Indische Elefantenführer warten auf Touristen

UN warnt Touristikbranche am Abgrund

Stand: 25.08.2020, 11:52 Uhr

Für viele Deutsche sind die Urlaubsreisen ins Ausland ein Luxus, auf den sie ungern verzichten möchten. Für viele Menschen in so genannten Entwicklungsländern ist Tourismus die Lebensgrundlage. Die ist in Gefahr, warnen die Vereinten Nationen.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie scheint sich gerade zu formieren. Infektionszahlen steigen rund um den Globus und auch in vielen beliebten Reiseländern der Deutschen. So steht offenbar auch Frankreich bald auf der Liste der Staaten, für die das Auswärtige Amt eine Reisewarnung vergeben könnte.

"Für Entwicklungsländer ein Notfall"

Weltweit nimmt der Einbruch im Tourismusgeschäft bedrohliche Ausmaße an, die auch die UN inzwischen umtreibt. Wegen der Corona-Krise sind in diesem Jahr UN-Generalsekretär António Guterres zufolge weltweit rund 120 Millionen Jobs im Tourismus bedroht. "Die Krise ist ein massiver Schock für entwickelte Ökonomien aber für Entwicklungsländer ist es ein Notfall", sagte Guterres in einer Video-Botschaft.

Denn viele dieser Länder sind stark vom Tourismus abhängig: In Afrika machte 2019 der Tourismussektor zehn Prozent aller Exporte aus, wie es in einem am Dienstag veröffentlichten UN-Bericht heißt. Wegen der Corona-Pandemie wurden weltweit Grenzen geschlossen, Hotels dichtgemacht und Flüge gestrichen.

1,2 Billionen Dollar Verluste

In den ersten fünf Monaten des Jahres ist die Zahl der internationalen Touristen dem Bericht zufolge um 56 Prozent gesunken - insgesamt könnte sie in diesem Jahr um 78 Prozent einbrechen. Zwischen 910 Milliarden und 1,2 Billionen Dollar an Exporteinnahmen im Tourismus könnten demnach verloren gehen. Dies sei besonders verheerend, da die meisten Tourismus-Betriebe kleine und mittlere Unternehmen seien, hieß es. "Frauen, junge Menschen und informelle Arbeiter sind besonders bedroht", sagte Sandra Carvao von der UN-Tourismusorganisation (UNWTO) mit Blick auf die Jobverluste. Demnach besteht der Tourismussektor zu mehr als die Hälfte aus Frauen.

"Es ist unerlässlich, dass wir den Tourismussektor wieder aufbauen", sagte der UN-Generalsekretär. Dies müsse aber in einer Art und Weise getan werden, die "sicher, gerecht und klimafreundlich" sei. Reisen müssten verantwortungsbewusst und nachhaltig sein, um die Millionen von Menschen, die vom Tourismus abhängig seien, zu schützen. Auch könne der Ausstoß von Treibhausgasen wieder stark ansteigen, sollte die Erholung des Tourismussektors nicht an Klimaziele ausgerichtet sein. Dem Bericht zufolge machen Treibhausgasemissionen durch den Transport im Tourismus rund fünf Prozent aller menschlichen Treibhausgasemissionen aus.

Streichen, sparen und entlassen

Für die Großkonzerne, die im Tourismus-Geschäft tätig sind oder am Tourismus verdienen, stehen wohl weitere harte Monate bevor. Der weltgrößte Tourismuskonzern Tui hatte alle Reisen auf die Balearen abgesagt, nachdem diese ebenfalls zum Risikogebiet erklärt wurden. Airlines müssen ebenfalls drastische Einbrüche ihrer Geschäfte hinnehmen und reagieren mit teils drastischen Sparmaßnahmen. So schickt die US-Fluglinie Delta nun fast 2.000 ihrer Piloten in Zwangsurlaub. Weitere 317 Piloten hätten die Airline in den vergangenen Monaten bereits verlassen.

AB