Einzelne rote Medikamentenkapsel zwischen weißen Tabletten

Studie von EY Pharmaindustrie: Wehe dem, der keine Blockbuster hat

von Lothar Gries

Stand: 20.05.2019, 15:26 Uhr

Die Produktpipeline der Pharmaindustrie wächst von Jahr zu Jahr. Entsprechend steigen auch die Ausgaben für Forschung & Entwicklung. Angesichts der rasanten Veränderungen in der Branche wird die Größe eines Unternehmens immer wichtiger.

Wie aus der neuesten Analyse des Beratungsunternehmens EY hervorgeht, ist der Umsatz der zehn weltgrößten Pharmaunternehmen im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gestiegen, auf gut 300 Milliarden Euro. Gleichzeitig mussten die nachfolgenden Unternehmen, von Rang elf bis Rang 22, einen Umsatzrückgang hinnehmen.

Noch deutlicher zeigte sich die unterschiedliche Entwicklung der Branche beim Blick auf das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit). So konnte das Ebit der Top Ten im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent zulegen, während es bei den nachfolgenden, also umsatzschwächeren Unternehmen um 9,0 Prozent sank.

Zwei Geschwindigkeiten

Die höchsten Ebit-Margen erzielten im vergangenen Jahr die Biotechfirmen Biogen (47,4 Prozent) und Amgen (44,4 Prozent). Die weltgrößten der Branche, Pfizer und Roche, mussten sich mit Margen von respektive 24,7 Prozent und 31,5 Prozent zufrieden geben. Zu den margenschwächsten Firmen gehörten Bayer (16,1 Prozent), Sanofi (14,5 Prozent) und AstraZeneca (7,9 Prozent).

Die Experten von EY erklären diese Entwicklung der zwei Geschwindigkeiten mit dem hohen Anteil von Krebsmitteln am Umsatz der Unternehmen der Top Ten. Auch wächst die Onkologie nach wie vor am stärksten: um 5,3 Prozent allein von 2017 auf 2018. Die in dieser Sparte führenden Unternehmen gehören zu den zehn umsatzstärksten Firmen der Branche. Roche, AbbVie und Johnson & Johnson konnten 2018 die höchsten Umsätze mit Krebsmitteln verbuchen.

Auch die Erlöse aus dem Verkauf von Impfstoffen legten zuletzt deutlich zu, um 5,1 Prozent. Von den großen Therapiebereichen erzielte sonst nur noch die Augenmedizin leichte Zuwächse (plus 2,2 Prozent). In allen anderen Therapiebereichen gingen die Umsätze zurück.

64,2 Prozent der Umsätze mit Blockbuster-Medikamenten

Viagra von Pfizer (l.) und die generische Variante des Tochterunternehmens Greenstone

Viagra von Pfizer (l.) und die generische Variante von Greenstone "sildenafil citrate". | Bildquelle: picture alliance / Richard Drew/AP/dpa

Dass sich die Pharmaunternehmen so unterschiedlich entwickeln, liegt auch an der zunehmenden Abhängigkeit von Blockbuster-Medikamenten. Ihr Anteil am Umsatz der Pharmakonzerne stieg im vergangenen Jahr auf 64,2 Prozent. Das waren 2,6 Prozentpunkte mehr als noch 2017. Als Blockbuster gelten Wirkstoffe, die mehr als eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr erbringen. Dazu gehört etwa Viagra von Pfizer oder Xarelto von Bayer.

Dabei zeigt sich auch hier wieder: je größer der Hersteller, desto höher die Umsätze mit Blockbuster-Medikamenten. Von dieser Entwicklung profitieren vor allem US-Firmen. Sie erzielen sogar 72 Prozent ihrer gesamten Erlöse mit Blockbustern. Bei dem auf Krebsmittel spezialisierten Konzern Celgene beträgt dieser Anteil sogar 94 Prozent.

Blockbuster werden "kurativer"

Allerdings neige sich die Ära der Massen-Blockbuster dem Ende zu, prophezeit EY-Direktor Siegfried Bialojan. Das Konzept ‚Eine Pille für alle‘ weiche immer mehr personalisierten Therapien. Trotzdem dürften Umsätze und auch die Abhängigkeit der Firmen von Blockbustern unverändert hoch bleiben, denn viele der neuen Therapien seien sehr hochpreisig.

Und noch etwas verändert die Branche derzeit rasant: während die Blockbuster-Medikamente in der Vergangenheit oft nur die Symptome behandelten, sind sie heute zunehmend kurativ ausgerichtet. Ihr Ziel ist es also, Patienten zu heilen, statt Krankheiten nur erträglich zu gestalten.

Die EY-Experten weisen zudem daraufhin, dass sich die Pharmaindustrie dank der Digitalisierung immer stärker zu Gesundheitsdienstleistern entwickeln werde. Es werde stärker als heute darauf ankommen, Daten zu analysieren und passgenaue Angebote für Patienten zu kreieren.

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