Verschieden große Schlosssymbole

Gefahr für die Datenkraken Übernimmt jetzt die Blockchain?

Stand: 01.02.2018, 13:31 Uhr

Google, Facebook und Amazon verdienen an den Daten ihrer Nutzer. Doch das könnte sich durch die Blockchain ändern: Sie vernetzt eine Welt, in der jeder nur das von sich preisgibt, was er auch wirklich möchte. Was bedeutet das für die Geschäftsmodelle der Tech-Giganten?

GMail-Logo auf einem Bildschirmdisplay

GMail. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ob beim kostenlosen Mailkonto bei Google, beim Kauf auf Amazon oder beim Foto-Post auf Facebook – überall hinterlassen Nutzer ihre Daten. Die Megakonzerne gelangen so vollkommen kostenlos an das Kostbarste, was die Kunden ihnen bieten könnten: ihre persönlichen Daten.

Selbstbedienung am Daten-Buffet

Denn so funktioniert ihr Geschäftsmodell: Sie profitieren vom mangelnden Datenschutz im Netz und geben ihre Infos an Werbetreibende weiter. Doch die Selbstbedienung am Daten-Buffet könnte irgendwann vorbei sein.

Denn die Internetkonzerne profitieren von den aktuellen Netzwerkstrukturen. Sie bekommen zwar die Daten ihrer Nutzer kostenlos - fügen diese dann aber zusammen. Das macht sie für viele unabkömmlich. Die Blockchain könnte dieses Monopol auflösen - vermutlich sogar besser als manche kartellpolitische Maßnahme.

Was ist die Blockchain?

Bei der Blockchain ("Blockkette") werden vom Computer unzählig viele Datenblöcke aneinander gehängt - wie ein digitales Logbuch. Regelmäßig löst dann ein Rechner im Netzwerk eine stupide digitale Suchaufgabe. So wird der nächste Block der Blockchain gefunden, die Transaktionen dort gesammelt und verarbeitet. Nach einer gewissen Zeit wird der Block mit einem Code verschlüsselt und an die bisherige Blockchain angehängt. Er kann nicht mehr verändert werden und die Transaktionsgebühren darin gehören demjenigen, der den Block gefunden hat.

Die Zukunft mit der Blockchain

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"Das Thema Blockchain wird eine Schlüsseltechnologie des Internets für die kommenden zehn bis zwanzig Jahre sein", sagt Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center. Denn die Technologie eröffnet neue Möglichkeiten: Sie kann vor Überwachung, Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch schützen. Sogar Bitcoin-Gegner glauben daran und sagen: Selbst wenn der Bitcoin sich nicht langfristig durchsetzen sollte – die Technologie dahinter wird es. Wie könnte das utopisch gedacht aussehen?

Die Kernidee der Blockchain-Technologie ist es dabei, alle Transaktionen eines Vermögensgegenstandes in einer gemeinsam verteilten Datenbank zu erfassen. "Somit können Werte in digitaler Form direkt und ohne Intermediäre übertragen werden", sagt Sandner. Der Knackpunkt sei hierbei die gemeinsame verteilte Datenbank: Alle Akteure können auf dieselbe Informationsbasis zurückgreifen aber mit entsprechenden Zugriffsrechten. "Jeder Nutzer – und nur dieser – könnte also potenziell über seine Daten verfügen", sagt Sandner.

Auch mit der Blockchain könnten Informationen wie möglicherweise Patientendaten, Nutzungsdaten und vieles mehr gespeichert werden - doch anders als bei Facebook oder Google würden sie auf der Blockchain verschlüsselt werden. Die Verschlüsselung dient dann als Verifizierung. Bei einer Transaktion erkennt der Verkäufer daran, ob der andere tatsächlich der rechtmäßige Käufer ist. Nutzer könnten dann also selbst bestimmen, an wen sie ihre Daten weitergeben.

Niemand kann somit die Netzwerkstruktur der Daten für sich alleine beanspruchen. "Es entstehen dezentrale Blockchain-Ökosysteme, in denen jeder für sich selbst die Regeln aufsetzen kann", sagt Sandner. Das lässt sich beispielsweise über sogenannte "intelligente Verträge", die smart contracts regeln. Sie gibt es unter anderem bei der Blockchain von Ethereum - beim Bitcoin bislang nicht.

