Vegane Würstchen

Branche wird umgewälzt Megatrend "Gesunde Ernährung"

Stand: 26.04.2019, 16:14 Uhr

Kaum eine Industrie ist derzeit so im Wandel wie der Nahrungs- und Ernährungssektor. Verbraucher schwenken immer mehr um, die Agrarwirtschaft muss neue Wege in die Zukunft finden. Und auf Unternehmensseite läuft ein Verdrängungswettbewerb.

Die Veränderung ist schleichend, aber sie wird unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft in den kommenden Jahren stark verändern: Vegetarisch oder vegan ernähren sich inzwischen rund zehn Prozent der Deutschen. Zuckerhaltige Speisen oder Getränke finden immer weniger Zuspruch, Fleisch verliert zumindest in den Industrieländern an Zuspruch bei Verbrauchern. Dafür stehen Bioprodukte hoch im Kurs.

Eine Studie von Nestlé hat den Bewusstseinswandel dokumentiert. Danach können sich bereits jetzt mehr als die Hälfte der Bürger mit einer Vision der "ressourcenschonenden Ernährung in einer werteorientierten Gesellschaft" und mit "gemeinschaftlichem Essen als Erlebnis" anfreunden.

Algen und Insekten statt Fleisch

Mann isst Wakame-Algensalat mit Stäbchen

Wakame-Algensalat. | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendienst

Das Denken über Ernährung wird auch von faktischen Notwendigkeiten in unserer Welt beeinflusst. So müssen bis 2050 knapp zehn Milliarden Menschen mit ausreichend Proteinen versorgt werden. Der "klassische Weg" über die Fleischproduktion wird dies auch aus ökologischen Gründen nicht mehr leisten können. Algen oder Insekten als Eiweiß-Lieferanten kommen dann ins Spiel. Genauso wie künstlich erzeugtes Fleisch aus der Petrischale.

Insekten auf einem Markt in Bangkok

Insekten auf einem Markt in Bangkok. | Bildquelle: Imago

Die Umstrukturierung der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie hat begonnen und wird Milliarden an Euro bewegen. Derzeit werden in Deutschland bereits neun Prozent der landwirtschaftlichen Fläche bereits ökologisch beackert, Tendenz steigend. Auch wenn der Markt für Bio-Produkte etwa in Deutschland mit rund fünf Prozent noch in der Nische steckt, die jährlichen Steigerungsraten liegen hier zwischen fünf und zehn Prozent, 2017 knackten die Umsätze bereits die Zehn-Milliarden-Euro-Marke.

Aufkaufen und umdenken

Um Milliarden geht es auch für die Riesen-Konzerne aus der Nahrungsmittelbranche, die vor den größten Herausforderungen seit Jahrzehnten stehen. Beispielhaft etwa die schwache Geschäftsentwicklung des US-Giganten Kraft Heinz, der den Trendwechsel in der Bevölkerung verschlafen hatte. Nach miesen Quartalszahlen verlor die Aktie ein Viertel an Wert, um zwölf Milliarden Dollar ging der Unternehmenswert binnen weniger Stunden zurück. Einer der leidtragenden Investoren war dabei auch Star-Investor Warren Buffett, der danach einräumte: "Ich lag in mehrfacher Hinsicht falsch".

Die Giganten der Industrie versuchen nun fieberhaft umzusteuern. Etwa durch einen Produktschwenk auf zuckerarme Cola-Getränke und Mineralwässer, wie dies Coca-Cola tut, ein weiteres Langzeitinvestment von Buffett übrigens. Bei McDonald's hat kürzlich ein veganer Burger auf der Speisekarte Einzug gehalten. Eine zweite Strategie von Konzernen wie Danone, Unilever, Nestlé sind Übernahmen innovativer Produkte oder ganzer Unternehmen. Den Wassersprudel-Spezialisten Sodastream übernahm etwa Zuckerwasser-Hersteller PepsiCo im vergangenen Jahr für 3,2 Milliarden Dollar. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Internet-Gigant Amazon sich mit der US-Firma Whole Foods gleich eine ganze ökologisch orientierte Lebensmittelkette einverleibt. Kaufpreis: 14 Milliarden Dollar.

Healthy Food als Geldanlage

Neben den "Tankern" der Branche brausen derweil viele innovative Schnellboote im Markt für trendige Ernährung voran. Sie entwickeln Insektenpulver oder Fleischersatz wie Beyond Meat, das gerade seinen Börsengang in New York plant - angepeilter Unternehmenswert zum Start: 1,2 Milliarden Dollar. Aber auch mit bereits börsennotierten Unternehmen konnten Anleger in den vergangenen Jahren gut am neuen Ernährungstrend verdienen (siehe unsere Chartserie) .

AB

1/10

Bio-Aktien fürs Depot Chartserie

<strong>Emmi</strong><br/>Die Milch und die Marge macht's! Der größte milchverarbeitende Betrieb der Schweiz hat 2018 gute Geschäfte gemacht - dank der starken Nachfrage nach Caffé Latte, italienischen Desserts und Ziegenmilchprodukten. Der Milchverarbeiter setzt auf hochwertige Markenprodukte, bei denen er mehr Marge einheimsen kann. Zudem setzt er mit Ziegenmilchprodukten und veganen Milchalternativen auf zwei Wachstumsmärkte.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Emmi
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