Dunkle Wolken über der Banken-Skyline Frankfurt
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Türkei-Krise Ansteckungsgefahr für europäische Banken?

Stand: 10.08.2018, 19:15 Uhr

Wie zu Zeiten der Griechenland-Krise fürchten Investoren, dass die sich zuspitzende Krise in der Türkei auf das europäische Bankensystem übergreifen könnte. Europaweit geraten Bank-Aktien unter Druck.

Der Verfall der türkischen Währung bereitet der EZB-Bankenaufsicht mit Blick auf Institute mit starkem Engagement in dem Land laut einem Bericht der "Financial Times" zunehmend Sorgen. Die Situation sei aber noch nicht kritisch.

Derzeit haben Banken in der Türkei einer aktuellen Aufstellung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Kredite in Höhe von 148 Milliarden Dollar und von 110 Milliarden Euro vergeben - der Großteil davon kommt aus dem Ausland.

Vor allem südeuropäische Banken betroffen

Das höchste Risiko tragen den BIZ-Daten zufolge derzeit die spanischen Großbanken, die Kredite über rund 83 Milliarden Dollar vergeben haben - aus Frankreich und Italien kommen 38 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Milliarden Dollar.

Aktien der spanischen BBVA büßten in Madrid 5,1 Prozent ein auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2016. Sie waren größter Kursverlierer im Leitindex IBEX-35. Ähnlich das Bild an der Mailänder Börse, wo die Anteile von UniCredit 3,7 Prozent verloren und damit ebenfalls das Schlusslicht im Leitindex FTSE-MIB waren.

Deutsche Bank größter Dax-Verlierer

In Paris zählten die Aktien der Großbank BNP Paribas mit einem Abschlag von 3,0 Prozent zu den größten Verlierern.

Die Angst vor einem Ansteckungsszenario setzte auch die Papiere von Deutsche Bank und Commerzbank im Dax mächtig unter Druck und trieben sie ans Dax-Ende. Auf den Aktien der Deutschen Bank lastet allerdings auch noch ein negativer Kommentar von Morgan Stanley.

ag

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Experten sind alarmiert Währungsverfall in der Türkei

Lutz Karpowitz

Lutz Karpowitz, Analyst Commerzbank
"Bisher zeigt sich Präsident Erdogan von der Reaktion der Finanzmärkte unbeeindruckt. Das ist ein gefährliches Spiel: Je später er nachgibt, desto größer der Schaden, denn ohne Politikwechsel dürfte die Lage weiter eskalieren. Dann wären auch Kapitalverkehrskontrollen wahrscheinlich. Wer derzeit nicht auf ein Einlenken von Erdogan setzen mag, sollte eine weitere massive Lira-Schwäche einplanen."