Einkaufstag Black Friday

Nimmt Interesse am "Black Friday" ab? Sorge um verhaltene Kauflaune

Stand: 21.11.2018, 11:02 Uhr

Am Freitag läutet der "Black Friday" mal wieder das Weihnachtsgeschäft in den USA ein. Inzwischen hat sich der umsatzstärkste Tag des Jahres auch im deutschen Handel als feste Größe etabliert. Händler erwarten wieder hohe Einnahmen. Eine aktuelle Umfrage lässt allerdings aufhorchen.

Während die Deutschen traditionell erst am Samstag vor dem ersten Advent auf Jagd nach Weihnachtsgeschenken gehen, beginnt die Shopping-Saison in den USA bereits früher - am Freitag nach dem "Thanksgiving"-Feiertag. Um die Kauflust anzukurbeln, locken jedes Jahr zahlreiche Geschäfte mit Rabattaktionen, Sonderangeboten und weiteren Anreizen.

Das ist auch bitter nötig, wie eine Studie der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon, Kucher & Partners zeigt. Dabei wurden 1.000 Konsumenten in Deutschland zum "Black Friday" und "Cyber Monday" befragt.

Zwar sind den meisten der Befragten die Begriffe geläufig: 99 Prozent kennen den "Black Friday" und gut drei Viertel den "Cyber Monday". Doch trotz aller Bekanntheit ist 2018 allgemein das angekündigte Kaufinteresse für diese beiden Tage von 48 Prozent leicht auf 44 Prozent zurückgegangen.

Unterschiedliche Kaufanreize nötig

Besonders im Bereich Mode und Accessoires gaben nur noch 43 Prozent der Leute an, am "Black Friday" oder "Cyber Monday" nach attraktiven Angeboten in diesen Produktkategorien suchen zu wollen - das sind acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Statt besonders günstigen Angeboten schätzen die Kunden momentan eher das außergewöhnliche Shoppingerlebnis.

"Einige Modehändler haben sich auf dieses Kundenbedürfnis bereits eingestellt und bieten am Black Friday kleine Besonderheiten wie ein Glas Sekt, einen DJ, der Lounge-Musik im Laden spielt, oder andere exklusive Aktionen an", erklärt Nina Scharwenka, Partner im Bereich Consumer Goods & Retail bei Simon Kucher. "Ob und wie sehr Produkte günstiger sind, spielt für die Kunden dann eine weniger zentrale Rolle - sie kommen vor allem wegen des Einkaufserlebnisses. Das zeigt, wie wichtig der Einsatz von unterschiedlichen Kaufanreizen ist."

Auch der Preis weiterhin als Lockvogel

In der Kategorie Elektronikartikel sieht das noch anders aus: Dort legen die Kunden einen stärkeren Fokus auf den Preis. 67 Prozent der Befragten sind während des Black Fridays bei Handys, Laptops, TVs oder Kameras auf der Suche nach attraktiven Angeboten. Im Vergleich zu 2017 ist das eine Steigerung von sieben Prozent. "Bei Elektronikartikeln sind am Black Friday und Cyber Monday vor allem die Schnäppchenjäger unterwegs", so Scharwenka.

Denn mehr als die Hälfte der Befragten sagt, dass sie sich an diesen Tagen von Angeboten inspirieren lassen und spontan zuschlagen wollen, wenn ihnen etwas gefällt. Nur 38 Prozent suchen gezielt nach Produkten, die bereits auf ihrer Einkaufsliste stehen, aber die sie aufgrund des hohen Preises bislang noch nicht gekauft haben.

Kaufbudget höher

Freuen dürfte die Händler, dass sich trotz des reduzierten Kaufinteresses das Budget erhöht hat. 60 Prozent der Befragten planen, an diesen Tagen zwischen 100 und 500 Euro auszugeben. 2017 waren das noch 49 Prozent.

Das trifft besonders auf die Produktkategorien Mode und Accessoires zu. Dort steigt das eingeplante Budget im Vergleich zum Vorjahr von 55 auf 66 Prozent und von 50 auf 64 Prozent.

Einzelhändler erwarten Milliardeneinnahmen

Die deutschen Einzelhändler rechnen mit milliardenschweren Einnahmen. An beiden Tagen dürfte sich der Umsatz auf 2,4 Milliarden Euro summieren, erklärte der Branchenverband HDE am Montag. Das wären 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "Black Friday und Cyber Monday werden hierzulande immer populärer", sagte auch HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. "Das setzt einen wichtigen Umsatzimpuls im Weihnachtsgeschäft."

Der Online-Handel zieht am kommenden Montag mit dem "Cyber Monday" nach. "Beide Aktionstage haben sich über die letzten Jahre fest im Einkaufskalender der Schnäppchenjäger etabliert", sagte Genth. "Immer mehr Online-Händler und stationäre Läden bieten gezielt Aktionsware an."

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.430,00
Differenz relativ
-1,02%

Der weltgrößte Internethändler Amazon kommt inzwischen auf eine ganze Woche mit Rabattpreisen. Die deutschen Einzelhändler wollen im Weihnachtsgeschäft auch dank der beiden Aktionstage erstmals mehr als 100 Milliarden Euro umsetzen. Die gesamten Einnahmen dürften im November und Dezember zusammen um 2,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf 100,3 Milliarden Euro steigen, sagt der HDE voraus. Allerdings würden damit die Steigerungsraten der Vorjahre nicht wieder erreicht. 2017 hatte es ein Plus von 3,8 Prozent gegeben, 2016 sogar von 4,6 Prozent.

tb