Was sind "smart contracts"?

Ein Smart contract ist ein Programm, das auf einer Blockchain gespeichert ist und eine Art digitalen Vertrag repräsentiert. Smart contracts bestehen aus genau codierten Bedigungen und Regeln, die nach Erstellung nicht mehr abgeändert werden können: Ihr Verhalten ist somit komplett festgeschrieben. Sobald eine vorher definierte Vertragsbedingung eintritt, erfüllt der „smart contract“ den anderen Teil automatisch, ohne dass sich die Vertragspartner darum kümmern müssen. Davon verspricht man sich schnelle und kosteneffiziente Verträge mit mehr Rechtssicherheit.

Wie sicher ist das?

Nicht alle trauen der Technologie hinter der Blockchain. Manche glauben, dass mit einem Hackangriff alles vorbei sein könnte. Doch US-Investor Chris Dixon hält das System für sicher und den Bitcoin als besten Beweis dafür: Seit neun Jahre  hat es niemand geschafft, dessen Blockchain zu hacken.

Hackerangriff

Hackerangriff. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Dafür gibt es mehrere Gründe. Allein die hohe Rechenleistung macht den Datendiebstahl schwer: Das System zu täuschen kostet den Computern von Hackern enorme Kapazitäten und Energie. Außerdem bleibt der verschlüsselte Zugang: Dazu muss zunächst der Code geknackt werden.

Dezentralisierung macht es Hackern schwer

Ein weiterer Vorteil ist das dezentralisierte System: Bei der Blockchain liegen die Daten auf vielen Rechnern verteilt. Hacker müssten also jeden Computer im Netzwerk einzeln anzapfen, um an möglichst viele Informationen zu gelangen. Die Blockchain verbindet dabei die Computer in ihrem Netzwerk miteinander: Sie alle prüfen, wenn jemand Informationen fälschen will. Werden Fälschungen erkannt, wird die Transaktion nicht weiter ausgeführt.

Bei Google, Amazon und Co. liegen die Daten von Millionen Nutzern hingegen hinter der Firewall der Konzerne. Hacker müssen also nur einmal dort hineingelangen und erhalten innerhalb kurzer Zeit eine millionenfache Anzahl an Daten.  

Interessant für so manche Dienstleister

In einigen wenigen Bereichen wird die Blockchain-Technologie bereits eingesetzt. Sie kann unter anderem Banken helfen, Transaktionskosten zu senken. Die Nasdaq hat bereits ein auf der Blockchain basierendes Konzept gestartet, das für Wertpapiertransaktionen genutzt wird. Außerdem ist die US-Technologiebörse an weiteren Projekten beteiligt, die ihre Technologie auf der Blockchain aufbauen.

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Auch die Deutsche Börse experimentiert bereits seit einigen Jahren mit der Blockchain-Technologie. Ziel der Forschung seien Finanztransaktionen, die auf der Blockchain basieren. Erste Prototypen aus diesen Studien gab es bereits - bis zur Marktreife könnte es aber noch länger dauern.

Vor allem für Dienstleistungen im Peer-to-Peer-Bereich kann das System nützlich werden. Journalisten, Musiker und andere Künstler könnten so ihr geistiges Eigentum ganz einfach per Blockchain verkaufen. Ähnliches plant bereits Foto-Spezialist Kodak.

Bis zur Blockchain-Welt wird es noch dauern

Die meisten Entwicklungen stecken noch in den Kinderschuhen. Denn auch rechtlich muss noch einiges getan werden. Zwar soll die Blockchain Regulierungen weniger bürokratisch machen - notwendig sind sie trotzdem. Denn Transaktionen sollen auch dort kontrolliert und abgesichert werden. Bis die Blockchain tatsächlich Alltag wird, kann es daher noch dauern.

So schnell wird das Geschäft für Facebook, Microsoft, Ebay und Co. also nicht vorbei sein. Und wer weiß – vielleicht steigen die Tech-Giganten selbst noch in die Blockchain ein.

jz