Verdachstfälle werden im Labor geprüft

Suche nach wirksamem Mittel gegen das Virus Pharmabranche im Corona-Fieber

Stand: 07.02.2020, 16:30 Uhr

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Gut ein Dutzend Arzneimittelhersteller arbeiten mit Hochdruck an Impfstoffen und Behandlungsmöglichkeiten gegen die Krankheit. Doch die Suche nach dem Wundermittel könnte länger dauern...

Die Angst geht um - vor dem neuartigen aus China stammenden Coronavirus. In vielen Städten Chinas trauen sich die Menschen kaum noch auf die Straße - und wenn, dann nur mit Atemschutzmaske. Reisen werden gemieden oder storniert, Restaurants und Bars sind wie leergefegt, und auch in Einkaufszentren ist viel weniger los als sonst. Die Millionen-Metropole Wuhan steht unter Quarantäne. Auch in Europa und Deutschland ist das Virus bereits angekommen, die Zahl der Infizierten bleibt aber noch überschaubar.

Erster Durchbruch oder nicht?

Alle Hoffnungen, die Pandemie einzudämmen, ruhen nun auf der Pharmaindustrie. Mitte der Woche meldete China einen ersten Durchbruch. Das chinesische Fernsehen berichtete, Forscher der Universität Zhejiang hätten ein wirksames Medikament zur Behandlung des Coronavirus gefunden. Prompt erholten sich die Börsen von den jüngsten Kursverlusten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO jedoch betonte, dass es momentan noch keine bekannte wirksame Therapie gebe.

Offenbar wird derzeit vor allem die anti-retrovirale Therapie angewandt. Ärzte in China bestätigten, dass sie Infizierten in Peking Anti-HIV-Mittel gaben. Die Therapie habe schon bei der ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten Atemwegserkrankung SARS Wirkung gezeigt.

In Thailand erhielt eine 71-jährige infizierte Chinesin ein Cocktail aus Grippe- und Anti-HIV-Medikamenten. 48 Stunden später war sie virenfrei. Ihre Ärzte mahnten aber, die Mittel dürften wegen möglicher starker Nebenwirkungen nur unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden.

Erstes Anti-Virus-Mittel in Erprobung

Die Hoffnung auf ein Heilmittel steigt: Zur Behandlung von Erkrankten haben chinesische Behörden inzwischen das amerikanische Anti-Virus-Medikament Remdesivir für klinische Versuche zugelassen. Es habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie SARS oder MERS und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. 761 Patienten nähmen an den Tests teil.

Das gab der Biotech-Firma Gilead Sciences Auftrieb. Die Aktie von Gilead sprang seit Ende Januar um über zehn Prozent nach oben. Zuvor war sie kaum vom Fleck gekommen.

Glaxo: Impfstoff frühestens in zwölf Monaten

Die Pharmaindustrie dämpft freilich Hoffnungen auf die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes oder einer wirksamen Therapie gegen das neue Coronavirus. Bis dahin sei es vielmehr noch ein langer Weg. "Wir sprechen von mindestens zwölf bis 18 Monaten", sagt Thomas Breuer, Chief Medical Officer der Impfstoffsparte des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline.

Dabei dürfte die Zulassung eines Impfstoffes länger dauern als die einer Therapie für Patienten, bei denen die Krankheit bereits ausgebrochen ist, sagt Merdad Parsey, Chief Medical Officer bei Gilead Sciences. Denn die klinischen Studien für diese könnten kleiner ausfallen und kürzer laufen als für einen Impfstoff.

Gesundheitsbehörden in den USA und China wollen einen Impfstoff innerhalb der nächsten Monate in die klinische Erprobung bringen. Mit neueren Impfstoffplattformen wie der des US-Biotechkonzerns Moderna können Wissenschaftler einen potenziellen Impfstoff in Rekordzeit entwickeln, nur basierend auf der Kenntnis des genetischen Codes des Virus. Mit diesem Code können Wissenschaftler sogar mit der Impfstoffentwicklung beginnen, ohne dass ihnen eine Probe des Virus vorliegt.

