Eine Zigarette liegt in einem Aschenbecher.

Fünf Jahre nach Schockbilder-Beschluss Tabak-Aktien im Aufwind

Stand: 08.10.2018, 17:22 Uhr

Krebsgeschwüre, verfaulte Zähne oder schwarze Lungen: Heute vor fünf Jahren hat die EU eine neue Tabakrichtlinie samt abschreckender Schockbilder auf Zigarettenschachteln beschlossen. Wer seither auf das Rauchen verzichtet und stattdessen in Tabak-Aktien investiert hat, darf sich freuen.

2016 führte der Bundestag die Schockfotos und größere Warnhinweise auch in Deutschland ein. Zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Drehtabak-Verpackungen müssen seitdem von den Bildern und aufklärenden Texten bedeckt sein. Das soll vor allem Jugendliche abschrecken und das Rauchen unattraktiv machen.

Tatsächlich war der Absatz von klassischen Zigaretten zuletzt rückläufig. Im ersten Quartal 2018 fiel beispielsweise der Absatz herkömmlicher Zigaretten und Zigarren des größten Tabakherstellers der Welt, Philip Morris, um 5,3 Prozent. Im zweiten Quartal senkte der Marlboro-Hersteller, zu dem sieben der 15 Top-Marken gehören, seine Jahresprognose und warnte vor einem schrumpfenden Gesamtmarkt. Das machte der Aktie im Juli zu schaffen.

Alternativen auf dem Vormarsch

Raucher mit E-Zigarette

E-Zigarette. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auf dem Vormarsch sind derweil seit einiger Zeit Alternativen zu herkömmlichen Zigaretten. E-Zigaretten, bei denen flüssiges Nikotin verdampft wird, und Tabakerhitzer haben nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deutlich am Markt gewonnen. In 56 Prozent aller WHO-Länder gebe es mittlerweile elektronische Geräte zum Verdampfen von Nikotin und anderen Flüssigkeiten. Der Markt habe 2016 für diese Geräte etwa 8,6 Milliarden Dollar umfasst, 2023 sollen es 26,8 Milliarden Dollar sein.

Tabak zu erhitzen statt zu verbrennen ist ziemlich neu. Schätzungen der WHO zufolge explodiert der Umsatz mit Produkten zum Tabakerhitzen: von 2,1 Milliarden Dollar 2016 auf 17,9 Milliarden Dollar 2021. Neben Philip Morris sind auch Anbieter wie Japan Tobacco und British American Tobacco am Markt aktiv.

Laut einem Bericht der "Welt" investiert Philip Morris schon länger rund 3,5 Milliarden US-Dollar in Zigaretten-Alternativen. So wurde im vergangenen Jahr "Iqos" auf den Markt gebracht, bei dem der Tabak auf rund 300 Grad Celsius erhitzt wird.

Verbot elektronischer Zigaretten?

Philip Morris iQOS E-Zigarette

iQOS E-Zigarette. | Bildquelle: Unternehmen

E-Zigaretten und Tabakerhitzer müssten verboten oder streng reguliert werden, forderte jüngst Vera Luiza da Costa e Silva, Vorsitzende des Sekretariats der Anti-Tabak-Konvention der WHO, in Genf. Dort berieten in der vergangenen Woche Vertreter der 81 Mitgliedsstaaten unter anderem über den Umgang mit den neuen Produkten.

Die Tabakindustrie wolle die elektronischen Zigaretten, die flüssiges Nikotin verdampfen, und Geräte, die Tabak erhitzen statt verbrennen und dabei offenbar weniger Schadstoffe erzeugen, als gesündere Alternativen zum Rauchen verkaufen. Vielmehr müssten Regierungen auch diese Geräte aus Rauchverbotszonen verbannen und junge Menschen vor der Werbung schützen, sagte da Costa e Silva. Zwar sei es möglich, dass einige Raucher von ihrer Sucht loskämen, das stehe aber in keinem Verhältnis zu dem Risiko, dass junge Menschen erst ans Rauchen herangeführt würden.

Bereits Mitte September stellte die amerikanische Aufsichtsbehörde FDA ein Verbot für alle aromatisierten E-Zigaretten in Aussicht. "Die beunruhigende und beschleunigte Nutzung von E-Zigaretten, die wir bei Jugendlichen beobachten, und der daraus resultierende Weg zur Sucht, müssen beendet werden", sagte FDA-Kommissar Scott Gottlieb.

Die Behörde könne nicht tolerieren, dass eine ganze Generation von Nikotin abhängig werde und schickte daher neben Geldbußen an Einzelhändler, die illegal ihre Produkte an Minderjährige verkauften, Briefe an die E-Zigaretten-Hersteller Juull, Vuse, blu e-cigs und Logic. Es werde erwartet, dass die Unternehmen innerhalb von 60 Tagen Pläne für die Bekämpfung vorlegen. Ansonsten drohe ein Verbot.

Aussagen sorgen für Aufschwung der Tabak-Aktien

Als die Pläne der FDA am 12. September bekannt wurden, schnellten die Aktien der großen Tabakkonzerne nach oben. So gewann beispielsweise die Aktie von British American Tobacco, dem Hersteller von Marken wie Lucky Strike oder Pall Mall, 5,6 Prozent an Wert. Falls die FDA tatsächlich aromatisierte E-Zigaretten verbieten sollte, würde das nämlich in erster Linie den neuen E-Zigaretten-Konkurrenten schaden. Anleger könnten darauf setzen, dass Raucher wieder verstärkt auf den herkömmlichen Nikotin-Konsum umsteigen. Davon würden die etablierten Tabakhersteller profitieren, bei denen klassische Zigaretten noch immer den größeren Teil zum Konzernumsatz beitragen.

Die jüngsten Aussagen der WHO beflügelten die großen Branchenvertreter ebenfalls.

Lukrative Branche

Seit dem Schockbilder-Beschluss 2013 haben sich Tabak-Aktien prächtig entwickelt. Das Branchenbarometer Dow Jones Tobacco Index legte in den vergangenen fünf Jahren bis heute um 35,4 Prozent zu - trotz seiner relativen Schwäche in den vergangenen zwölf Monaten. Im Juni 2017 hatte das Plus sogar 83,3 Prozent betragen.

Laut einer Analyse der London Business School und Credit Suisse ist die Tabak-Industrie die lukrativste Branche überhaupt. Demnach lieferten amerikanische Tabakkonzerne seit dem Jahr 1900 etwa 14,6 Prozent Gesamtrendite pro Jahr verglichen mit 9,6 Prozent Rendite für den Gesamtmarkt. Auch die hohen Dividendenrenditen von derzeit 5,3 Prozent (Philip Morris), 5,9 Prozent (British American Tobacco) oder 4,8 Prozent (Altria Group) machen die Tabakindustrie für Anleger interessant.

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Die fünf größten Tabak-Konzerne Geraucht wird immer

<strong>Philip Morris</strong><br/>Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 132 Milliarden Euro war Philip Morris bislang der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield. <br/><br/>Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa. <br/><br/>Im Juni 2017 markierte der Titel bei 122,90 Dollar ein Rekordhoch. : Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 5 Jahre

Philip Morris
Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 132 Milliarden Euro war Philip Morris bislang der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield.

Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa.

Im Juni 2017 markierte der Titel bei 122,90 Dollar ein Rekordhoch.

tb