Nike Mag im Remake

Smart Sneakers Schlauer laufen mit dem Sneaker der Zukunft

Stand: 13.03.2019, 06:45 Uhr

Uhren und Telefone sind bereits smart, jetzt werden auch unsere Schuhe schlau. Diverse Hersteller entwickeln „Smart Sneakers“, die mehr können als nur bequem sein.

Wie lange die Menschen schon vom schlauen Schuh träumen, ist unbekannt. Bekannt ist aber, dass der Sportartikelhersteller Adidas im Jahr 1984 einen Schritt in diese Richtung wagte. Ein Laufschuh namens „Micropacer“ zählte Schritte und Kalorien, die Ergebnisse waren auf einem kleinen Display an der Lasche nachzulesen. Zwei Jahre später erschien ein Modell des Konkurrenten Puma, dessen Daten sogar zwecks Auswertung auf einen Computer übertragbar waren.

Und im Jahr 1989 stellte die Traumfabrik Hollywood im Film „Zurück in die Zukunft II“ ein fiktives Nike-Modell namens Nike Mag vor, das Hauptdarsteller Michael J. Fox alias Marty McFly nicht einmal selbst schnüren musste. Was einst Zukunftsmusik war, ist heute Gegenwart.           

Nike Mag imFilm

Nike Mag im Film "Zurück in die Zukunft II". | Bildquelle: Unternehmen

Nike, mein Schuh und ich im Dialog

In diesem Jahr macht der Basketball-Schuh Nike Adapt BB von sich reden. Der laufende Computer kann sich selbst binden und soll so für eine optimale Passform sorgen, verspricht die Werbung. Als Smart Sneaker klebt er, und mit ihm der Kunde, auch immer am Netz – also an Nike. Geboten wird personalisiertes Training und Beratung in Echtzeit.

Michael Donaghu, Vice President of Innovation bei Nike, erzählt, wie er sich das Konzept der Smart Sneakers vorstellt: Es solle eine Art Kreislauf sein, die erstellten Daten über die Aktivitäten würden von Nike für persönliche Beratung genutzt. „Und wenn ihre Leistung sich verbessert, können wir sie an neue Produkte und Dienste anbinden, damit sie ihre neuen Zeile erreichen können. Und der Kreislauf geht weiter.“ Regelmäßige Updates sind Teil des Pakets. Man bekomme eine „einzigartige Konversation zwischen sich, Nike und den Schuhen geboten“, findet Donaghu. Welche Daten man teile, könne man selber bestimmen.   

Moderne Kundenbindung

Datenschützer warnen schon lange vor den Gefahren der ungebremsten Datensammelwut durch Fitnesstracker und Fitness-Apps. Sie beklagen die mangelnde Transparenz dieser Anwendungen - bislang mit eher mäßigem Erfolg, da für den Nutzer der schnelle Komfort und die aktuellen Vorteile die eventuellen späteren Nachteile zu überwiegen scheinen.         

Mit einem „Smart Sneaker“ lassen sich Hobbysportler auf jeden Fall bestens an das Unternehmen binden. Mit der Entscheidung, den Laufschuh zu wechseln, muss man sich darauf einstellen, auch eine komplette Infrastruktur zu wechseln. Und was tun, wenn alle Lauffreunde, mit denen man die „Leistungsdaten“ vergleichen möchte, bei Nike bleiben? Keine leichte Entscheidung.

Updates: Das Produkt reift hoffentlich am Kunden

Wer sich den Puma Fi (Fit Intelligence) zulegt, muss ebenfalls nie mehr selbst Schuhe schnüren. Das Modell soll im Jahr 2020 auf den Markt kommen, per App kann man den Puma Fi steuern und die Passform individuell bestimmen. Das Bücken gehört also auch für Puma-Kunden wohl bald der Vergangenheit an.      

Adidas versucht die Läufer mit dem Modell Alphaedge 4D einzufangen. Auch dieser Schuh steckt zwar voller Technologie, schnüren muss man ihn aber noch selbst. Mithilfe eines 3D-Druckverfahrens wird die Zwischensohle für jeden Träger individuell angepasst.      

Puma Fi

Puma Fi. | Bildquelle: Unternehmen

Je smarter der Schuh, desto hilfloser mag sich der Kunde gelegentlich vorkommen, wenn mal nicht alles so funktioniert, wie es das Marketing verspricht. Medienberichten zufolge soll es bei einem Update der Software des Adapt BB über die Android-App bereits in der ersten Woche vereinzelt zu Problemen gekommen sein. Unter anderem ließ sich der linke Schuh nicht mit dem Smartphone verbinden. Ein Nike-Sprecher ermutigte die Betroffenen, sich an den Kundenservice zu wenden.       

Manch einer wird sich in der Telefonschleife hängend wehmütig an die über Jahrhunderte erprobte Kulturtechnik erinnern, mit der man als Kind vertraut gemacht wurde. Wer sie einmal erlernt hatte, konnte sie zuverlässig auf alle Modelle mit Schnürsenkeln anwenden, ohne sich jemals über Akkus oder Updates Gedanken machen zu müssen.

ts

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So sehen smarte Sneakers aus Laufen muss man selbst

Nike Mag

Nike Mag:
Diesen Selbstbinder trug die Filmfigur Marty McFly im Film "Zurück in die Zukunft II". Natürlich war er nur eine Requisite. 2011 erschien eine limitierte Edition des Schuhs.