Logos von Microsoft, Apple, Facebook, Google und Amazon

Massive Verluste an der Nasdaq Platzt die nächste Technologieblase?

Stand: 04.09.2020, 15:00 Uhr

Nach monatelangen Kursanstiegen haben die Aktien von Apple, Tesla & Co. am Donnerstag einen scharfen Rückschlag erlitten. Experten hatten bereits in den vergangenen Wochen davor gewarnt, dass viele der Titel zu "heiß" gelaufen sind.

Die Verluste am Donnerstagabend deutscher Zeit waren abrupt und massiv. Der Auswahlindex der US-Technologiebörse Nasdaq, der Nasdaq 100, verlor mehr als fünf Prozent und zog auch die Standardwerte im Dow-Jones-Index und den S&P 500 deutlich nach unten.

"Kasse machen" nach steilem Anstieg

Wie so oft an der Börse entlud sich die Skepsis vieler Investoren an den "heiß gelaufenen" Tech-Titeln in einem Gewitter, das in dieser Stärke dennoch viele Beobachter überrascht hat. Anders als den den Vortagen hätten Anleger gute US-Wirtschaftsdaten ignoriert, sondern angesichts der Kursgewinne der vergangenen Monaten einfach "Kasse gemacht", so etwa Chris Hussey von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Gerade in den zuletzt so starken Aktien von Facebook, Amazon, Netflix, Google, Microsoft, Apple und Nvidia hätten die Anleger Gewinne realisiert.

Tatsächlich gehörten die Papiere von Apple mit minus 8,5 Prozent, Tesla mit minus 9 Prozent oder auch Microsoft mit minus 6,2 Prozent zu den größten Verlieren. Die Aktie des Video-Streaming-Anbieters Zoom verlor als schwächster Nasdaq-Wert sogar 10 Prozent.

Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.692,57
Differenz relativ
+0,25%

Facebook, Nvidia

Blase oder nicht Blase?

Über die Gründe des kleinen Ausverkaufs spekulieren die Experten nun in verschiedenen Richtungen. Vor allem das Schlagwort von einer neuen Technologieblase, vergleichbar mit der Dotcom-Blase vor 20 Jahren, machte bereits im Vorfeld die Runde.

Anhänger dieser Theorie führen die hohen Börsen-Bewertungen vieler der Tech-Konzerne ins Feld. Tatsächlich kostet etwa die Apple-Aktie das 36fache der für das kommende Geschäftsjahr erwarteten Gewinne.

Viele andere der stark gestiegenen Tech-Aktien kommen auf noch weitaus ungünstigere Werte in Sachen "Kurs-Gewinn-Verhältnis" (KGV). So liegt das KGV von Amazon bei 129. Und der Shooting-Star der Tech-Szene der vergangenen Monate, der Video-Konferenz-Spezialist Zoom hat gerade erst richtig die Gewinnzone erreicht. In vielen Fällen haben sich die teils optischen Bewertungs-Kennziffern allerdings als trügerisch erwiesen. Viele der aussichtsreichen Tech legen zunächst Wert auf Wachstum und Expansion - die Gewinne werden dann später eingeheimst.

Rasante Kursanstiege, damals und jetzt

Eine weitere Parallele zur Jahrtausendwende ist der rasante Kursanstieg des gesamten Sektors. Zwischen 1990 und 2000 legten US-Technologiewerte jährlich um 34 Prozent zu. Das vergangene Jahrzehnt hat jährliche Zuwächse beim Nasdaq Composite von 20 Prozent beschert, nicht ganz so dramatisch, aber doch bemerkenswert.

Marktbeobachter, die dieser These von der Blase 2.0 widersprechen, verweisen auf die hohe Liquidität vieler der großen Tech-Konzerne. Anders als um die Jahrtausendwende haben Apple, Microsoft oder Facebook viele Milliarden an Rücklagen, ihre finanzielle Position sieht also grundlegend anders aus als zur "Dotcom-Zeit". Der gesamte Tech-Sektor verfüge über ein finanzielles Netto-Guthaben, sagt etwa Portfolio-Manager Erling Haugan Kise, von DNB Asset Management, im Gegensatz zu anderen Branchensektoren.

Die fundamentalen Chancen für die Techs werden im Jahr 2020 zudem deutlich besser begründet als vor zwei Jahrzehnten. Die Digitalisierung unserer Gesellschaft steht vor einem weiteren Sprung. Elektro-Mobilität wird in den kommenden Jahren vom Nischenphänomen zum Mainstream werden.

Klumpenbildung durch Tech-Giganten

Anders als vor 20 Jahren hat sich in den vergangenen Jahren aber eine gewaltige Zusammenballung von Marktmacht bei wenigen der "Tech-Gorillas" ergeben, die den Technologiebereich dominieren: Amazon, Apple, Facebook, Microsoft und die Google-Mutter Alphabet haben zuletzt fast vier Billionen Dollar an Börsenwert aufgeboten, das ist mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands.

Die "Big Seven" unter den US-Techs, die genannten Unternehmen plus Netflix und Nvidia umfassen die Hälfte der Marktkapitalisierung des Auswahlindex' Nasdaq 100. Diese "Klumpenbildung" birgt ganze neue Risiken für Technologie-Börsen - aber auch für den Kapitalmarkt insgesamt. Fällt etwa die Apple-Aktie deutlich, etwa weil die Verkaufszahlen des iPhones die Markterwartungen nicht erreichen, reißt dies den gesamten Index mit. Apple ist auch ein Schwergewicht im Dow-Jones-Index und im S&P 500 - genau wie Microsoft.

Vermögensverwalter und Spekulanten

Die Klumpenbildung kommt nicht von ungefähr. Die Riesen-Konzerne wie Apple oder Alphabet sind global präsent, scheffeln Milliarden-Gewinne und sorgen damit auch dafür alle Billionen von Dollar, Euro oder Yen in ihre Aktien investiert werden. Keine Fondsgesellschaft, kein Vermögensverwalter, kein Versicherer - und auch kein Privatanleger kann noch einen Bogen um die Titel machen. Dazu kommen viele kurzfristig orientierte Anleger, die mit den Titeln des Tech auch kurzfristig spekulieren und sie auf immer neue Hochs treiben.

Zusammen mit der Spekulationswut vieler Anleger in den vergangenen Wochen dürften auch in Zukunft weitere Rückschläge an den Tech-Märkten zu erwarten sein. Nach einem Anstieg des Nasdaq 100 um fast 40 Prozent alleine im laufenden Börsenjahr war der Mini-Crash des Donnerstags wohl nur eine Frage der Zeit.

AB