Ausblick 2018 Chemie

Ausblick 2018 Noch ein Boomjahr für die Chemie?

Stand: 11.12.2017, 16:56 Uhr

So schnell kann man sich irren. Kaum hatte Verbandspräsident Kurt Bock düstere Aussichten für die Chemieindustrie verkündet, kam alles ganz anders. Die Branche hat 2017 einen unverhofften Boom erlebt, der sich auch im kommenden Jahr fortsetzen soll. Es sei denn...

Insgesamt vier Mal hat der Verband der deutschen Chemieindustrie VCI in diesem Jahr seine Prognose angehoben, zuletzt Anfang Dezember. Die Branche geht von einem Produktionswachstum von 2,5 Prozent aus, der Umsatz soll sogar um 5,5 Prozent auf 195 Milliarden Euro steigen. Dabei sah der Ausblick vor einem Jahr noch ganz anders aus: Die Produktion sollte höchstens um ein halbes Prozent zulegen, der Umsatz um 1,0 Prozent.

Grund für die überraschende Wende ist die weltweit brummende Konjunktur sowie die deutliche Erholung der Ölpreise. Dadurch hat sich die Nachfrage erholt. Gleichzeitig ist der Preisdruck auf Kunststoffe, Arzneimittel und Farbstoffe gesunken. Der VCI spricht deshalb von nun einem "rundum guten Jahr für die deutsche Chemie".

Der Schwung hält an

Schwungvoll soll es auch im kommenden Jahr weitergehen. "Wir sind zuversichtlich, dass sich der Aufschwung im kommenden Jahr fortsetzt“, erklärte VCI-Chef Kurt Bock, der auch den deutschen Branchenführer BASF leitet. Im Inland bleibe die Dynamik der Industrieproduktion hoch.

Auch im Ausland ist der Aufwärtstrend intakt, dadurch dürften die Exporte weiter Rückenwind bekommen. Vor diesem Hintergrund geht der VCI für 2018 von einem weiteren Produktionsanstieg von zwei Prozent aus. Der Umsatz dürfte um drei Prozent zulegen und damit voraussichtlich erstmals die Schwelle von 200 Milliarden Euro überschreiten.

Bremst die Politik den Aufschwung aus?

Kurt Bock, Basf

Kurt Bock. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Als Bremse dieser Dynamik könnte sich einmal mehr die Politik erweisen. So warnte der VCI-Präsident vor zusätzlichen Belastungen oder Alleingängen der künftigen Bundesregierung im Bereich der Energie- und Klimaschutzpolitik, etwa in Gestalt eines übereilten Ausstiegs aus der Kohle und der Einführung einer nationalen CO2-Steuer. Der damit verbundene Kostenschub, so Bock, würde Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Chemiebranche mit ihren 451.000 Mitarbeitern erheblich verschlechtern.

Sorgen bereitet dem VCI auch der Brexit. Sollte die britische Regierung Chemie- und Pharmazölle auf dem Niveau heutiger EU-Außenzölle einführen, drohten jährliche Kosten von 200 Millionen Euro. Noch teurer werde es, falls sich die Vorschriften für Chemikalien auseinander entwickeln.

Gute Unternehmenszahlen

Die gute Stimmung des Verbandes deckt sich auch mit den Zahlen der Unternehmen. So rechnet der Branchenführer BASF in diesem Jahr mit einer Ergebnissteigerung von mehr als 20 Prozent. Die Spezialchemieanbieter Covestro und Lanxess erwarten Rekordzahlen.

Ausblick 2018 Chemie

Ausblick 2018 Chemie. | Bildquelle: colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

Auch die Analysten sind überwiegend positiv gestimmt. So berichtet Chemie-Analyst Markus Mayer von der Baader Bank nach Gesprächen mit Vertretern führender Chemiefirmen, dass die meisten Unternehmen optimistisch auf das Jahr 2018 blicken. Dabei profitiert die Branche nicht nur von der guten Konjunktur. Die Unternehmen haben auch selbst viel getan, um sich aufzuhübschen und für Investoren attraktiver zu erscheinen.

Aufspalten, Ausgliedern und Aufteilen

Dabei ging es vor allem darum, die komplexen Strukturen zu entflechten und sich in Einzelteile aufzuspalten. So will sich der fusionierte DowDupont-Konzern in drei neue Unternehmen aufteilen, Bayer hat sich von seiner Kunststoffsparte getrennt und unter dem Namen Covestro erfolgreich an die Börse gebracht. Die niederländische Akzo Nobel will sich ganz auf Farben konzentrieren und die BASF bereitet mit der Fusion zwischen Wintershall und Dea offenbar eine börsenfähige Öl- und Gas-Tochter vor. Beim Schweizer Chemiekonzern Clariant vereitelte der Investor White Tale eine Fusion mit Huntsman und drängt auf den Verkauf der Kunststoffsparte.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group (BCG) haben fokussierte Spezialchemieunternehmen in den vergangenen fünf Jahren deutlich mehr Wert für ihre Anteilseigner geschaffen als breiter aufgestellte Konzerne.

Zu den Top-Performern der 200 untersuchten Firmen gehörten allerdings überwiegend Ausländer, darunter neben Nippon Paint die Schweizer Spezialchemiefirmen Lonza und Ems-Chemie mit jeweils rund 30 Prozent Rendite pro Jahr. Aus der deutschen Chemiebranche schaffte es nur der Duftstoff-Spezialist Symrise unter die Top zehn, mit mehr als 20 Prozent. Die Chemiebranche ist also alles andere als ein Langweiler. Für weitere Fantasie dürfte dabei nicht nur die gute Konjunktur, sondern auch der derzeitige Trend zum Aufspalten, Ausgliedern und Aufteilen sorgen.

lg

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