Montage mit JP Morgan- und Fargo Wells-Schriftzügen

Weitere Kursgewinne erwartet Schöne heile Bankenwelt - in den USA

Stand: 12.01.2018, 15:12 Uhr

Mit Aktien amerikanischer Banken ließen sich im letzten Jahr zweistellige Kursgewinne erzielen. Selbst die Titel der von Skandalen geschüttelten Well Fargo legten um zehn Prozent zu. Warum sich der gute Lauf in diesem Jahr fortsetzen könnte.

Tatsächlich ist das Umfeld für Banken in den USA so günstig wie lange nicht: gute Konjunktur, steigende Zinsen – das hören Goldman Sachs & Co. doch gerne. Dabei wurden bereits im vergangenen Jahr alle Erwartungen übertroffen. Die Aktie der größten amerikanischen Bank, JPMorgan, schaffte ein Plus von 24 Prozent. Bei der Citigroup ging es 25 um Prozent in die Höhe. Die Papiere der Bank of America legten um stolze 33 Prozent zu.

Dass auch das laufende Jahr ein gutes Jahr für die Banken werden könnte, erklärt sich mit Blick auf die amerikanische Wirtschaft. Die ist in den letzten beiden Quartalen um über drei Prozent gewachsen. Als Zugpferd erweist sich vor allem das Dienstleistungsgewerbe, das 70 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. Der wichtige ISM-Konjunkturindex für das Dienstleistungsgewerbe ist zuletzt auf den höchsten Stan seit August 2005 geklettert.

Konsumkredite dürften steigen

Gleichzeitig sind die Ausgaben für langlebige Güter wie Autos oder Maschinen im November den vierten Monat in Folge gestiegen, auf zuletzt etwas über drei Milliarden Dollar. Der Anstieg zeige die robuste Verfassung der amerikanischen Konjunktur und deute darauf hin, dass der Aufschwung auch in diesem Jahr weitergehe, so die meisten Ökonomen.

Von dieser Entwicklung dürften in erster Linie die Banken profitieren. Neben einem wachsenden Firmenkundengeschäft erwarten viele Analysten Beschleunigung in den konsumnahen Sparten mit Kreditkarten oder Autokrediten. Ein Bereich, in dem allein JPMorgan im vierten Quartal des letzten Jahres einen Gewinn von 2,6 Milliarden Dollar erzielte, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Steuerreform: Erst Belastung, dann Entlastung

Für die amerikanischen Banken wird natürlich auch die kurz vor Weihnachten beschlossene Steuerreform von Präsident Trump große Bedeutung einnehmen. Danach sinkt die Körperschaftssteuer von 35 Prozent auf 21 Prozent. Zudem können im Ausland erwirtschaftete und dort zunächst untergebrachte Gewinne zu recht günstigen Bedingungen in die USA zurückgeführt werden.

Allerdings kommt es zunächst zu Einmalbelastungen wegen der Steuerreform. Hart trifft es ausgerechnet jene Institute, die in der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise massive Verluste anhäuften wie die Citigroup oder die Bank of America. Denn diese haben sogenannte Verlustvorträge in ihren Büchern stehen, mit denen sie künftige Steuern senken können. Angesichts der niedrigeren Steuerquote sind diese Verlustvorträge nun aber weniger wert - und Abschreibungen werden fällig.

Vorsicht Euro-Stärke

Dagegen dürften die erwarteten Zinsschritte der amerikanischen Notenbank die Geschäftsentwicklung der Banken kaum beeinflussen. Vielmehr wird erwartet, dass die Geldhäuser wegen der guten Wirtschaftslage und der auf vier Prozent gesunkenen Arbeitslosigkeit mehr Kredite vergeben werden als zuvor. Auch sollten sich die Spareinlagen weiter erhöhen. Alles in allem erwarten die meisten Analysten ein glänzendes Jahr, das es den Banken erlauben werde, ihre Dividenden zu erhöhen und weitere - in den USA populäre - Aktienrückkaufprogramme aufzulegen.

Für Anleger aus Europa bleibt allerdings ein B-Moll: Der starke Euro hat die Gewinne von Anlagen aus dem Dollarraum bereits im vergangenen Jahr um 15 Prozent belastet. Sollte der Euro weiter aufwerten, verlieren Anlagen in den USA weiter an Reiz.

lg