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RWE und Eon schließen Innogy-Deal ab Schöne neue Versorgerwelt?

Stand: 04.03.2020, 06:45 Uhr

Die Neuausrichtung der Energieriesen RWE und Eon wird heute auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der RWE-Tochter Innogy besiegelt. Die Großkonzerne haben sich grundlegend neu aufgestellt, um profitabler zu werden. Mit Folgen für die Verbraucher in Deutschland.

Die Hauptversammlung von Innogy in Essen wird heute die Aufteilung des Versorgers unter den Mutterkonzernen RWE und Eon gewissermaßen besiegeln. Die restlichen Aktionäre sollen durch einen "Squeeze-out" aus dem Aktionärskreis herausgedrängt werden. Sie sollen eine Barabfindung in Höhe von 42,82 Euro erhalten. Die Höhe dieser Abfindung wurde bereits im Januar auf der Basis des vergangenen Aktienkurses von Innogy festgelegt.

Innogy als Zwischenlager

Danach werden RWE und Eon endgültig die Herrschaft über Innogy ausüben. Ein Unternehmen, das in der bestehenden Form erst 2016 als Tochter von RWE ins Leben gerufen wurde. RWE hatte in Innogy seine Sparten Erneuerbare, Netze und Vertrieb gebündelt und ausgelagert. Bereits 2018 wurde das Schicksal von Innogy als eigenständiges Unternehmen aber faktisch wieder besiegelt.

Im März 2018 wurde der mehrheitliche Verkauf der Innogy-Anteile an Eon bekanntgegeben. Im Gegenzug erhielt RWE eine Beteiligung von 16,7 Prozent am Konkurrenten. Mit der Transaktion haben RWE und Eon ihre eigenen Konzerne neu ausgerichtet. Aber durch die Aufteilung der wichtigsten Geschäftsaktivitäten gehen sich die beiden Platzhirsche im deutschen Energiemarkt seit zwei Jahren praktisch aus dem Weg.

Netze hier, erneuerbare Energien da

Stromnetz

Eon beherrscht die Netze, RWE die Erzeugung. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die nun komplett vollzogene Aufteilung von Innogy lässt die neue Struktur so aussehen: Bei Eon liegt die Herrschaft über die Netze und das Endkundengeschäft von Innogy. Der Konzern ist damit auf den Transport von Strom und Gas sowie den Verkauf von Energie und Dienstleistungen spezialisiert. RWE dagegen konzentriert sich inzwischen auf die erneuerbaren Energien und hat die entsprechenden Geschäftsteile von Innogy, aber auch die entsprechende Sparte von Eon erhalten. Vom Braunkohle-Verstromer wird das Unternehmen schrittweise zum Ökostrom-Anbieter. Pro Jahr will RWE rund 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau seines Geschäfts mit erneuerbarer Energie und Energiespeichern investieren. Die meisten der rund 40.000 Innogy-Mitarbeiter werden zu Eon übergehen. Bis zu 5.000 Jobs sollen insgesamt abgebaut werden.

Das ursprüngliche Geschäftsmodell der beiden Versorger, bei dem die komplette Wertschöpfung von der Energieerzeugung über den Transport und Verkauf an die Endkunden in einer unternehmerischen Hand lag, ist damit erledigt. Beide Konzerne wollen sich mit der neuen Struktur fitter für den Wettbewerb in Deutschland und Europa machen. Das Manöver scheint geschäftlich gelungen. Das zeigen steigende Ergebnisse und Geschäftsaussichten, die beide Konzerne in den vergangenen Wochen melden konnten. Auch die Aktien von RWE und Eon haben in den vergangenen Monaten gut performt. Besonders die RWE-Aktie hat den Dax zuletzt deutlich hinter sich gelassen.

Eon dominiert den Stromkunden...

Dafür haben sich RWE und Eon in ihren neuen Kernbereichen eine gehörige Marktmacht verschafft. Eon ist mit nun rund 14 Millionen Kunden mit Abstand größter Stromversorger und Deutschland. Europaweit kommt das Unternehmen sogar auf mehr als 50 Millionen Kunden, die mit Strom und Gas versorgt werden. Zwar hatte die Übernahme von Innogy Auflagen durch die EU-Wettbewerbsbehörde zur Folge. Die werden aber unter anderem von Verbraucherschützern als zu weich getadelt. Weder musste Eon sein Discount-Geschäft etwa mit der Tochter E-wie-Einfach verkaufen, noch seine Beteiligungen an Stadtwerken und Regionalanbietern, klagen sie. Eon musste im Zuge der Neuordnung lediglich die meisten seiner Heizstromkunden und Ladestationen für Elektroautos an deutschen Autobahnen abgeben.

Eon wird seine größere Marktmacht im Endkundenbereich wohl in diesem Frühjahr erstmals durch deftige Strompreiserhöhungen ausnutzen. Laut dem Verbraucherportal Verivox sollen die Preise einiger Eon-Regionalgesellschaften um bis zu zwölf Prozent angehoben werden. Die Aufschläge fallen danach in den März, weil Eon Kunden nicht durch Preissteigerungen zum Jahresbeginn verlieren wolle.

... RWE die Energieerzeugung

RWE-Elektrostomtankstelle in Zagreb, Kroatien

RWE-Elektrostomtankstelle in Zagreb, Kroatien. | Bildquelle: Imago

Auch RWE kann in der neuen Rolle als wachsender Ökostromanbieter auf Expansionskurs gehen. Von den rund 100 Gigawatt erneuerbarer Energien in Deutschland verfügt RWE eigenen Angaben zufolge bislang nur über ein Gigawatt. Doch die geplanten Milliardeninvestitionen werden das schon bald ändern. Und bei der Energieerzeugung ist der Konzern nun ohne die Konkurrenz von Eon deutlich besser aufgestellt. Das Bundeskartellamt hat dem Versorger eine "herausragende Position" in diesem Bereich attestiert. "RWE ist derzeit zwar nicht marktbeherrschend, steht aber vergleichsweise nahe an der Beherrschungsschwelle", erklärte kürzlich etwa Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Ob langfristig die Einschätzung von Gero Lücking vom Ökostromanbieter Lichtblick zur neuen Versorgerwelt zutrifft, wird sich wohl in den kommenden Jahren erst zeigen. Kurz nach der Verkündung des Tauschdeals zwischen Eon und RWE mit Innogy im September 2019 hatte der Manager gesagt: "Wettbewerb und Innovation werden auf der Strecke bleiben... Eine solche Machtkonzentration hat es im deutschen Energiemarkt noch nie gegeben."

AB