Raucher mit E-Zigarette

Nach den Kursverlusten Tabak-Aktien: Chancen in der Krise?

Stand: 20.09.2019, 15:15 Uhr

In den USA gab es zuletzt mehrere Todesfälle, die in Verbindung mit E-Zigaretten stehen sollen. Nun plant die US-Regierung ein teilweises Verbot. Wie sehr leidet die Tabakbranche und ihre Aktien unter den aktuellen Entwicklungen? Oder bieten die derzeitigen negativen Nachrichten eine Kaufgelegenheit?

Es hätte so schön für die Tabakindustrie sein können. Der seit Jahrzehnten anhaltende Schwund bei den Zigarettenverkäufen sollte durch neue Produkte wie E-Zigaretten aufgefangen werden. Besonders tief in die Tasche griff dabei der US-Konzern Altria, der 12,8 Milliarden Dollar in den E-Zigarettenhersteller Juul investierte und dafür gerade einmal 35 Prozent an dem Unternehmen erhielt.

Doch zuletzt gab es in den USA Berichte über sechs Todesfälle und 530 Fälle von ungeklärten Lungenerkrankungen, die die Hoffnungsträger der Tabakindustrie in Verruf gebracht haben. Viele der Betroffenen hatten Liquids mit dem psychoaktiven Cannabis-Wirkstoff THC konsumiert. Außerdem wurden einigen Produkten Vitamin-E-Acetat-haltige Öle beigemischt, die beim Einatmen als schädlich gelten. 

Die bedenkliche Entwicklung drückte auf die Kurse großer Tabakaktien wie Philip Morris, British American Tobacco, Altria und Co. Die Höchstkurse der Papiere datieren alle aus der Zeit vor dem Jahr 2018. Seitdem geht es trotz der positiven Entwicklung des Gesamtmarktes tendenziell abwärts.

Die Politik greift durch

Als Reaktion auf die Todesfälle sollen E-Zigaretten in den USA stärker als bisher reguliert werden. Selbst Donald Trump meldete sich jüngst zu Wort: "Wir können nicht zulassen, dass Leute krank werden, und wir können nicht unsere Jugend gefährden", sagte der US-Präsident.

Besonders ausgefallene Geschmacksrichtungen sind dabei ins Visier der Behörden gekommen.  Aufsätze mit Tabakgeschmack bleiben bis Mai kommenden Jahres erlaubt, ab dann brauchen sie eine Zulassung durch die zuständigen Behörden. Das dürfte insbesondere den großen Konzernen mit einem guten Draht zu den Regulierern entgegen kommen.

Außerdem soll es künftig nicht mehr möglich sein, E-Zigaretten mit Geschmack nach Alkohol, Früchten, Kaugummi und Minze zu konsumieren. Damit waren gerade auch Jugendliche angelockt worden.

Neue Chancen nach Regulierung

Möglicherweise wird das Thema E-Zigaretten mit der Regulierung des Marktes als Belastungsfaktor für die Aktien bald verschwinden und sich stattdessen doch als Wachstumstreiber für die Papiere entwickeln. Denn E-Zigaretten gelten zwar nicht als gesund, aber immerhin als erheblich weniger schädlich als klassische Zigaretten. Marktforscher erwarten, dass sich das Marktvolumen innerhalb von fünf Jahren in etwa verdreifachen wird, auf über 75 Milliarden Dollar pro Jahr.

Vom 20. bis 22. September findet in Dortmund die Messe Intertabac statt, die als weltgrößter Branchentreff gilt. Dabei spielen Elektrogeräte für den Tabakgenuss eine immer größere Rolle.

Neue Produkte in Sicht

Für Kursfantasie könnten weitere Produktinnovationen sorgen. Zu den risikoärmeren Geschäftsmodellen gehört dabei auch der Canabisbereich. So investierte die Altria Group 1,8 Milliarden Dollar in den Cannabiszüchter Cronos Group.

Außerdem ruhen große Hoffnungen auf so genannten Heiztabakgeräten. Mit diesen wird ein nikotinhaltiger Dampf erzeugt. Da der Tabak dabei nicht vollständig verbrennt, produzieren die Geräte nicht die gleichen schädlichen Chemikalien, die bei der Tabakverbrennung entstehen.

Sehr hohe Dividenden

Somit steigen die Chancen, dass sich die Börse in Zukunft wieder stärker auf die fundamentalen Stärken der Aktien konzentriert. Denn fast schon traditionell verfügen Tabakkonzerne über hohe freie Cashflows. Somit bleibt viel Geld übrig, um hohe Dividenden an die Aktionäre zu zahlen.

Die erwarteten Dividendenrenditen der fünf größten Tabakkonzerne reichen von rund 6,5 Prozent von Japan Tobacco bis zu nahezu unglaublichen 9,5 Prozent bei Imperial Brands.

ME

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Die fünf größten Tabak-Konzerne Geraucht wird immer

<strong>Philip Morris</strong><br/>Mit einer Marktkapitalisierung von 112 Milliarden US-Dollar ist Philip Morris der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield.<br/><br/>Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa.<br/><br/>Inzwischen verhandelt Philip Morris mit Altria wieder über einen Zusammenschluss.: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 5 Jahre

Philip Morris
Mit einer Marktkapitalisierung von 112 Milliarden US-Dollar ist Philip Morris der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Marlboro, Virginia Slims, L&M und Chesterfield.

Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa.

Inzwischen verhandelt Philip Morris mit Altria wieder über einen Zusammenschluss.