RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem bei Bergheim
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Wenn die Grünen mitregieren Rote Karte für Versorger?

Stand: 25.09.2017, 14:40 Uhr

Vor allem für den Energieversorger RWE ist der Tag nach der Bundestagswahl ziemlich teuer. Eon verbucht ebenfalls Verluste. Wie sieht es mit anderen Branchen aus?

Die Aktienmärkte reagieren insgesamt gelassen auf das Ergebnis der Bundestagswahl und die Möglichkeit einer sogenannten Jamaika-Koalition. Zumindest für die Aktien der Versorger ist das heute aber nicht ganz zutreffend.

In einem freundlichen Markt brechen die Titel von RWE um mehr als vier Prozent ein. Auch Eon und Uniper verbuchen Verluste. Analyst Peter Bisztyga von der Investmentbank Merrill Lynch verwies insbesondere auf deutliche Risiken für RWE, sollten die Pläne der Grünen etwa in Sachen Schließung von Kohlekraftwerken und CO2-Mindestpreis im Emissionshandel realisiert werden.

Die Grünen und die Umwelt

RWE Braunkohle-Kraftwerk Neurath

RWE Braunkohle-Kraftwerk Neurath. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Experten von Kepler Cheuvreux bezeichneten die nach den massiven Verlusten der bisherigen großen Koalition nun wahrscheinliche Regierung aus CDU/CSU, der FDP und den Grünen als "schlimmsten Fall" für die deutschen Versorger. Die Grünen würden sich in den Koalitionsverhandlungen auf die Themen Umwelt und Energie konzentrieren und seien dabei in einer starken Position, hieß es. Bei Braunkohle und Atomausstieg drohe somit neuer Gegenwind.

Auch Alberto Gandolfi von Goldman Sachs hatte bereits vor der Wahl aus Sicht der Versorger vor einer Regierungsbeteiligung der Grünen gewarnt. Eine ihrer zentralen Forderungen war im Wahlkampf der Ausstieg aus der Braunkohle direkt nach der Wahl. Deutlich freundlicher verläuft der Tag bislang dagegen für Nordex-Aktien, die den TecDax mit Abstand anführen.

Rückwärtsgang für Rüstungsaktien?

Leopard-Panzer von Rheinmetall

Leopard-Panzer von Rheinmetall. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Zu den Tagesverlierern gehört auch die Aktie von Rheinmetall, die im MDax zu den schwächsten Werten zählt. Analyst Sven Weier von der Schweizer Großbank UBS hatte bereits am Morgen auf eine mögliche Kursschwäche verwiesen infolge der möglichen Regierungsbeteiligung der Grünen und deren Einstellung zu Rüstungsausgaben. Dabei will der Konzern künftig neben Kanonen für Kampfpanzer und Kolben für die Autoindustrie auch Elektromotoren für E-Bikes herstellen, wie heute bekannt wurde.

Weier verwies aber auch auf die andere Haltung von CDU und FDP zu diesem Thema und stellte zudem auf den Nachholbedarf bei Verteidigungsausgaben ab. Daher dürfte eine Kursschwäche eine Kaufgelegenheit eröffnen, so Weier.

Die Aktien von Airbus, ein Unternehmen, das ebenfalls in der Rüstungsbranche Milliarden verdient und zu den größten Rüstungskonzernen der Welt zählt, gehört dagegen heute zu den Kursgewinnern.   

Die FDP und die Immobilienbranche

Immobilienaktien gehören heute tendenziell zu den Gewinnern. Ob die Anleger angesichts des FDP-Erfolgs auf die Abschaffung der Mietpreisbremse spekulieren?  

Skeptischer Blick von Angela Merkel in Richtung Christian Lindner und Martin Schulz

Merkel und Lindner nach der Wahl. | Bildquelle: picture alliance / Photosho

Kathleen Brooks vom Handelshaus City Index hat sich mit dem Erfolg der FDP befasst: "Insgesamt gehen wir davon aus, dass das Ergebnis der Wahl in Deutschland gut ist für den Dax. Wir glauben, dass die FDP für Steuererleichterungen bei der Unternehmenssteuer eintreten wird. Das würde einen breiten Effekt auf alle Dax-Branchen haben."

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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ARD-Börse: Börsenreaktionen zur Bundestagswahl

Anleger sollten aber nicht vergessen, dass es sich lediglich um Momentaufnahmen handelt. Wie die künftige Bundesregierung und vor allem das Regierungsprogramm im Detail aussieht, darüber kann derzeit lediglich spekuliert werden. Wenn sich vier Parteien auf ein Programm verständigen müssen, wird bei einem Kompromiss von Maximal-Forderungen - welcher Art auch immer - nicht viel übrig bleiben.

ts