FANG - Logo-Montage von Facebook, Amazon, Netflix, Google

Nach den Kursverlusten Sind FANG-Aktien noch einen Blick wert?

Stand: 31.10.2018, 14:50 Uhr

Die jüngste Kurskorrektur an den Aktienmärkten hat besonders die zuvor gut gelaufenen Techaktien getroffen. Facebook, Amazon & Co verloren zweistellig. Ist jetzt der Moment für Schnäppchenkäufe gekommen oder ist die Zeit für diese Aktien vorbei?

Bereits seit den Sommermonaten stellen sich viele Anleger die Frage, ob die Hoch-Zeit der amerikanischen Techaktien vorüber ist. Besonders im Visier stehen dabei die sogenannten FANG-Titel. Hinter dem Akronym verbergen sich die Internet- und Technologieunternehmen Facebook, Amazon, Netflix und Google. Später kam noch Apple dazu. Die Abkürzung wurde auf FAANG ausgedehnt. Die Namensänderung von Google zu Alphabet änderte nichts an dem populären Begriff.

Fakt ist, dass die Aktien dieser Gruppe nach Jahren zweistelliger Kursgewinne zuletzt eine ebenso zweistellige Korrektur erlitten haben. Allein in den letzten drei Monaten sind die Papiere von Facebook, Amazon, Alphabet und Netflix auf Dollarbasis um jeweils 15 Prozent gesunken. Und dieser Rückgang beschränkt sich nicht nur auf die FANG-Werte. Auch die Kurse anderer Techfirmen wie die des Chipherstellers Nvidia oder des chinesischen Online-Konzerns Tencent sind seit dem Sommer mächtig unter Druck geraten.

Ausnahme Apple

Einzige Ausnahme bildet der iPhone-Hersteller Apple, dessen Aktie im gleichen Zeitraum um sechs Prozent gestiegen ist. Allerdings hat Apple als einziger Konzern der Gruppe noch keine Quartalszahlen veröffentlicht. Die werden erst morgen Abend nach US-Börsenschluss präsentiert.

Anleger werden die Bilanz und den Ausblick des wertvollsten Unternehmens der Welt mit Argusaugen betrachten, dürften sie doch entscheidend sein für die weitere Richtung der FANG-Gruppe, wenn nicht des gesamten Technologiesektors.

Zu heiß gelaufen?

Sind die Techwerte also an einem Wendepunkt angelangt? "Einige von diesen Techaktien, darunter auch FANG-Werte, sind sicher zu heiß gelaufen", glaubt Tom Plumb, Manager von Plumb Equity Fund. Auch sei die derzeitige Korrektur eine Art Test, ob die Führungsrolle der Techwerte im US-Aktienmarkt gerechtfertigt war.

Visa und PayPal.

Experten haben beobachtet, dass einige Fondsgesellschaften während der Baisse der letzten Wochen ihre Bestände umgeschichtet haben, raus aus den Aktien der FANG-Gruppe, rein in die Zahlungsabwickler und Bezahldienstleister. Dazu zählen in erster Linie Firmen wie Visa, PayPal und American Express. Hierbei handelt es sich um Unternehmen mit regelmäßigen Einnahmen und hohen Wachstumsraten. Tatsächlich konnte etwa Visa im dritten Quartal Erlöse und Gewinne zweistellig steigern.

Bezahldienste werden attraktiver

Zwar waren auch diese Aktien vom Kurseinbruch der letzten Wochen betroffen, doch sind die Rückgänge deutlich geringer ausgefallen als die der FANG-Gruppe. So notieren Visa-Aktien heute nur vier Prozent unter dem Stand von Anfang August, Mastercard hat sieben Prozent verloren.

Diese Firmen verdienen am Boom des Onlinehandels und profitieren vom gleichzeitigen Rückgang der bargeldbasierten Transaktionen im Einzelhandel. Dass der gesamte Bereich der Online-Bezahldienste zunehmend in den Fokus von Großanlegern gerät, zeigt auch eine Entscheidung von Berkshire Hathaway, der Beteiligungsgesellschaft des legendären Investors Warren Buffett. Der hat sich im August mit 356 Millionen Dollar an der in Indien ansässigen Firma PayPM beteiligt. Sie ermöglichst auf einfachste Weise das Bezahlen mit dem Mobiltelefon.

Jim Cramer steht zu FANG

In China sind mobile Bezahldienste wie Alipay - ein Unternehmen der Alibaba-Gruppe- sowie WeChat Pay sehr populär. Mit letzterem Anbieter hat übrigens der deutsche Zahlungsabwickler und Dax-Aufsteiger Wirecard eine Partnerschaft abgeschlossen.

Jim Cramer in der Sendung

Jim Cramer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sind diese Bezahldienstanbieter also auf dem besten Weg, die neuen Lieblinge der Investoren zu werden? "Auf keinen Fall", meint der angesehene US-Finanzjournalist Jim Cramer. In seiner Sendung "Mad Money" auf dem Sender CNBC brach Cramer kürzlich eine Lanze für die FANG-Werte - und verwies dabei auf überraschende Argumente.

Keine Abhängigkeit von China

Der Vorteil der FANG-Firmen - mit Ausnahme von Apple - sei ihre geringe Abhängigkeit von China. Weder Facebook, noch Amazon, Netflix oder Google sind in dem Land präsent, weil verboten. Wie immer der Handelsstreit zwischen den USA und China also ausgehe, die vier Kernunternehmen der FANG-Gruppe werden davon nicht betroffen sein. Zudem demonstriere Präsident Trump immer wieder seine Entschlossenheit, der Expansion und dem verzerrten Wettbewerb chinesischer Techfirmen Einhalt zu gebieten.

Für die FANG-Aktien spreche zudem der Trend zu steigenden Zinsen. Wie jeder Investor wisse, bestehe ein Zusammenhang zwischen der Höhe der Zinsen und der Bewertung eines Unternehmens am Aktienmarkt. In Zeiten steigender Zinsen gehörten Aktien mit einem hohen KGV zu den Profiteuren dieser Entwicklung, sagt Cramer. Und dass die Zinsen in den USA weiter steigen werden, stehe so gut wie fest. Noch im Dezember dürfte es zu einem weiteren Schritt kommen. Und im nächsten Jahre plane die Fed drei zusätzliche Anhebungen.

Investoren sollten also die derzeit günstigen Bewertungen vieler Techaktien zum Einstieg nutzen, empfiehlt Cramer. Ob er diese Behauptung nach der Veröffentlichung der Apple-Quartalszahlen immer noch wiederholt, bleibt abzuwarten.

lg