Frankfurter Banken-Skyline

Nach Jahren des Niedergangs Sind Bank-Aktien wieder einen Blick wert?

von Lothar Gries

Stand: 04.12.2019, 11:43 Uhr

Glaubt man den Beratern von BearingPoint, leiden die europäischen Banken nach wie vor unter viel zu hohen Kosten und einer schwachen Rendite. Besonders betroffen sind die deutschen Häuser. Dennoch raten die ersten Vermögensverwalter zu einem gezielten Einstieg.

So verkünden in diesen Tagen die Asset Manager von Lingohr & Partner: "Wir investieren breit gestreut in die größten Banken Europas." Besonders aussichtsreiche Chancen hätten "stark kapitalisierte nationale Champions" mit einem Marktwert von über 20 Milliarden Euro.

Dazu gehören in erster Linie Häuser wie der französische Platzhirsch BNP Paribas, dessen Marktwert auf knapp 62 Milliarden Euro gestiegen ist. Auch die holländische ING, die beiden Schweizer Banken UBS und CS, ja selbst die krisengeschüttelte italienische Bank UniCredit weisen eine Kapitalisierung von weit über 20 Milliarden Euro auf.

Deutsche Banken unterrepräsentiert

Nur die beiden heimischen Institute, Deutsche Bank und Commerzbank, bleiben im Portfolio von Lingohr & Partner unterrepräsentiert, ist ihr Marktwert in diesem Jahr doch weiter gefallen, auf respektive 13 Milliarden und 6,4 Milliarden Euro.

Überraschend ist das nicht, denn die deutschen Banken hinken auch bei der Eigenkapitalrendite ihren europäischen Konkurrenten hinterher. Während sich europaweit die Eigenkapitalrendite von vier Prozent im Jahr 2012 auf zuletzt zwölf Prozent verbessert hat, dümpelte sie bei der Deutschen Bank in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei bescheidenen 1,1 Prozent vor sich hin. Die Commerzbank schnitt mit vier Prozent zwar besser ab, ist aber ebenfalls weit davon entfernt, ihre Kapitalkosten zu verdienen.

Selbst die hierzulande als fragil eingestufte Mailänder HVB-Mutter UniCredit schnitt in den ersten neun Monaten besser ab als die deutschen Institute, mit einer Eigenkapitalrendite von 8,7 Prozent.

Wert der Banken ist gestiegen

Insgesamt seien die europäischen Banken heute aber deutlich werthaltiger als in der Finanz- und Eurokrise, betonen die Experten von Lingohr & Partner. Damals habe man sich vor einem Zusammenbruch des gesamten Bankensystems (Lehman Krise) und der Eurozone gefürchtet. Davon sei Europa aktuell weit entfernt. "Die Wirtschaft wächst nach wie vor, die Arbeitslosenquote befindet sich auf historisch niedrigem Niveau und die Kreditvergabe zieht seit 2014 kontinuierlich an. Die Banken haben sich angepasst. Investoren müssen diesen Schritt aber noch nachvollziehen."

Tatsächlich haben einige europäische Banken in diesem Jahr ihren Wert wieder gesteigert, allen voran die beiden französischen Institute BNP Paribas und Société Générale. Auch die Aktien der Credit Suisse und der UniCredit haben zugelegt.

Ob die Entscheidung der Assetmanager, gegen den allgemeinen Trend und gegen den "Marktlärm" jetzt in Bankaktien zu investieren, richtig war, bleibt abzuwarten. Jüngste Studien und Warnungen aus den Bankhäusern selbst sprechen eher dagegen.

Deprimierende Studie von BearingPoint

So haben die Berater von BearingPoint jüngst eine Studie zum europäischen Bankenmarkt mit deprimierenden Ergebnissen veröffentlicht. Danach leiden die Kreditinstitute nach wie vor unter zu hohen Kosten. Mehr als die Hälfte der 130 untersuchten Häuser wiesen eine Cost-Income-Ratio von über 55 Prozent auf.

Gleichzeitig ist die Eigenkapitalquote wieder gesunken. Dabei habe sich die Konjunktur abgekühlt, was einen Wiederanstieg der Risikovorsorge für faule Kredite nötig machen dürfte. Darunter werde dann das Ergebnis leiden.

Steigt die Risikovorsorge wieder?

Tatsächlich haben die Banken in den vergangenen Jahren einen Großteil ihrer Risikovorsorge abgebaut, um ihr Ergebnis zu verbessern. Ob sich die Kreditqualität im gleichen Maße verbessert hat, weiß niemand.

Hart getroffen wurden die Geldhäuser in diesem Jahr auch von der Kehrtwende der Europäischen Zentralbank: Statt ihre Geldpolitik zu normalisieren, hat die EZB die Strafzinsen für Übernachtdepots der Banken verschärft und den Leitzins auf absehbare Zeit auf Null belassen. Diese Politik beschert den Kreditinstituten weitere Kosten und herbe Einnahmeverluste im Zinsgeschäft.

Als sei der Druck noch nicht groß genug, müssen sich die Banken auch eines zunehmenden Wettbewerbs erwehren. "Fintechs, BigTechs und Digitalbanken drängen mit klarem Produktfokus und hochskalierten Prozessen in den Markt und sorgen neben einem steigenden Innovationsdruck auch für einen höheren Transparenzgrad", heißt es in der Studie von BearingPoint.

Verschärfter Sparkurs

Die Banken reagieren darauf mit einer Verschärfung ihrer Sparprogramme. Bis 2020 strebt etwa die BNP nun Einsparungen von 3,3 Milliarden Euro an - 600 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Trotzdem wird die Bank ihre ursprünglichen Mittelfristziele nicht erreichen. Für 2020 erwartet sie nun eine Eigenkapitalrendite von 9,5 Prozent, nachdem sie bisher mehr als zehn Prozent Rendite in Aussicht gestellt hatte.

Jean-Pierre Mustier Unicredit

Jean-Pierre Mustier Unicredit. | Bildquelle: Imago

Auch die UniCredit kündigte jüngst einen weiteren Sparkurs an. Bis 2023 sollen rund 8.000 Stellen gestrichen werden. Dabei stehen auch hierzulande wieder einmal viele Stellen auf der Kippe. Zudem sollen weitere 500 Filialen geschlossen werden. Damit will sich Bank auf die raueren Marktbedingungen in der Eurozone vorbereiten.

Dabei galt die Bank seit dem ersten Sparprogramm aus dem Jahr 2016 als saniert. Die Pläne von BNP und UniCredit zeigen, dass die Branche noch immer mitten im Umbruch steckt. Besonders steinig dürfte dabei der Weg für die deutschen Banken bleiben, haben sie doch auf dem heimischen Markt nicht nur mit der abgekühlten Konjunktur und dem Konkurrenzdruck der Fintechs zu kämpfen, sondern müssen sich auch gegen die öffentlich-rechtlich dominierten Sparkassen sowie Volksbanken behaupten.

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