Versandtasche mit Medikamenten

Analysten positiv gestimmt Frühling für Online-Apotheken?

von Michelle Goddemeier

Stand: 21.01.2019, 17:00 Uhr

Versandapotheken sind weiter auf dem Vormarsch. Zuletzt hatte die Aussage der Apotheker, den Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten im Internet zu unterstützen, die Aktien beflügelt. Diese Tendenz könnte 2019 weiter anhalten.

Seit 2004 ist der Versandhandel von Arzneimitteln in Deutschland erlaubt. Das ermöglichte das Versenden von apothekenpflichtigen und verschreibungspflichtigen Medikamenten bundesweit - und brachte den Durchbruch für Online-Apotheken.

Vor allem zwei Unternehmen sind auf dem europäischen Markt führend: Die niederländische Shop Apotheke Europe und die schweizerische Zur Rose Group. Beide Konzerne sind börsennotiert. "Zur Rose" ist seit Juli 2017 an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange. Die Shop Apotheke hatte ihren Börsengang im Oktober 2016 und wurde im September 2018 in den SDax aufgenommen.

Der Markt ist sehr umkämpft. Andere Versandapotheken, wie Sanicare oder Apotal, haben es schwer. Gerade die Zukäufe der beiden großen Unternehmen machen den kleineren zu schaffen.

Apotheker wollen Versandapotheken akzeptieren

Monatelang haben sich die Apotheker in Deutschland gegen den Versandhandel verschreibungspflichtiger Arznei gewehrt. Ende letzter Woche kam dann die Wende: Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) erklärt sich unter bestimmten Umständen bereit, den Fortbestand des Versandhandels zu akzeptieren. Dafür verlangen die Apotheker Schritte zur Stärkung der Apotheken und ein Verbot von Boni. Die Große Koalition hatte ursprünglich ein Verbot der Rabattzahlungen geplant. Doch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) teilte im Dezember mit, dass ein solches Verbot europarechtlich nur schwer umzusetzen sei. Stattdessen kündigte Spahn an, die Rabattmöglichkeiten der Internet-Apotheken beschneiden zu wollen. Boni sollen demnach auf 2,50 Euro pro Packung begrenzt werden. Die Aussicht auf ein Ende des Widerstands der ABDA wirkte sich positiv auf die Aktien aus. Die "Shop-Apotheke" konnte Kursgewinne von drei Prozent verbuchen.

Zwei Spitzenreiter in der Branche

Die Shop Apotheke machte vor allem durch die Übernahme der Europa Apotheek Schlagzeilen und konnte ihren Marktanteil europaweit ausweiten. Auch auf dem deutschen Markt konnte sich das Unternehmen immer mehr etablieren. Die Erlöse in Deutschland erhöhten sich im ersten Halbjahr 2018 um 120 Prozent auf 202 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Halbjahr 2017 lag der Erlös nur bei 92,1 Millionen Euro. Weltweit konnte das Unternehmen seinen Umsatz im gleichen Zeitraum um 103 Prozent auf 257 Millionen Euro steigern.

Shop-Apotheke Europe

Die Shop Apotheke und ihre Tochterunternehmen (mit Angabe des Datums der Übernahme). | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Der direkte Konkurrent, die Zur Rose Group, ist weiterhin die größte Versandapotheke Europas. Allein in Deutschland hat das Unternehmen über drei Millionen Kunden. Mit der Übernahme der Versandapotheke medpex Anfang Januar erhöhte Zur Rose den Anteil am Arzneimittelversand in Deutschland von 18 auf 31 Prozent. Neben medpex kaufte die Zur Rose Group zuvor auch bekannte Versandapotheken wie DocMorris und apo-rot auf und behauptete sich damit auf dem europäischen Markt.

Zur Rose

Die Zur Rose Group und ihre Tochterunternehmen (mit Angabe des Datums der Übernahme). | Bildquelle: und Grafik: boerse.ARD.de

Versandapotheken profitieren von Markttrends

Laut einer Analyse der Schweizer Bank UBS entwickeln sich die Rahmenbedingungen immer mehr zugunsten der Versandapotheken. Stark aufgestellte Marktteilnehmer wie Zur Rose oder Shop Apotheke profitieren nach Einschätzungen der Experten am meisten von den strukturellen Markttrends. Das habe auch positive Auswirkungen auf die Aktien.

Zur Rose Group AG-Logo

Zur Rose Group AG-Logo. | Bildquelle: Unternehmen

Doch der Wettbewerb mit etablierten Unternehmen und anderen E-Commerce-Unternehmen, die bislang noch nicht in der Branche vertreten sind, könnte in Zukunft zunehmen und die Geschäftsaussichten von Zur Rose beeinflussen, so UBS-Analyst Sebastian Vogel. Diese Herausforderungen sollten Anleger aber nicht beunruhigen. UBS empfielt den Kauf der Zur Rose-Aktie.

Kaufempfehlungen für Aktien

Auch die Aktie der Shop Apotheke wurde erst kürzlich einer Analyse unterzogen. Die Deutsche Bank hat die Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 53 Euro belassen. Die Strategen des Bankhauses nahmen die von Analyst Alexander Thiel beobachtete Aktie der Online-Apotheke in einer am Freitag vorliegenden Studie auf die Liste der "German Stock Ideas" auf.

Das Unternehmen sei in großen Endmärkten aktiv und profitiere vom Trend zur Online-Bestellung von Medikamenten, der noch im frühen Stadium sei. Regulatorische Risiken, die den Kurs bislang gebremst hätten, seien vom Tisch.

Branche soll in Zukunft stark wachsen

Management der Shop-Apotheke (v. l.): Michael Köhler (stehend), Ulrich Wandel, Stephan Weber, Theresa Holler, Marc Fischer

Management der Shop-Apotheke. | Bildquelle: Unternehmen

Die Berenberg Bank hält ein Investment in Versandapotheken ebenfalls für empfehlenswert und beurteilt sowohl Zur Rose als auch die Shop Apotheke mit "Buy". "Wir erwarten, dass die Versandapotheken auch in Zukunft stark wachsen werden durch Marktanteilsgewinne", sagt Berenberg-Analyst Gerhard Orgonas.

Insbesondere die flächendeckende Einführung von elektronischen Rezepten könne positive Auswirkungen auf die Aktien haben. "Auf lange Sicht erwarten wir Margen, die vergleichbar sind mit der Profitabilität von stationären Apotheken", so der Experte. Nach Analysten der Berenberg Bank liege das Kursziel für Zur Rose bei 170 Schweizer Franken.

Amazon als Konkurrent

Gefahr könnte aus den USA drohen. Denn schon jetzt kooperiert Amazon mit verschiedenen stationären Apotheken, die ihre Produkte anbieten. Dass Amazon in den europäischen Arzneimittelversand einsteige, sei laut Experten auf kurze oder mittlere Sicht unwahrscheinlich. Auf längere Sicht sei die Übernahme einer Online-Apotheke und damit der Schritt in den europäischen Markt aber durchaus denkbar.