5G

Neue Ära in der Telekom-Branche Vierkampf um 5G

Stand: 20.02.2019, 16:53 Uhr

Es wird spannend. In wenigen Wochen - voraussichtlich Ende März - beginnt die Auktion für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Vier Konzerne bewerben sich um die Lizenzen. Werden die Karten in der Telekom-Branche neu gemischt? Wer profitiert vom Aufbruch in die 5G-Ära?

Normalerweise gerät die beschauliche Gemeinde Mainz-Gonsenheim nur an Karneval außer Rand und Band. Der Mainzer Vorort gilt als Hochburg der Fassnacht. In diesem Jahr dürfte Gonsenheim auch außerhalb der närrischen Zeit im Ausnahmezustand stehen. Voraussichtlich ab der zweiten März-Hälfte findet auf dem ehemaligen Kasernengebäude in Mainz-Gonsenheim die Frequenzauktion für die nächste Mobilfunk-Generation statt.

Drillisch könnte Preiskampf auslösen

Vier Anbieter buhlen um die 41 Blöcke, die versteigert werden. Die drei Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland (O2) und die United-Internet-Tochter Drillisch, die über kein eigenes Netz verfügt, wollen ihren Hut in den Ring werfen. Laut Experten könnte Außenseiter Drillisch einen neuen Preiskampf auslösen - wie in Frankreich, wo der Einstieg des Billiganbieters Illiad zu massiven Tarifsenkungen führte.

"United Internet muss über einen Verdrängungswettbewerb auf einem gesättigten Markt Kunden gewinnen, was die Platzhirsche nicht kampflos hinnehmen werden", meint Branchenexperte Thorsten Gerpott, Wirtschaftsprofessor an der Uni Duisburg-Essen. Da der Neueinsteiger kein eigenes Netz hat, erhält er umfassende Ausnahmen bei den strengen Vergaberegeln. Das ist den drei Netzbetreibern ein Dorn im Auge.

Zwar bezweifeln viele, dass United-Internet-Chef Ralph Dommermuth bei der 5-G-Auktion ernsthaft mitmischt. Dommermuth könnte aber zum wichtigen Pokerspieler im Kampf der Großen werden. Drillisch hat die Möglichkeit, bis zu 30 Prozent der Netzkapazitäten von Telefonica Deutschland zu nutzen. Dieser Zugang könnte laut Insidern in einem Roaming-Vertrag umgewandelt werden.

Gut für Kunden, schlecht für die Unternehmen?

Die Endkunden dürften wohl von einem vierten Betreiber profitieren, glaubt Professor Gerpott. Sie könnten sich über sinkende Preise freuen.

Für Drillisch aber dürfte das 5-G-Abenteuer teuer werden. Analysten sehen die Pläne der United-Internet-Tochter kritisch. Zum einen muss Drillisch für die Frequenzen zahlen, zum Anderen für den Aufbau oder das Leasen des Netzes. Telekom-Analyst Neil Campling vom Investmenthaus Mirabaud sieht die Entwicklung des französischen Billiganbieters Iliad als warnendes Beispiel für Drillisch. "Wir haben dort eine massive Preisvernichtung erlebt, die weder gut für Aktionäre noch für Netzbetreiber war." Die Aktien von Drillisch und United Internet sind seit dem vergangenen Sommer, als der Einstieg ins 5G-Rennen bekannt wurde, um gut 40 Prozent abgesackt.

Konkurrent Freenet, der wie Drillisch Kapazität in den Netzen der Konkurrenten mietet, hat auf eine 5G-Bewerbung verzichtet. Freenet-Chef Christoph Vilanek hält die für ein solches Netz nötigen Investitionen von zehn Milliarden Euro für zu hoch.

Netzbetreiber haben genug Geld in der Kasse

Für die drei Platzhirsche Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland dürften dagegen die Milliarden-Investitionen einfacher zu schultern sein. Bei der Telekom und bei Vodafone ist die Portokasse gut gefüllt. Und Telefonica Deutschland kann sich auf die Finanzkraft des spanischen Mutterkonzerns Telefonica verlassen.

Insgesamt dürfte die Auktion der Mobilfunkfrequenzen gut drei bis vier Milliarden Euro in die Staatskassen spülen, schätzt Experte Gerpott von der Uni Duisburg-Essen. Das wäre deutlich weniger als in den vorangegangenen Auktionen. 2010 zahlten die Firmen für neue Mobilfunkfrequenzen 5,1 Milliarden Euro, 2015 waren es nochmals 4,4 Milliarden Euro. Zweistellige Summen wie zur Jahrtausendwende sind künftig nicht mehr zu erwarten. 2000 zahlten die Telekom-Konzerne gut 50 Milliarden Euro für die UMTS-Netze.

Auktionsstart könnte sich verzögern

Möglicherweise wird sich der Start der Auktion noch etwas verzögern. Denn sowohl Telefonica Deutschland als auch Vodafone haben Eilanträge beim Verwaltungsgericht Köln eingereicht, um die Versteigerung zu verschieben. Ob die Deutsche Telekom ebenfalls gerichtlich nachzieht, ist noch ungewiss. Telefonica wehrt sich gegen die mit der Frequenzvergabe verbundenen Auflagen zur Versorgung in der Fläche. Laut Auflagen müssen die erfolgreichen Bieter bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgen.

5G steht für die fünfte Generation des Mobilfunknetzes, mit der eine Download-Geschwindigkeit von 10 Gigabit pro Sekunde erreicht werden soll. Das wäre hundert Mal schneller als mit dem bisherigen LTE-Standard. Nutznießer des neuen High-Speed-Internets wäre die Industrie, die schnellere Netz für das "Internet der Dinge" und die selbstfahrenden Autos benötigt.

Profiteure Nokia und Ericsson

Für die Zulieferer dürfte der neue Mobilfunkstandard ordentlich Geld in die Kassen spülen. Ericsson hob bereits seine Umsatzprognose für 2020 an. Auch Nokia rechnet sich einen Wachstumsschub aus. Die beiden Ausrüster haben sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern für den Ausbau der Mobilfunknetze in Stellung gebracht. Sie profitieren auch davon, dass der chinesische Ausrüster Huawei in einigen Ländern ausgeschlossen werden soll.

nb