Euromünze zerknittert

Aufseher appellieren an Banken Problemkredite endlich loswerden

Stand: 14.11.2017, 20:20 Uhr

Die Banken in der Währungsunion schleppen noch einen unfassbar hohen Berg von 800 Milliarden Euro notleidender Kredite mit sich herum. Kein Wunder, dass die Aufseher zum Handeln drängen.

Zwar sei es in den vergangenen Jahren gelungen, die Problemkredite um etwa 200 Milliarden Euro zu reduzieren. Allerdings bleibe der Rest eine immense Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems, warnte die für die Bankenaufsicht zuständige EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt. "Darum müssen Banken jetzt handeln."

Sabine Lautenschläger

Sabine Lautenschläger. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Der Chef der europäischen Bankenaufsicht EBA, Andrea Enria, bemängelte, es gebe nach wie vor "eine Menge Banken, die nicht genug unternommen haben". In acht der 28 EU-Staaten liege die Rate der notleidenden Kredite des Bankensystems bei mehr als zehn Prozent - deutlich über dem EU-Schnitt von 4,5 Prozent. Betroffen seien vor allem Geldhäuser in Südeuropa. Aber auch zahlreiche deutsche Banken, allen voran die Commerzbank, litten in der Vergangenheit unter milliardenschweren faulen Krediten und mussten sich deshalb wiederholt frisches Geld besorgen.

Gespräche laufen

Fernglas auf die Frankfurter Skyline gerichtet

Bankenaufsicht. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die EZB, die die 120 wichtigsten Banken in der Euro-Zone seit gut drei Jahren direkt beaufsichtigt, führt derzeit mit den betroffenen Geldhäusern Gespräche über eine Lösung des Problems. Ein hoher Grad an notleidenden Krediten ist nicht nur für ein einzelnes Institut ein Problem, sondern auch gesamtwirtschaftlich eine Belastung.

Lautenschläger will die Banken nur im Notfall zur Bereitstellung zusätzlichen Kapitals auffordern, um die faulen Kredite abzudecken. Sollten die Gespräche mit den Instituten fehlschlagen, könne die Aufsicht die Daumenschrauben aber auch anziehen.

Moratorium für Banken in Schieflage

Um Krisenbanken vor massenhaften Abhebungen (Bank run) und dem Zugriff der Gläubiger vorübergehend besser schützen zu können, wollen die EU-Staaten die Möglichkeit schaffen, Guthaben vorübergehend einzufrieren. Elke König, die Chefin europäischen Bankenabwicklungsbehörde SRB (Single Resolution Board), fordert, dass die Behörden in Schieflage geratene Banken für "zwei bis sieben Tage, idealerweise fünf Tage" vor dem Zugriff ihrer Gläubiger schützen können.

Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)

BaFin-Chefin Elke König. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In dieser Zeit könnten Aufseher und Abwickler dann beispielsweise die Aufspaltung des Instituts in einen überlebensfähigen Teil und eine "Bad Bank" in die Wege leiten oder den Notverkauf an eine andere Bank organisieren. Der bisherige Plan der EU sieht vor, Kontoauszahlungen für fünf Arbeitstage zu sperren und "unter außergewöhnlichen Umständen" die Sperre auf bis zu 20 Tage zu verlängern.

Zu viele Banken in Deutschland?

Derweil sagte Christian Sewing, stellvertretender Vorstandschef der Deutschen Bank, auf der gleichen Veranstaltung, in Deutschland gebe es immer noch zu viele Banken - zumindest im Vergleich zu Frankreich oder Spanien.

Der Manager ist überzeugt, dass die stärkere Regulierung und die Nullzinspolitik der EZB für eine weitere Konsolidierung der Bankenbranche sorgen werde. Diese Umstände seien letztlich auch der Grund für eine Integration der Postbank in die Deutsche-Bank-Gruppe.

Einigung bei BaselIII "in greifbarer Nähe"

Immerhin zeichnet sich nun endlich ein Kompromiss bei den globalen Kapitalregeln für Banken ab. Eine Einigung im zähen Ringen um weltweit gültige Kapitalvorschriften für Banken sei in greifbarer Nähe, sagte am Dienstagabend Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Demnach soll der errechnete Kapitalbedarf nicht unter 72,5 Prozent des nach einem Standard-Modell ermittelten Werts fallen dürfen. Europäische Vertreter hatten eine Grenze von 70 Prozent gefordert - die USA wollten mindestens 80 Prozent durchsetzen. Für Deutschland sei dies alles andere als ein Wunschergebnis, sagte Dombret. "Ein Scheitern wegen 2,5 Prozentpunkten - da sind sich BaFin und Bundesbank einig - wäre aber auch nicht gerechtfertigt", sagte er. Es sei nun an der Zeit, diesen Kompromiss anzunehmen.

Deutsche Bankenvertreter hatten am Montag auf der Finance Week gegen die sich abzeichnende Einigung gewettert. So kritisierte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch, er könne die Ansicht nicht nachvollziehen, dass dies aus europäischer Sicht ein guter Deal sei. Ähnlich deutlich lehnte Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels den europäisch-amerikanischen Deal ab. Der sich abzeichnende Kompromiss "ist uns ein Dorn im Auge", sagte er.

lg/ nb