Eine menschliche und eine Roboterhand

Stillstand bei Robo Advisors War's das für die Robos?

von Jule Zentek

Stand: 24.10.2018, 14:48 Uhr

Robo Advisors sollten den Vermögensaufbau transparenter, bequemer und günstiger machen. Ihnen wurde eine prächtige Zukunft vorausgesagt. Ein Whitepaper zeigt nun: So gut wie gedacht läuft es für die Anbieter gerade nicht.

Über 200.000 deutsche Anleger haben es schon getan: Sie haben ihren Vermögensaufbau in die Hände von Computerprogrammen übergeben. Insgesamt bei rund zwei Milliarden soll das Anlagevolumen in Deutschland aktuell liegen. Von einem Anlagevolumen von bis zu 35 Milliarden Euro bis 2022 sprechen einige Experten. Robo Advisors galten als die Zukunft der Vermögensverwaltung - nun bröckelt die anfängliche Euphorie. So gut wie erhofft läuft es in der Branche aktuell nicht.

Das zeigt das Whitepaper der Unternehmensberatungen TME AG und Growth Ninjas. Die Volumenentwicklung soll bei den meisten Anbietern deutlich hinter den Erwartungen liegen. Unter anderem die Kundenakquisitionskosten von je rund 500 bis 1.000 Euro werden als Grund genannt. Ein Beispiel ist die Prämienaktion von Scalable Capital von 500 Euro für ein Depotvolumen von 50.000 Euro. Grund für die UBS, den Betrieb des "UBS SmartWealth" in Großbritannien einzustellen. Auch viele Anbieter im Robo-Vorreiterland USA sind noch immer nicht profitabel.

In Deutschland haben die Bank Santander und "Vaamo" sowie die Haspa und "Investify" die Zusammenarbeit beendet. Andere Banken wie die Commerzbank haben ihr Vorhaben, einen Robo Advisor anzubieten, mittlerweile ebenfalls begraben. Auf Seiten der Anbieter scheint zudem die Zeit still zu stehen. Von den rund zwei Milliarden Anlagevolumen in Deutschland wird etwa die Hälfte vom Fintech Scalable Capital und dessen Partnerbank ING­Diba verwaltet. Die restliche Milliarde teilen die weiteren rund 30 Anbieter unter sich auf. Weitere Anwärter auf den Marktführerposten - bislang Fehlanzeige.

Kosten-Nutzen-Vergleich: Robos lohnen sich für viele nicht

Unzufriedenheit auch auf Kundenseite. Im Test von "brokervergleich.de" schnitt kein Robo besser ab als die Benchmarks. Besonders in schwierigen Börsenphasen waren die Verluste ähnlich hoch. Das befeuert die Robo-Kritiker, die keinen Mehrwert in der Vermögensverwaltung durch Algorithmen erkennen. Vielen fehlt es bei den gebotenen Anlagestrategien an Innovation. Anderen fehlt die notwendige Erfahrung, um mit dem Robo Advisor richtig umgehen zu können. Sie setzen lieber auf herkömmliche Beratung. Gerade die Robo-Zweifler mit hohem Anlagevolumen erhalten von Vermögenberatungen gute Konditionen - vermeintlich kostengünstigere Robos werden da weniger attraktiv.

Das geringe Interesse bestätigen Umfragen. 42 Prozent der Deutschen wollen den Vermögensaufbau nicht einfach einem Computer überlassen. Das ergab eine Online-Umfrage der Börse Stuttgart unter rund 1.200 Deutschen im Frühjahr 2018. Nur drei Prozent nutzten Robo Advisors bereits – immerhin 33 Prozent zeigten sich offen.

Größeres Interesse bei den Digital Natives? Bislang nicht. Laut einer Online-Umfrage des CFA Insitute und der FINRA Investor Education Foundation unter rund 1.800 Millennials (geboren 1981 bis 1996) in den USA nutzen auch hier gerade einmal drei Prozent digitale Vermögensverwalter. 46 Prozent gaben an, nicht auch nur das geringste Interesse zu haben.

Robo-Markt in Deutschland: Zu schnell gesprintet?

Noch sei die Vermögensverwaltung per Algorithmus-basierter Software nicht überall angekommen, sagt Lars Reiner, Mitgründer und Geschäftsführer des Robo Advisors Ginmon. Er sieht den deutschen Markt noch ganz am Anfang. "Wenn die Entwicklung ein Marathon ist, dann sind wir gerade den ersten Kilometer gelaufen", sagt Reiner. Der Anspruch der Branche, Vermögensaufbau für jeden einfach und kostengünstig anzubieten, werde künftig mehr Kunden locken. Er hofft vor allem auf Kunden, die sich bislang nicht an die Börse gewagt haben: Rund zwei Billionen Euro sollen unverzinst auf deutschen Konten liegen. "Davon werden rund 80 bis 90 Prozent irgendwann angelegt werden müssen", sagt Reiner.

Trotz aller Kritik - auch die Unternehmensberatungen TME AG und Growth Ninjas wollen die Robos nicht vorschnell abschreiben. Sie glauben, der Wettbewerb werde sich unter den Fintechs und Banken weiter verschärfen. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande größere Vermögensverwalter den direkten Marktzugang per Robo Advisor für sich entdecken. Dafür muss sich die Technik den Ansprüchen der Kunden anpassen. Nur dann werden diese einen Mehrwert in den digitalen Verwaltern erkennen. Welche Robos das sein werden, muss sich noch zeigen.