BAE Systems Eurofighter Typhoon

Zu wenig, zu alt, zu schlecht Goldgräberstimmung bei Europas Rüstungsschmieden

von von Thomas Spinnler

Stand: 22.11.2018, 06:45 Uhr

Die „Armee Europas“, eine Vision des französischen Präsidenten Macron, ist bislang zwar nur eine Idee. Aber sicher ist schon jetzt, dass die Europäer wieder mehr Geld für Waffen ausgeben werden. Die europäische Rüstungsindustrie darf sich auf gute Geschäfte freuen.

„Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor“, lautet ein altes lateinisches Sprichwort. Die hochbezahlten PR-Experten der globalen Rüstungskonzerne hätten es sich nicht besser ausdenken können, denn der Sinnspruch funktioniert in beide Richtungen. Schließlich muss sich natürlich auch rüsten, wer den Krieg will. Anders ausgedrückt: Gerüstet wird immer.

Das unterstreichen auch die Zahlen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. Einer aktuellen Studie zufolge sind die weltweiten Rüstungsausgaben im Jahr 2017 auf 1,739 Billionen Dollar gestiegen, ein Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und wer die aktuellen politischen Diskussionen verfolgt und die globalen Krisengebiete betrachtet, weiß: Die Ausgaben wachsen mit ziemlicher Sicherheit weiter.

Macrons „Armee der Europäer“

In den USA könnten die Militärausgaben im Jahr 2019 auf bis zu 716 Milliarden Dollar steigen. Auch in Deutschland stehen die Zeichen auf Wachstum. Der Verteidigungsetat wird für das kommende Jahr um knapp vier Milliarden auf 42,9 Milliarden Euro erhöht. Auch andere europäische Länder werden ihr Engagement wohl erhöhen.

Die zehn größten Rüstungskonzerne

Die zehn größten Rüstungskonzerne. | Bildquelle: Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI), Grafik: boerse.ARD.de

Der französische Präsident Emmanuel Macron fordert schon seit längerem ein stärkeres Engagement Europas im Militärbereich. „Europa und darin das deutsch-französische Paar hat die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen“, hatte er unlängst im Deutschen Bundestag gesagt. Deswegen müsse Europa stärker und eigenständiger werden. Dazu gehört auch Macrons Vision einer „wahren europäischen Armee“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich positiv zu Macrons Vorstellungen geäußert.      

Hintergrund ist das Bestreben, unabhängiger von der Schutzmacht USA zu werden - eine Position, die angesichts der Präsidentschaft Donald Trumps und der damit zusammenhängenden Verwerfungen aller Art keine Schwierigkeiten hat, begeisterte Anhänger zu finden. Die europäische Rüstungsindustrie darf sich schon auf volle Auftragsbücher freuen: Er wolle nicht, dass die europäischen Länder ihre Verteidigungsbudgets erhöhen, um amerikanische Waffen zu kaufen, hatte Macron jüngst dem US-Sender CNN gesagt.  

Europa mitten im „Ring of Fire“

Zu tun gibt es für Europa einiges, wie eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte, die die Münchner Sicherheitskonferenz in Zusammenarbeit mit der Beratungsgesellschaft McKinsey sowie der Hertie School of Governance anfertigte: „More European, More Connected and More Capable - Building the European Armed Forces of the Future”, heißt die Analyse, die den Rüstungskonzernen sicher willkommen war.

Emmanuel Macron

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron: Europäische Waffen für Europa . | Bildquelle: Imago

Die Autoren beschreiben einen „neuen strategischen Kontext“ und haben „neue Bedrohungen“ identifiziert, darunter die „konfrontative Beziehung“ zu Russland, „fragile Staaten und ökonomische Instabilität um Mittelmeerraum“ und das „neue Schlachtfeld“ Cyberspace. Anstatt umgeben von einem Ring gutregierter Staaten zu sein, sei Europa umgeben von einem „Ring of Fire“.

Natürlich haben die Experten auch über Details nachgedacht, und die einzelnen Waffensysteme in Augenschein genommen: Zu wenig, zu alt, zu schlecht, zu viele verschiedene Modelle, die logistische Probleme bereiten, lautet das Fazit. Wegen dieser Defizite seien Europas Nationen in der Regel überwältigt von den Anforderungen neuer Missionen.        

„Finding Answers to New Threats”

Antworten auf die neuen Bedrohungen haben die Rüstungskonzerne im Angebot. Erst diesen Montag hat die EU 17 weitere Rüstungs- und Militärprojekte beschlossen. Zu den neuen Projekten gehören die Entwicklung eines selbstfahrenden Landfahrzeugs, eine verbesserte Variante des Kampfhubschraubers Tiger sowie Initiativen im Bereich von ABC-Kampfstoffen, Cyberabwehr, Navigation und ein Ausbildungszentrum für militärische Geheimdienste. Auch eine europäische Drohne steht auf dem Wunschzettel.

Für Jan Eliasson, schwedischer Diplomat und Vorsitzender des Sipri-Vorstands, sind die steigenden Militärausgaben ein Grund, ernsthaft besorgt zu sein: „Es untergräbt die Suche nach friedlichen Lösungen für die Konflikte der Welt.“ Anders ausgedrückt: Wenn du Frieden willst, bereite den Frieden vor.

1/6

Europa rüstet auf Macrons & Merkels Visionen

BAE Systems Eurofighter Typhoon

BAE Systems UK
Der britische Konzern belegt weltweit Rang vier, in Europa ist er der größte Rüstungskonzern. Das Kerngeschäft von BAE besteht aus einer Palette von Produkten für Luft-, Land- und Seestreitkräfte, unter anderem Kampf- und Aufklärungsflugzeuge. Aber auch gepanzerte Kampffahrzeuge sind im Sortiment. BAE gehört zu den Unternehmen, die den Eurofighter Typhoon produzieren.