FAQ - Frequently Asked Questions

FAQ Was Biosprit ist und welche Zukunft er hat

Stand: 17.07.2018, 10:56 Uhr

Bio-Diesel, Bioethanol, E10 - Es gibt viele unterschiedliche Biokraftstoffe. Die wichtigsten Fragen rund um diese Treibstoffe klären wir hier.

Immer wieder werden sie gehypt und dann doch nicht getankt. Biokraftstoffe sollen den Anteil fossiler Kraftstoffe senken und das Autofahren umweltfreundlicher machen. Doch die Branche hat mit einer sinkenden Nachfrage und der Elektromobilität zu kämpfen.

Deswegen hier die wichtigsten Fragen zu Biokraftstoffen und ihrer Zukunft:


Was genau ist nochmal "Biosprit"?

Welche Generationen von "Biosprit" gibt es?

Worin unterscheiden sich Bio-Diesel und Bioethanol?

Warum gibt es an deutschen Zapfsäulen keinen Bio-Diesel mehr?

Was genau war nochmal E10?

Enthält wirklich jeder Auto-Kraftstoff Biosprit?

Warum wird deutsches Bioethanol vor allem in Ostdeutschland hergestellt?

Worin unterscheiden sich Biosprit- von Elektroantrieben?

Welche Zukunft hat Biosprit überhaupt noch?


Was genau ist nochmal "Biosprit"?

Den einen "Biosprit" gibt es gar nicht. "Biosprit" ist nämlich ein Sammelbegriff für alle Kraftstoffe, die nicht aus fossilen, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden.

Wie bei den fossilen Kraftstoffen unterscheidet man aber auch hier verschiedene Sorten wie z.B. den Biodiesel oder Bioethanol. Es gibt aber auch Biokerosin und Bioheizöl.

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Welche Generationen von "Biosprit" gibt es?

Man unterscheidet drei Generationen von "Biosprit": Die erste Generation der Biokraftstoffe stand noch in direkter Konkurrenz mit der Lebensmittelindustrie. Denn zur Herstellung dienten die Früchte der Pflanzen.

Mit der zweiten Generation wurde diese Konkurrenz aufgelöst. Zur Herstellung dieser Biokraftstoffe dient alles abseits der Pflanzen-Frucht. Das können zum Beispiel Stroh oder Reste der Holzindustrie sein.

An der dritten Generation der Biokraftstoffe forschen Wissenschaftler im Moment intensiv. Die Kraftstoffe dieser Generation sollen bei Herstellung und Verbrennung weniger Schadstoffe und Kohlenstoff verursachen als bisher.

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Worin unterscheiden sich Biodiesel und Bio-Ethanol?

Biodiesel und Bioethanol sind zwei völlig unterschiedliche Kraftstoffarten mit unterschiedlichen Molekülstrukturen. Biodiesel besteht eher aus Alkanen, also aus bestimmten Kohlenwasserstoffen. Bioethanol ist chemisch gesehen ein Alkohol, der anstelle von Benzin verwendet werden kann.

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Warum gibt es an deutschen Zapfsäulen keinen Biodiesel mehr?

Der reine Biodiesel (B100) erlebte rund um die Jahrtausendwende einen Boom. Reiner Biodiesel zumeist hergestellt aus Raps, Soja oder Palmöl galt damals als klimafreundliche Alternative zu Kraftstoffen aus Erdöl. Und auch wegen der niedrigen Kraftstoffsteuer tankten ihn die Autofahrer gerne.

Als die Bundesregierung 2006 eine Steuer auf Biodiesel erließ, war das Ende des Biodiesel-Booms besiegelt. 2012 fiel das Steuerprivileg für Biodiesel endgültig. Und der Biodiesel verschwand von den Zapfsäulen – zumindest fast: Aufgrund der Beimischungspflicht sind heute sind auch "normalem Diesel" fünf bis sieben Prozent Biodiesel beigemischt (B5/B7).

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Was genau war nochmal E10?

E10 ist ein Gemisch aus fossilem Benzin und Bioethanol. Die Zahl 10 gibt dabei den Anteil des Bioethanols am Benzin an. Dem E10 sind also zehn Prozent Bioethanol beigemischt.

E10 war 2011 mit großen Hoffnungen eingeführt worden und sollte einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen. 2017 lag der Marktanteil aber lediglich bei knapp 13 Prozent.

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Enthält wirklich jeder Auto-Kraftstoff Biosprit?

Ja. Denn in Deutschland gibt es eine Beimischungspflicht. Allen Kraftstoffen wird Biosprit beigemischt. Dem klassischen Super-Kraftstoff (E5) werden fünf Prozent Bioethanol beigemischt. Im vergangenen Jahr waren das 15,5 Mio. Tonnen.

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Warum wird deutsches Bioethanol vor allem in Ostdeutschland hergestellt?

Bioethanol wird aus Biomasse hergestellt. Das sind in der Regel Getreide oder Zuckerrüben, die nicht zur Nahrungsherstellung oder Tierfütterung verwendet werden können. Da Zuckerrüben und verschiedene Getreide in Deutschland vor allem auf großen Feldern der ehemaligen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR (LPG) angebaut werden, liegen viele Fabriken in diesen Regionen. So sind die Transportwege kurz und die Produktionskosten niedrig.

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Worin unterscheiden sich Biosprit- von Elektroantrieben?

"Beide Technologien, Elektromobilität und Verbrennungsmotoren, haben ihr jeweiliges Einsatzgebiet", sagt Prof. Stefan Pischinger. Als Leiter des Lehrstuhls für Verbrennungskraftmaschinen an der RWTH Aachen forscht er mit seinen Mitarbeitern an beiden Technologien.

"Die naheliegenden Vorteile regenerativer Kraftstoffe sind die große Reichweite durch die hohe Energiedichte flüssiger Kraftstoffe, eine schnelle Betankung, eine bestehende Infrastruktur und (je nach Kraftstoff) das Potential, durch Beimischung (Drop-In) eine sofortige Wirkung zu haben. Der erhebliche Vorteil des Elektroantriebes insbesondere innerstädtisch ist die lokale Emissionsfreiheit."

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Welche Zukunft hat Biosprit überhaupt noch?

Es gibt nicht eine einzige, heilbringende Lösung, sagt Prof. Stefan Pischinger von der RWTH Aachen. „Im urbanen Verkehr, wo täglich kurze Wege zurückgelegt werden, ist die reine Elektromobilität hervorragend geeignet, die Schadstoff- und Geräuschbelastung zu reduzieren.“

Anders sei dies bei schweren, sehr leistungsstarken Oberklasselimousinen, im Langstrecken- beziehungsweise Güterverkehr oder bei Schiffen und Flugzeugen. Hier mache es deutlich mehr Sinn, auf verbrauchsarme Verbrennungsmotoren (bzw. Turbinen) zu setzen. Diese könnten mit synthetischen, regenerativ erzeugten Kraftstoffen betrieben werden. Egal ob aus Biomasse, Kohlenstoffdioxid oder erneuerbaren Energien. Biosprit stelle damit weiter einen wichtigen Baustein der Energiewende dar.

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