Laborpipette

Günstige Saisonalität Gute Aussichten für Pharma-Aktien – noch bis Juli?

Stand: 14.05.2020, 15:12 Uhr

Pharma- und Biotech-Papiere gelten als Gewinner der Corona-Krise. Hinzu könnte ein saisonaler Faktor kommen: Von Mai bis Mitte Juli ist die Chance für Kursgewinne in diesen Branchen sehr groß. In diesem Jahr könnte das Muster besonders gut passen.

Dass Pharma- und Biotech-Aktien insgesamt von der Corona-Krise profitieren, ist allgemeine Ansicht: Nicht nur, dass dutzende Unternehmen auf der Jagd nach einem Impfstoff sind und natürlich auch Medikamente gegen das Virus entwickeln und verkaufen wollen. Das momentan gestiegene Bewusstsein für die eigene Verletzlichkeit lässt die Gesundheit für viele in den Vordergrund rücken.

Und da hat die Industrie jede Menge zu bieten gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit, auch Pillen, die das Immunsystem stärken sollen und Vitaminpräparate aller Art. Die Nachfrage nach anderen Produkten der Branche ist ebenfalls groß, denn in der Krise müssen Krankenhäuser ihre Arznei-Lager füllen. Für Mojmir Hlinka, Finanz- und Anlageexperte des Schweizer Vermögensverwalters AGFIF International, gehört die Pharmaindustrie ganz klar zu den Gewinnern: "Dafür braucht es keinen Analysten, sondern nur den gesunden Menschenverstand."

Auf der Jagd nach dem Corona-Blockbuster

Ein Selbstläufer sind aber nicht unbedingt alle Aktien. In der abgelaufenen Berichtssaison gab es auch aus der umjubelten Pharmabranche durchaus negative Überraschungen. Der deutsche Vertreter Merck präsentierte heute die Quartalsbilanz und stellt die Anleger auf erhebliche Belastungen ein. Der US-Konkurrent Johnson & Johnson rechnet 2020 mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang.

Einige Titel haben ihren Vorkrisenstand längst übertroffen, andere hinken noch hinterher. Wie immer wird es auch in der Biotech- und Pharmabranche letztlich Gewinner und Verlierer geben. Und wer das Rennen um den Impfstoff machen wird und dann die Geldruckmaschine anwerfen kann - wer weiß?

Saisonaler Chart Nasdaq Biotech-Index

Saisonaler Chart Nasdaq Biotech-Index. | Grafik: boerse.ARD.de

Wer keine Lust hat, sich mit einzelnen Branchenvertretern zu befassen, der muss das nicht tun. Denn es gibt neben Corona noch einen weiteren Grund, warum es sich gerade jetzt lohnt, beide Sektoren genauer zu beobachten. Saisonale Faktoren sprechen dafür, dass Pharma und Biotech tatsächlich vor einer starken Phase stehen - und das ganz unabhängig von der Corona-Krise. Darauf weisen die Fachleute von Seasonax in einer aktuellen Analyse hin.

Ein verlässliches Muster

Dimitri Speck, Gründer und Chefanalyst von Seasonax, hat sich insbesondere den Nasdaq-Sektor Biotechnologie angesehen. In der Zeit zwischen dem 20. Mai und 26. Juli erlebt er seine stärkste Phase, hat Speck festgestellt. Was diesen saisonalen Effekt besonders reizvoll macht, ist nach Ansicht der Experten, dass er ziemlich verlässlich funktioniere.

Der Index sei in den vergangenen 15 Jahren in 13 von 15 Fällen gestiegen, so Speck: "Und in den zwei Verlustjahren waren die Einbußen relativ moderat." Insgesamt sei das Verhältnis von Chance und Risiko deshalb exzellent. Hintergrund für dieses Muster seien unter anderem die je nach Jahreszeit nachgefragten Medikamente. In den Monaten April und Mai seien es typischerweise Heuschnupfenmittel, wenn die Temperaturen fielen eben Grippemittel.

In diesem Jahr könnte ein besonderer Effekt hinzukommen, denn spätestens in der zweiten Jahreshälfte dürften sich die genannten Vorzieheffekte aus der Lageraufstockung wegen der Corona-Krise bemerkbar machen und ins Negative umkehren.

ts

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Impfstoffe, die Leben retten Die Virus-Profiteure

<strong>Moderna</strong><br/>Im globalen Rennen um einen Impfstoff ist Moderna weit vorne dabei. An der Börse ist das US-Unternehmen mit fast 27 Milliarden Euro bewertet. Der Kurs hat sich seit Mitte Februar mehr als verdreifacht - trotz des jüngsten Rückschlags. Moderna hat Mitte März in den USA eine klinische Studie zu seinem RNA-Impfstoff "mRNA-1273" gestartet. Mitte Mai gab es erste positive Zwischenergebnisse. Der Coronavirus-Impfstoff habe sich in einer Phase-1-Studie als gut verträglich erwiesen. Die Testkandidaten hätten frühe Anzeichen einer Immunantwort gezeigt. Die abschließende Phase 3 soll im Frühsommer eingeleitet werden. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel. Die vorgelegten Zwischenergebnisse würden keine kritischen Daten liefern, die zur Bewertung der Wirksamkeit nötig seien, monierte das US-Gesundheitsnachrichtenportal Stat. Moderna kooperiert mit dem Schweizer Pharmazulieferer Lonza, um den Impfstoff zu produzieren.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 3 Monate

Moderna
Im globalen Rennen um einen Impfstoff ist Moderna weit vorne dabei. An der Börse ist das US-Unternehmen mit fast 27 Milliarden Euro bewertet. Der Kurs hat sich seit Mitte Februar mehr als verdreifacht - trotz des jüngsten Rückschlags. Moderna hat Mitte März in den USA eine klinische Studie zu seinem RNA-Impfstoff "mRNA-1273" gestartet. Mitte Mai gab es erste positive Zwischenergebnisse. Der Coronavirus-Impfstoff habe sich in einer Phase-1-Studie als gut verträglich erwiesen. Die Testkandidaten hätten frühe Anzeichen einer Immunantwort gezeigt. Die abschließende Phase 3 soll im Frühsommer eingeleitet werden. Doch inzwischen mehren sich die Zweifel. Die vorgelegten Zwischenergebnisse würden keine kritischen Daten liefern, die zur Bewertung der Wirksamkeit nötig seien, monierte das US-Gesundheitsnachrichtenportal Stat. Moderna kooperiert mit dem Schweizer Pharmazulieferer Lonza, um den Impfstoff zu produzieren.