VW-Fahrzeuge auf Chinas Straßen
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Chinesischer Automarkt Neue Hiobsbotschaften für VW & Co

Stand: 13.05.2019, 11:58 Uhr

Trotz der gesenkten Mehrwertsteuer kaufen die Chinesen immer weniger Autos mit Verbrennungsmotor. Doch die Regierung hat die Hoffnung auf eine Trendwende noch nicht aufgegeben. Derweil droht den Autobauern auch Ungemach aus den USA.

Im April ist der chinesische Automobilmarkt den zehnten Monat infolge geschrumpft. Der Absatz in China, weltweit der größte und daher auch für die deutschen Autobauer wichtigste Einzelmarkt, sank um 14,6 Prozent auf 1,98 Millionen Fahrzeuge, wie der chinesische Branchenverband CAAA am Montag mitteilte.

Damit fiel das Minus fast dreimal so groß aus wie im März und in etwa so hoch wie im Februar. Um die Nachfrage anzukurbeln hatte die Regierung die Mehrwertsteuer gesenkt. "Wir hoffen auf eine Wende im Juli oder August", hatte der stellvertretende CAAA-Geschäftsführer Xu Haidong zuletzt gesagt.

VW-Schaufenster in den USA Audio

B5 Börse 13:15 Uhr: Furcht vor höheren US-Autozöllen

Kunden hoffen auf sinkende Preise

Branchenvertreter erklärten nun, die Nachfrage bleibe schleppend, da Kunden auf noch günstigere Konditionen hofften. Zudem hätten einige Provinzen früher als erwartet höhere Umweltstandards gesetzt. Das habe die Nachfrage gebremst.

Infolge der staatlichen Förderung ist derweil der Absatz von New Electric Vehicles (NEV) seit Monaten im Aufschwung. Im April stieg die Zahl der verkauften Elektro- und Hybridfahrzeuge um 18,1 Prozent auf 97.000. Im vergangenen Jahr legte der NEV-Absatz um 62 Prozent zu.

Drohender Ungemach aus den USA

Im vergangenen Jahr waren die Autoverkäufe im Land im Jahresvergleich zum ersten Mal seit 20 Jahren gesunken. Der Zollstreit zwischen China und den Vereinigten Staaten verunsichert die chinesischen Autokäufer.

Zudem belasten eine hohe Verschuldung, der schwächelnde Immobilienmarkt und eine generell weniger dynamische Konjunktur die Kauflaune. Trotzdem bleibt China der größte Automarkt der Welt und für die deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Daimler von größter Bedeutung.

Auch aus den USA droht den Autobauern Ungemach. Präsident Donald Trump sind die Überschüsse der Deutschen jedenfalls ein Dorn im Auge. "Die Deadline für die Autozoll-Entscheidung ist der 18. Mai, aber die Frist kann verlängert werden", sagte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström der "Süddeutschen Zeitung".

USA-China
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Angst vor Zollspirale

Wird die Frist verlängert?

Es gebe Signale, dass die Frist verlängert werden könnte – wegen den Verhandlungen zwischen den USA und China, auf die sich die USA konzentrieren wollten, sagte Malmström. Die Zeitung zitierte sie mit den Worten, es wäre "sehr einfach, diese Frist zu verlängern, wenn Trump das will. Er muss nur entscheiden".

Für den Fall von US-Autozöllen sieht Malmström die EU gewappnet: "Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet." Die EU-Kommission habe eine fertige Liste mit US-Produkten, gegen die dann Vergeltungszölle verhängt würden. Es seien "ähnliche Produkte" wie beim Fall von Boeing und Airbus, etwa Ketchup, Koffer und Traktoren. Insgesamt gehe es um ein Handelsvolumen von etwa 20 Milliarden Euro.

lg/rtr/dpa