Qualcomm

Angebot für NXP angehoben Qualcomm bringt Chipbranche in Wallung

Stand: 21.02.2018, 14:29 Uhr

Der Chipkonzern Qualcomm will die Übernahme des Halbleiter-Spezialisten NXP mit einem nachgebesserten Angebot doch noch zum Erfolg bringen. Das sorgt für Konsolidierungsfantasie in dem Sektor.

Um die NXP-Aktionäre zu überzeugen, hat Qualcomm sein Gebot noch einmal von 110 Dollar je Aktie auf jetzt 127,50 Dollar angehoben. Damit wäre die Transaktion 44 Milliarden Dollar schwer. NXP-Aktien zogen daraufhin an der Wall Street um knapp sechs Prozent auf 125,56 Dollar an. Qualcomm fielen um 1,33 Prozent.

Mit neun NXP-Aktionären, die zusammen mehr als 28 Prozent der ausstehenden Aktien halten, seien bereits verbindliche Vereinbarungen geschlossen worden, teilte Qualcomm mit. Darunter ist auch der Fonds Elliott des Milliardärs Paul Singer, der bisher einen höheren Preis forderte. Zudem senkte der Konzern die Mindestannahmeschwelle für das Angebot von 80 auf 70 Prozent. Die Annahmefrist läuft nun bis zum 5. März. Qualcomm bekam für die Übernahme bereits grünes Licht von acht Regulierungsbehörden. Lediglich eine Freigabe aus China steht noch aus.

Hilfe bei der Abwehr von Broadcom?

Qualcomm ist führender Hersteller von Funkchips für Smartphones und stellt auch den Hauptprozessor vieler Telefone mit dem Google-Betriebssystem Android. NXP ist bekannt für die NFC-Funktechnologie, mit der zum Beispiel kontaktlose Zugangs- oder Bankkarten laufen. Außerdem ist NXP auch ein wichtiger Player bei Technik für vernetzte und autonome Fahrzeuge.

Der Schritt könnte Qualcomm bei der Verteidigung gegen einen Übernahmeangriff des Konkurrenten Broadcom helfen. Dieser will seinerseits Qualcomm kaufen, mit einem Preis von 121 Milliarden Dollar für die Firma und der Übernahme von Schulden von 25 Milliarden Dollar.

Die Qualcomm-Führung sperrt sich gegen das Angebot, Broadcom hofft auf die Zustimmung der Aktionäre. Ein höherer Preis für NXP würde auch diesen Deal kostspieliger machen. Broadcom erklärte in einer ersten Reaktion auf den Qualcomm-Schritt lediglich, man prüfe nun die Optionen. Zugleich kritisierte Broadcom, dass damit zusätzliche Werte von Qualcomm-Aktionären zu NXP-Anteilseignern übergingen.

Chipbranche in Aufruhr

Broadcom hatte zuvor bereits angekündigt, die Offerte für Qualcomm könne bei einer Erhöhung des NXP-Gebots zurückgezogen werden. Sollte also Broadcom bei Qualcomm endgültig scheitern, könnte Broadcom statt dessen ein Auge zum Beispiel auf Infineon oder andere Halbeiterhersteller werfen. Damit bleibt die Konsolidierungsfantasie in der Branche erhalten.

Der Übernahmekampf sorgt deshalb für weites Interesse: So legten die Papiere der Chip-Hersteller Analog Devices, Xilinx, KLA-Tencor und Applied Materials um zwischen 2,69 und 3,13 Prozent zu und führten die Liste der Kursgewinner im Nasdaq 100 Index an.

lg