Mitarbeiterin in wiedereröffnetem TUI-Reisebüro

Lockerungen in Sicht Reiseaktien in Urlaubsstimmung

Stand: 26.05.2020, 11:06 Uhr

Gerade rechtzeitig vor Beginn der Sommer-Reisesaison scheint das Touristikjahr für die Branche doch noch besser zu verlaufen als lange gedacht. Die Aufhebung der Reisewarnung, zumindest für Europa, scheint bevorzustehen.

Ein Entwurf für ein Eckpunktepapier mit dem Titel "Kriterien zur Ermöglichung des innereuropäischen Tourismus" soll möglicherweise bereits am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Morgen berichtete.

Anja Kohl
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Aktien im Reisefieber

Reisen wird danach zunächst im Wesentlichen bereits ab dem 15. Juni auf europäischer Ebene wieder möglich sein. 31 europäische Staaten könnten dann wieder bereist werden, "wenn die Entwicklung der Corona-Pandemie es zulässt", so dpa aus dem Papier. Neben den 26 Partnerländern Deutschlands in der Europäischen Union gehören dazu das aus der EU ausgetretene Großbritannien und die vier Staaten des grenzkontrollfreien Schengenraums, die nicht Mitglied in der EU sind: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.

Tui hofft auf die Feriensaison

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Auf dem Börsenparkett haben die Berichte bereits deutliche Kursreaktionen ausgelöst. Der entsprechende Branchenindex sprang um 6,5 Prozent nach oben. Größter Profiteur waren am Vormittag Papiere des weltgrößten Reisekonzerns Tui: Sie legten um mehr als 20 Prozent zu. Tui-Chef Fritz Joussen hatte bereits vor wenigen Tagen angekündigt, bis Ende Juni pünktlich zur Feriensaison wieder nach Mallorca und anderen Lieblingszielen der Deutschen in Europa fliegen zu wollen. Die Hotelsaison soll dort spätestens am 1. Juli starten. Tui hat gleichzeitig einen Rettungsschirm für Reisebüros gefordert.

Auch Papiere des Flughafen-Betreibers Fraport legen am Mittwoch um fast acht Prozent zu. Das Unternehmen dürfte sich auf einen sprunghaften Anstieg der Fluggastzahlen in wenigen Wochen einstellen können. In den vergangenen Wochen hatte das Passagiergeschäft erneut Einbrüche um rund 95 Prozent zu verkraften. Auch der Frachtverkehr war prozentual zweistellig rückläufig. Fraport geht allerdings davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die Fluggastzahlen von 2019 wieder erreicht werden.

Lufthansa-Aktie schon wieder zu heiß gelaufen?

Doppelten Grund zur Freude haben am Mittwoch Lufthansa-Aktionäre. Einerseits ist der Einstieg des Staates nun endgültig in trockenen Tüchern. Zum anderen wird die Airline mit der Aufhebung der Reisewarnungen innereuropäisch wieder viele Ziele anfliegen. Das Unternehmen hatte bereits umfangreiche Hygiene-Maßnahmen dafür angekündigt. Die Aktie legt ebenfalls knapp fünf Prozent zu. Dennoch dürfte die Lufthansa vor einem Abbau vieler Jobs stehen. Analysten wie die von der Deutschen Bank haben den Titel denn auch weiterhin zum Verkauf empfohlen, Kursziel: 5,70 Euro.

Mit den Lufthansa-Aktien legen auch die Anteilsscheine der Konkurrenten klar zu. Die Papiere von Air France-KLM gewinnen sechs Prozent, die von Ryanair rücken um neun Prozent vor und Easyjet-Titel um elf Prozent.

Sixt-Aktie mit Mehrfach-Schub

Papiere des Autovermieters Sixt im Nebenwerteindex SDax legen eher moderat um zwei Prozent zu. Die Titel hatten allerdings bereits am Vortag von der Insolvenz des US-Konkurrenten Hertz profitiert. Ob und wann der Konzern aber wieder so gut ins Geschäft kommt, dass die roten Zahlen aus dem ersten Quartal wieder ausgeglichen sind, steht auch hier noch nicht fest. Die anstehende kleinere Reisewelle in Europa dürfte die Vermieterlöse aber wieder anschieben.

Es wird wieder (online) gebucht

Nicht zuletzt sind auch die Aktien der Buchungsportale am Mittwoch gefragt. Marktführer in Deutschland ist hier Booking.com, dessen Anteilsscheine um gut zwei Prozent steigen. Auch die Papiere von Expedia und dem Hotel-Vergleichsportal Trivago gewinnen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 11:45 Uhr Reise-Aktien gefragt

Ob der Börsengang des Appartement-Vermittlers Airbnb nun doch noch steigen kann, ist ungewiss. Airbnb hatte sich im April über eine strategische Investition der Beteiligungsgesellschaften Silver Lake und Sixth Street Partners frische Mittel im Volumen Wert von einer Milliarde Dollar besorgt. Auch der Online-Plattform war ein Großteil des Geschäfts weggebrochen.

AB