Viele Hürden

Bis es ein Impfstoff aber aus dem Labor bis zu seinem Einsatz schafft, müssen noch einige Hürden überwunden werden. Die Pharmaunternehmen müssen nicht nur ihre Herstellungskapazitäten erweitern und ein Vertriebsnetz ausbauen. In klinischen Studien muss zudem untersucht werden, ob der Impfstoff nicht nur Immunität gegen das Virus verleiht, sondern auch sicher genug ist, um in der allgemeinen Bevölkerung eingesetzt zu werden. Bis ein wirksamer Impfstoff gefunden sei, könne das Virus schon Geschichte sein, erklärt Morningstar-Analystin Karen Andersen.

Auch an völlig neuen Mitteln wird gearbeitet. Die US-Gesundheitsbehörde ist mit dem Pharma-Unternehmen Regeneron eine Partnerschaft eingegangen, um sogenannte monoklonale Antikörper gegen 2019-nCoV zu entwickeln. Solche im Labor hergestellten Antikörper haben die Sterberate bei Ebola-Patienten verringert.

Jeder Erfolg wird an der Börse honoriert

Ein Wundermittel ist also in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Aber anti-retrovirale Medikamente könnten die Ausbreitung des Virus wohl schon etwas eindämmen, wenn sie sich als wirksam erweisen. Das dürfte die Aktienkurse von einzelnen Biotech- und Pharmafirmen in Schwung bringen.

Anlagestrategen rechnen in den nächsten Monaten mit Rückenwind für Pharma- und Gesundheitsaktien. Gerade in turbulenten Börsenzeiten gelten die defensiven Titel als Bollwerk. Allerdings könnte der US-Präsidentschaftswahlkampf für Unsicherheit sorgen. Sollten demokratische Kandidaten wie Bernie Sanders oder Elizabeth Warren sich durchsetzen, würde "Big Pharma" leiden. Warren fordert die Einführung einer staatlichen Krankenversicherung, Kliniken und "Pharma-Konzerne bekämen dann deutlich weniger Vergütungen.

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Die Virus-Profiteure Von Medikamenten bis Atemschutzmasken

<strong>Gilead Sciences</strong><br/>Bei antiviralen Medikamenten liegt Gilead ganz vorn. Die Biotech-Firma ist führender Anbieter von Aids-Medikamenten. Zur Behandlung von Coronavirus-Erkrankten haben chinesische Behörden inzwischen das Anti-Virus-Medikament Remdesivir von Gilead für klinische Versuche zugelassen. 761 Patienten nehmen an den Tests teil.Remdesivir habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. Die Nachricht aus China beflügelte den Aktienkurs der Biotech-Firma. Die Aktien von Gilead sprangen seit Ende Januar um über zehn Prozent nach oben, nachdem sie sich vorher eher seitwärts entwickelt hatten.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Monat

Gilead Sciences
Bei antiviralen Medikamenten liegt Gilead ganz vorn. Die Biotech-Firma ist führender Anbieter von Aids-Medikamenten. Zur Behandlung von Coronavirus-Erkrankten haben chinesische Behörden inzwischen das Anti-Virus-Medikament Remdesivir von Gilead für klinische Versuche zugelassen. 761 Patienten nehmen an den Tests teil.Remdesivir habe gute Ergebnisse bei anderen Coronaviren wie Sars oder Mers und zumindest auf Zellebene auch bei dem 2019-nCov genannten neuen Virus gezeigt. Die Nachricht aus China beflügelte den Aktienkurs der Biotech-Firma. Die Aktien von Gilead sprangen seit Ende Januar um über zehn Prozent nach oben, nachdem sie sich vorher eher seitwärts entwickelt hatten.