Luxus Onlineshopping

Luxus geht online Per Mausklick zur Luxusuhr

von Thomas Spinnler

Stand: 18.05.2018, 06:45 Uhr

Eine Luxus-Uhr für 100.000 Euro online kaufen – warum nicht?! Der Generationenwechsel beschleunigt den digitalen Wandel in der Luxusgüterbranche.

So stellen wir uns ein würdiges Konsumerlebnis im Luxussegment vor: Wir betreten das Designergeschäft und werden bereits an der Tür freundlich mit einem Gläschen Champagner begrüßt. Jetzt nehmen sich erfahrene Mode- und Stilberater viel Zeit für unsere Wünsche und nach intensiver und kundiger Beratung verlassen wir den Laden glücklich beschwert mit ein paar Taschen, die selbstverständlich bis zu unserem mattschwarzen SUV-Boliden getragen werden - und erleichtert um ein paar tausend Euro. So war das gestern. Heute werden selbst Luxusgüter immer häufiger per Mausklick im Internet gekauft.

Leistung muss sich wieder lohnen

Der Markt für Luxusgüter wuchs im vergangenen Jahr insgesamt um rund fünf Prozent, wie die Analysten des Beratungsunternehmens Bain & Company herausgefunden haben. Die absolute Zahl ist spektakulär: Insgesamt geschätzte 1,2 Billionen Euro verkonsumierte die solvente Klientel im Jahr 2017. Für fantastische 489 Milliarden Euro beschenkten sich die Reichen & Schönen mit Luxusautos. Auch „Luxuserfahrungen bleiben sehr attraktiv für Konsumenten“, heißt es in der Bain-Studie. Damit sind Reisen, Lebensmittel oder exklusive Weine gemeint.

Globaler Luxusmarkt 2017

Globaler Luxusmarkt 2017. | Bildquelle: Bain & Company

Persönliche Luxusgüter, also Mode, Schmuck oder Kosmetik, gingen für den Rekordwert von 262 Milliarden Euro überwiegend über den Ladentisch. Und genau das könnte sich bald ändern, denn ein großer Wachstumstreiber ist der Online-Handel. Hier sprangen die Erlöse 2017 um 24 Prozent in die Höhe. Der E-Commerce erreicht damit bereits einen Marktanteil von neun Prozent. Seit 2013 liegen im E-Commerce für Luxusgüter die Wachstumsraten bei rund 25 Prozent.

Ein Klick - 10.000 Dollar sind verjubelt

Der Grund dafür liegt nach Ansicht der Bain-Experten im Generationenwechsel. Die online-affinen jungen Leute zwischen 20 und 35 sind für 85 Prozent des Wachstums verantwortlich. Mit 20 Jahren werden zwar nur die wenigsten schon Millionen angehäuft haben, aber mit Mamas und Papas Kreditkarte lässt sich natürlich durchaus etwas anfangen. Diese Generation ist es gewohnt, vor allem online shoppen zu gehen.

Der Traum vom Ferrari in Guangzhou, China

China und der Luxus: Mittlerweile ist China einer der wichtigsten Märkte für Luxusgüter. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Richemont, der zweitgrößte Luxuskonzern der Welt hinter LVMH, hat das Potenzial des Online-Handels längst erkannt. Vor allem Uhren und Schmuck sind in diesem Segment gefragt. Das Management reagierte und kaufte für den Preis von rund 2,6 Milliarden Euro den italienischen Online-Verkäufer Yoox Net-a-Porter. Mittlerweile hält der Luxusgüterkonzern 94,99 Prozent an YNAP. Falls Richemont nach dem vollständigen Ablauf des Angebots am 8. Juni 95 Prozent oder mehr an YNAP hält, soll ein Squeeze-out-Verfahren für die restlichen Aktien gestartet werden.

YNAP bereitet sich bereits auf die Bedürfnisse von Richemont-Kunden vor und wird bald eine Sektion für die wirklich teuren Juwelen und Uhren öffnen. Schließlich gehören beispielsweise die Nobel-Uhren von Cartier zu den wichtigsten Richemont-Marken. Es gebe „kein Limit dafür, was Kunden bei uns kaufen würden“, meint YNAP-Chef Federico Marchetti.

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Die Erkenntnis der wachsenden Bedeutung des Online-Handels im Luxus-Segment wird Richemont nicht exklusiv besitzen. Der Nachrichtendienst Bloomberg hat jüngst berichtet, dass die europäischen Luxuskonzerne wie LVMH, Kering und Hermes derzeit über einen Bargeldbestand von knapp 22 Milliarden Dollar verfügen - und die wollen natürlich irgendwann ausgegeben werden. Neben Sonderdividenden oder Übernahmen böten sich hier auch verstärkte Investitionen in das Online-Geschäft an.

Auch wenn die Bedeutung wachsen wird, müssen Paketboten künftig wohl trotzdem keine spezielle Einsatz-Ausbildung bei einem Sicherheitsdienst machen. Es dürfte eher so sein, dass die Produkte dann per Sonderlieferung ins Heim oder auf die Yacht gebracht werden. Auch da wird es Champagner geben und die Stilberater werden einfach mit zugestellt. Wenn der Wecker für 100.000 Dollar nicht gefällt, geht er eben zusammen mit den Beratern postwendend zurück.

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