Zwei Frauen und zwei Männer in einer Besprechung

Gründer in Geldnöten Start-ups in der Corona-Klemme

Stand: 07.04.2020, 09:04 Uhr

Die Corona-Pandemie entzieht auch dem "Ökosystem" der neuen, kreativen Unternehmen zunehmend den finanziellen Boden. Die Geldgeber fehlen wohl in Zukunft für viele Geschäftsideen, damit könnten viele Innovationen versanden.

Ob Elektroroller oder Banking-Apps, viele der neuen Ideen für das moderne Arbeiten und Leben kommen von jungen, kleinen Firmen mit pfiffigen Ideen, die so manchen Großkonzern alt aussehen lassen. Doch die Start-up-Gründer sind fast immer auf Kapital von Geldgebern angewiesen, die sich beteiligen, um später am Unternehmenserfolg zu partizipieren.

"Existenzielle Herausforderung"

Und damit sieht es derzeit ziemlich düster aus, die eine Studie der Wirtschaftsberatung EY ermittelt hat. Investoren dürften bei der Finanzierung junger Firmen genauer hinschauen und Einnahmen bei Gründern wegbrechen, heißt es in der Analyse. "2019 dürfte vorerst das letzte Rekordjahr für das europäische Start-up-Ökosystem gewesen sein", so Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung Deutschland. Die Pandemie werde zu deutlich weniger Investitionen und massiven Umsatzausfällen führen. Die Krise sei eine "existenzielle Herausforderung".

Start-ups schreiben in der Regel noch keine Gewinne und sind daher auf Kapital von Investoren angewiesen. Viele Gründer bringen Privatvermögen in die Firmen ein und haben nur wenige Rücklagen - was sie nun anfällig in der Krise macht. Die Mehrzahl der Start-ups se nur für einige Monate durchfinanziert, so EY-Partner Peter Lennartz am Dienstag.

London vor Berlin vor Paris

Im vergangenen Jahr hatten Start-ups in Deutschland und dem übrigen Europa Rekordgelder von Investoren erhalten und einige große Deals abgeschlossen. Die Investitionen von Fonds und Konzernen in Wachstumsfirmen kletterten um 46 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro. Start-ups aus Großbritannien bauten ihren Vorsprung aus auf 11,1 Milliarden Euro. Deutsche Start-ups bekamen 6,1 Milliarden Euro, 32 Prozent mehr als 2018; sie lagen vor solchen aus Frankreich (5,0 Milliarden Euro). Beim eingeworbenen Geld lagen Gründer aus London vorn gefolgt von Berlin, das Paris wieder knapp auf Platz drei verwies.

Wirkt der Rettungsschirm?

Nun ruhen die Hoffnungen vieler Gründer auf einem Zwei-Milliarden-Euro-Schutzschirm der Bundesregierung für Start-ups. Er soll Hilfen auch für junge Unternehmen bieten, die wegen ihrer Unternehmensgeschichte nicht die Bedingungen für KfW-Hilfen erfüllen. Zuvor hatten die FDP-Bundestagsfraktion und auch der Branchenverband Bitkom spezielle Hilfen für die Start-ups gefordert. Sie hätten in der Regel keine Rücklagen, viele hätten nicht den langen Atem, um die Krise ohne Unterstützung durchzustehen.

Rocket spürt die Krise

Auch die Startup-Schmiede Rocket Internet spürt die Krise bereits in der Bilanz: Im ersten Halbjahr 2019 noch einen Gewinn von 548 Millionen Euro ausgewiesen hatte, ist im Gesamtjahr nur noch ein Überschuss von 280 Millionen Euro übrig geblieben - bei einem Gesamtumsatz von rund 68 Millionen Euro. Laut Firmenchef Oliver Samwer sind die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Geschäftsjahr 2020 derzeit noch nicht konkret abschätzbar. Allerdings sei jetzt schon erkennbar, dass sie sich auf die Rocket-Beteiligungen negativ auswirken werden.

AB