Frau mit Brille und Notebook

Steigende Notebook-Nachfrage Licht und Schatten für PC-Hersteller

Stand: 31.03.2020, 12:05 Uhr

Schon 2019 stieg die weltweite Nachfrage nach PCs nach Jahren erstmals wieder an. Neuen Schub bringt der Home-Office-Boom aufgrund der Corona-Krise. Ein nachhaltiger Treiber für die PC-Branche?

Hersteller von Notebooks und sonstigen Computern erfreuen sich derzeit einer hohen Nachfrage. Grund dafür ist die Corona-Pandemie und die damit steigende Zahl an Home-Office-Nutzern. Das britische Markt- und Meinungsforschungsinsitut yougov geht laut einer repräsentativen Befragung davon aus, dass derzeit 22 Prozent der Deutschen im Home Office arbeiten.

Dass Notebooks und Co. gefragt sind, merkt auch der Online-Versandhändler für Notebooks und andere technische Geräte, notebooksbilliger.de. Er verzeichnet eine starke Zunahme der verkauften Notebooks, Monitore und PCs. Das Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen gab bereits Mitte März bekannt, die Bestellmengen für Notebooks, PCs und Monitore zu begrenzen. Auch um systemrelevante Unternehmen wie Polizei oder Katastrophenschutz bevorzugt behandeln zu können.

Engpässe in der Produktion

Zwar verkaufen sich die Geräte aktuell gut, allerdings gibt es Engpässe in der Produktion. Denn viele der Bauteile für Computer werden in China hergestellt. Dort stand die Produktion lange Zeit still und läuft derzeit wieder an. Der US-Chiphersteller Micron zeigte sich in einem Statement erfreut, dass Hersteller in China wieder zur vollen Produktion zurückkehrten.

Die Analysten von Canalys, einem Analysehaus für Technologie-Themen, gehen davon aus, dass sich der Bestand an Notebooks erst im Sommer wieder normalisieren wird. In diesem Szenario rechnen die Analysten mit einem Rückgang der Rechner-Verkäufe um mindestens 3,4 Prozent. Die Corona-Krise kann für Notebookhersteller also ein zweischneidiges Schwert werden.

Computer-Aktien tief gefallen

Die Aktien der meisten Computerhersteller sind aufgrund der Corona-Krise tief gefallen. Der Titel des Herstellers Dell beispielsweise hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent eingebüßt. Auch Tech-Riesen wie Apple oder Microsoft mussten herbe Verluste hinnehmen. Immerhin: In den vergangenen Tagen zogen die Kurse an.

Chiphersteller mitgerissen

Aktien von Chipherstellern sind ähnlich wie Aktien der Computerhersteller gefallen. Dennoch sieht es für die Chipbranche nicht ganz so übel aus. Der Chiphersteller Micron meldete vor wenigen Tagen, dass er für das zweite Quartal 2020 bessere Ergebnisse erwartet als angenommen. PC-Hersteller verzeichneten weiterhin eine hohe Nachfrage nach Chips. Auch die Chipspezialisten AMD und Intel sind auf dem Weg der Erholung. In den vergangenen Tagen machten sie große Teile ihrer Kursverluste wett.

Der deutsche Chiphersteller Infineon zog wegen der Krise und unkalkulierbaren Folgen zwar seine Prognose vor wenigen Tagen zurück, hat aber auch schon Möglichkeiten gefunden, trotz Krise produktiv zu bleiben. Das bayerische Dax-Mitglied hat einen Großauftrag bekommen, um Chips für Beatmungsgeräte herzustellen. Ein mögliches Geschäftsfeld, das in schwierigen Zeiten helfen kann. Die Aktionäre konnten in den vergangenen Tagen etwas aufatmen.

ms