Veganer Quinoa-Burger

Klimakiller Fleischindustrie Veganer Boom: Milliarden scheffeln und das Klima retten

von Thomas Spinnler

Stand: 02.03.2020, 06:45 Uhr

Das Klima und die Tiere retten, nebenbei auch noch etwas für die eigene Gesundheit tun: Vegane Ernährung war einst eine Nische, heute ist sie ein Lebensstil - und vor allem ein Milliardenmarkt. Das Angebot wächst ständig, auch die großen Player der Industrie samt Fast-Food-Ketten wollen den Trend nicht verpassen.

Viele träumen vom glamourösen Leben eines Hollywoodstars. Dazu gehört mittlerweile nicht nur der rote Teppich und das Elektroauto, sondern auch die richtige Ernährung. Ökologisches Bewusstsein zu zeigen, ist bei Stars und Sternchen längst Teil der Jobbeschreibung. Bei der jüngsten Oscar-Verleihung hatte man es deshalb als Carnivore nicht leicht. Beim Empfang der Oscar-Nominierten stand erstmals ein veganes Menü auf dem Programm. Auch die Häppchen, die vor der Verleihung serviert wurden, waren pflanzlich.

Aber sei's drum: Wer würde nicht gern bei veganen Amuse-Gueules in die Menge eintauchen, wenn sie unter anderem aus Brad Pitt, Joaquin Phoenix, Renée Zellweger und Leo DiCaprio besteht? Nestlé-Deutschlandchef Marc-Aurel Boersch brachte es vor einigen Monaten auf den Punkt: "Vegane Produkte waren früher nur etwas für Wollsockenträger." Jetzt sei es eine Bewegung.

 Joaquin Phoenix bei der Oscar-Verleihung 2020

Kein Wollsockenträger: Joaquin Phoenix bei der Oscar-Verleihung 2020. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

Wir möchten Teil einer Bewegung sein…

Denn auch wer sich nicht darum schert, was man sich in Hollywood auf den Teller legt, kommt an diesem Trend kaum vorbei. Dass die Nachfrage steigt, zeigt schon der Blick in die Supermarktregale. Nicht nur Supermärkte wie Rewe, Edeka oder Tegut, sogar Discounter wie Lidl oder Aldi bieten längst eine wachsende Palette von veganen Produkten an.       

Drei Gründe bewegen Verbraucher dazu, sich für vegane und vegetarische Ernährung zu interessieren: Zum einen ist es natürlich der Faktor Tierschutz, die immer länger werdende Reihe der Gammelfleisch-Skandale dürfte ebenfalls so manchem die Lust auf eine Wurstsemmel verdorben haben. Und schließlich gilt fleischliche Ernährung als Klimakiller.

Die Fleischindustrie ist laut UN-Welternährungsorganisation für 14,5 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Bis zum Jahr 2050 solle sich der Wert verdoppeln. Es ist also rational für Verbraucher, die sich um das Klima und die Umwelt sorgen, sich gegen den Fleischkonsum zu entscheiden - oder ihn zumindest einzuschränken.

PETA-Aktivisten in gelben Schutzanzügen und Atemschutzmasken demonstrieren für vegane Ernährung

Peta-Aktivisten: "Fleisch schon, aber nicht von Tieren". | Bildquelle: imago images / ZUMA Press

Fleisch schon, aber nicht von Tieren

Der globale Fleischmarkt setzt aktuell jährlich rund 1.000 Milliarden Dollar um. Bis zum Jahr 2040 sollen es nach Schätzungen der Unternehmensberatung Kearney zwar 1.800 Milliarden sein. Aber: "Wir stehen vor dem Ende der Fleischproduktion, wie wir sie kennen", prophezeit Dr. Carsten Gerhardt, Partner und Landwirtschaftsexperte von Kearney. "Bereits 2040 werden nur 40 Prozent der konsumierten Fleischprodukte von Tieren stammen."

Für das Jahr 2018 liegen die Schätzungen über die Größe des globalen Markts für vegane Produkte etwa zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar. Veganer Fleischersatz liegt etwa bei 5 Milliarden Dollar. Die Experten der UBS rechnen mit einer Größe von 85 Milliarden Dollar im Jahr 2030.

Viele Experten sind sich jedenfalls sicher, dass der vegane Markt rasant wachsen wird und prognostizieren zweistellige Wachstumsraten. Vor allem setzen sie dabei auf "Flexitarier", denn bislang sieht es nicht so aus, als würde die Zahl der Veganer und Vegetarier wirklich kräftig wachsen. Flexitarier sind Verbraucher, die zwar nicht ganz auf Fleisch verzichten wollen, aber gleichwohl der Umwelt zuliebe den Konsum reduzieren.

Genauso wie es für Verbraucher, denen etwas an Tier- und Klimaschutz liegt, rational ist auf Fleisch zu verzichten, ist es für am Wachstum orientierte Unternehmen vernünftig, diesen Trend zu bedienen. Selbst Fastfood-Ketten machen mit. McDonald's bietet beispielsweise den Big Vegan TS an, die pflanzlichen Patties stammen vom Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der sein Engagement in diesem Segment weiter verstärken will. Auch Kentucky Fried Chicken ist auf den Zug aufgesprungen, Burger King bietet den Rebel Whopper an.   

Beyond Meat Börsengang in New York

Beyond Meat: Börsengang in New York. | Bildquelle: picture alliance/Mark Lennihan/AP/dpa

Aus dem Labor auf den Teller

Für erste Euphorie auf dem Börsenparkett sorgte im vergangenen Jahr das IPO von Beyond Meat. Der US-Konzern ist durch seine Fleischersatz-Bratlinge "Beyond Burger" bekannt geworden. Über den Börsengang des US-Konkurrenten Impossible Foods wird längst spekuliert.

Und das US-Start-Up Just Egg präsentiert dem staunenden Konsumenten veganes Rührei aus der Flasche. Sobald das Unternehmen die Gewinnschnelle erreicht habe, solle das IPO folgen.     

Was die Börse zumindest zeitweise elektrisiert hat, sorgt allerdings bei manchem Fachmann für Kritik. So äußert sich der Ernährungsmediziner Matthias Riedl recht deutlich zum "Beyond Burger" und verweist dabei auf künstliche Aromen, Kokosöl, Geschmacksverstärker, Zucker und Stabilisatoren. Für ihn sei das Kunst pur: "Ich würde es ganz bestimmt nicht essen."

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Fleischlos glücklich an der Börse Beyond Meat & Co.

Beyond Meat

Beyond Meat
Beyond Meat ist bereits da, wo andere Unternehmen der Fleischersatz-Branche möglicherweise noch hin wollen - an der Börse. Bisher erweist der Schritt als ein gigantischer Erfolg. Das US-Unternehmen ist mit einem Vielfachen des erwarteten jährlichen Umsatzes bewertet. Beyond Meat ist insbesondere durch seinen "Beyond Burger" bekannt geworden, also Fleischersatz-Bratlinge für Hamburger. Doch nun bietet man auch "Beyond Beaf" (Fleischbällchen-Ersatz) und "Beyond Sausage" (Würste auf Basis von Schweinefleisch-Ersatz) an.