Technologie-Symbol über einer Hand

Raus aus der Nische Sind das die neuen Tech-Stars?

Stand: 12.01.2018, 10:58 Uhr

Auf der CES in Las Vegas zeigt die Tech-Welt heute noch einmal, was sie drauf hat. Manch einer meint jedoch, der Branche sei längst heiß gelaufen. Doch unter den digitalen Trends gibt es noch interessante Nischen.

Vor einigen Jahren galt Virtual Reality noch als vielversprechende Revolution. Viele Unternehmen investierten, forschten und entwickelten. Mittlerweile halten einige VR und weitere Technologien für überbewertet. Aber gibt es denn noch heimliche Stars der Tech-Welt, die noch Potenzial versprechen?

Das hat der Venture-Kapitalgeber First Round Capital bei einer Umfrage unter 869 Gründern herauszufinden versucht. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie vor allem die Tech-Nischen Agrar, Medizin und Cyber-Security noch unterbewertet sehen. Dabei haben gerade diese Bereiche noch großes Potenzial: Ihre Technologien sollen die Gesellschaftsprobleme der Zukunft lösen.

Gemüse aus dem Hochhaus

Pflanzen unter speziellem LED-Licht

Vertical Farming. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Agrar-Tech soll die Landwirtschaft fit für die Stadt machen. Frische Produkte sollen so in Stadtzentren zu jeder Jahreszeit nachhaltig angebaut werden können. Unter anderem "Vertical Farming" und spezielle Bewässerungssysteme werden dabei als Zukunftstechnologien gesehen.

Der US-Gartenartikel-Hersteller Scotts Miracle-Gro und die inzwischen zu Amazon gehörige Biosupermarktkette Whole Foods investieren bereits seit Längerem in Vertical-Farming-Projekte. Sogar Amazon-Chef Jeff Bezos und der ehemalige Chef des Verwaltungsrats von Alphabet, Eric Schmidt, zeigten bereits Interesse: Sie versorgten das amerikanische AgTech-Start-up Plenty mit einer Finanzspritze.

Innovationen fürs Alter

Ebenfalls noch vollkommen unterbewertet sei die Medizintechnik, gerade im Bereich Life Science. Schließlich sind Deutschland und viele andere Industrieländer vom demografischen Wandel betroffen. Pharma- und Medizintechnikunternehmen profitieren von der alternden Gesellschaft. Unter anderem General Electric und Philips gehören zu den Spitzenreitern in der Medizintechnik. Siemens will noch vor Ostern sein Tochterunternehmen Healthineers an die Börse bringen.

Täglich grüßt der Hacker

Unter die Top drei schafft es auch der Bereich Cyber Security. Kein Wunder: Hacker-Attacken gab es in den vergangenen Jahren zuhauf. Im Cyber Security Report 2017 der Unternehmensberatung Deloitte berichteten 80 Prozent der befragten Unternehmen aus Deutschland von täglichen Cyber-Attacken. Und die kosten die Konzerne so einiges: Allein 2017 lag der wirtschaftliche Schaden bei durchschnittlich 11,7 Millionen Dollar pro Unternehmen, so das Ergebnis einer weltweiten Studie der Unternehmensberatung Accenture.

Cybersecurity

Cybersecurity. | Bildquelle: colourbox.de

Auch die Deutsche Bank glaubt aufgrund der zunehmenden Datenflut und globalen Vernetzung an das Potenzial von Cyber Security. Das Geschäftsfeld könnte für risikobereite Anleger interessant sein, so Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. Auch die weiteren digitalen Trends wie dem Internet der Dinge, Big Data, Cloud-Computing und E-Payment seien vielversprechend.

Alles nur ein Hype?

Keine großen Überraschung erwarten fast 65 Prozent der Befragten bei den Technologien mit Virtual Reality. Lange Zeit galt die virtuelle Welt als "the next big thing". Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg forscht dazu – die ersten VR-Features aus dem Hause Facebook lassen aber noch immer auf sich warten. Als Begründung gaben die Befragten an, dass einfach noch viel zu wenig Menschen die virtuellen ("Virtual Reality") und erweiterten ("Augmented Reality") Technologien nutzen.

Anders sieht es bei den sogenannten "Wearables", also tragbarer Technologie wie Smartwatches und Tracker aus. Sie werden zwar von mehr Menschen genutzt – der Durchbruch, den viele Unternehmen erwartet hatten, blieb aber aus. So brachte Google 2013 die "Google Glass" auf den Markt – doch die Hightech-Brille floppte. Schon 2015 wurde die Produktion eingestellt. Rund 63 Prozent der Unternehmer glauben daher, dass die Branche zu sehr gehypet wird.

Amazon Echo Lautsprecher

Amazon Echo. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Skeptisch sehen die befragten Gründer außerdem die Zukunft der Chatbots. Sie gibt es mittlerweile auf zahlreichen Webseiten. Auch Sprachassistenten sind bereits in einige Haushalte eingezogen. Dass sie in Zukunft mehr als nur die Einkaufsliste schreiben und das Wetter ansagen werden? Daran glauben 61 Prozent der Befragten eher nicht.

Die Zukunftstrends im Blick

Ob den aktuellen digitalen Trends tatsächlich durchschlagender Erfolg beschieden ist, wird sich zeigen. Schaden kann es aber sicherlich nicht, auch die Nischen-Technologien auf dem Schirm zu haben. Sie könnten neuen Schwung in die Tech-Rally bringen.

jz

1/6

Erfolg aus der Tech-Nische Chartserie

<b>Biogen</b><br />Der US-Biotechnologiekonzern arbeitet und forscht in den Bereichen Neurologie und hat sich dabei auf Multiple Sklerose, Immunologie und Hämatologie spezialisiert. Nach dem Rekordhoch 2015 ging es bei der Aktie zunächst ständig auf und ab. Zuletzt verzeichnete der Kurs jedoch einen Gewinn von 16 Prozent in den letzten sechs Monaten. : Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Biogen
Der US-Biotechnologiekonzern arbeitet und forscht in den Bereichen Neurologie und hat sich dabei auf Multiple Sklerose, Immunologie und Hämatologie spezialisiert. Nach dem Rekordhoch 2015 ging es bei der Aktie zunächst ständig auf und ab. Zuletzt verzeichnete der Kurs jedoch einen Gewinn von 16 Prozent in den letzten sechs Monaten.