Ländern teilweise von Region zu Region verschieden.

Am auffälligsten ist der Kontrast zwischen den sparsamen Deutschen und den konsumfreudigen Amerikanern. Die sich bekanntlich nicht scheuen, ihre Konsumwünsche ohne Rücksicht auf Verluste auf Kredit zu verwirklichen, entweder einfach per Plastikkarte oder klassischem Konsumkredit. Immerhin rund 70 Prozent des US-BIP sind vom Konsum bestimmt.

Ein Kreditkartengeschäft im Ausmaß wie in den USA gibt es in Europa höchstens noch in Großbritannien, also auch im angelsächsischen Kulturbereich.

Mehr Zinsmarge in Amerika

Hinzu kommt, dass sich für US-Banken im Spar- und Kreditgeschäft zumindest noch etwas verdienen lässt. Denn immerhin gibt es in Amerika noch eine Zinsstrukturkurve, wenngleich diese im historischen Vergleich ebenfalls flach verläuft.

Eine Kurve, von der europäische Banken trotzdem nur träumen, vor allem im AAA-bewerteten Deutschland. Alle Laufzeiten der Bundeswertpapiere weisen mittlerweile negative Renditen aus und die Banken müssen Strafzinsen bezahlen, wenn sie ihre Liquidität bei der EZB parken.

Immer mehr Banken hierzulande flüchten sich daher aus Verzweiflung in Verwahrentgelte beziehungsweise stellen ihren Kunden die abstrusesten Gebühren in Rechnung, um über die Runden zu kommen.

Deutsche Kunden investieren falsch

Mario Draghi

Mario Draghi. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Ein weiterer kultureller Unterschied schadet nicht nur den Banken, sondern auch den Kunden. Aktien oder andere Arten gewinnabhängiger Wertpapiere führen immer noch ein Nischendasein. Ganz anders als in Amerika, wo der tägliche Blick des Normalbürgers auf den Kurszettel der Wall Street weit verbreitet ist.

Kein Wunder, denn die Altersversorgung hängt größtenteils am Aktienmarkt - eine staatliche "Rundum-glücklich-Versorgung" wie in Deutschland gibt es dort nicht. Der ehemalige EZB-Präsident Draghi, der wegen seiner Nullzinspolitik gerade in Deutschland nicht nur Freunde hat, hat denn auch immer wieder auf die Chancen der niedrigen Zinsen verwiesen.

Zumindest was den Aktienmarkt betrifft zurecht, wie der Blick auf die längste Hausse aller Zeiten zeigt. Aber es war sicher nicht Mario Draghis primäre Absicht, die Deutschen zu Aktionären oder Hausbesitzern zu machen, sondern eher, die Eurozone zusammenzuhalten. Immerhin kriegt er morgen vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz für sein Wirken - was der gebeutelte deutsche Sparer aber wohl nicht verstehen muss.

rm